Dienstag, 21. Dezember 2021

Einsatz für die Bergwacht Oberau

Verstiegene und unterkühlte Person nähe Weilheimer Hütte


20.12.2021 19:18 Uhr Lkr. Garmisch-Partenkirchen;  Einsatz für die Bergwacht Oberau: Verstiegene Person
Eine 26-jährige Tschechin kam beim Abstieg von der Weilheimer Hütte über den Martinisteig vom Weg ab und geriet in steiles Schrofengelände. Beim Versuch sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien stürzte sie mehrere Meter in einen wassergefüllten Graben ab und zog sich dabei Verletzungen an Armen und Beinen zu. Ein Weiterkommen war nicht mehr möglich, sodass die komplett durchnässte Frau ihre Familie informierte, welche wiederum einen Notruf absetzte. Der Familie konnte die Verunfallte noch ihre groben Koordinaten durchgeben.

Um 19:18 Uhr wurde die Bergwacht Oberau alarmiert. Aufgrund der Kälte (ca. -8 °C) versagte der Verunfallten der Handyakku noch bevor der Einsatzleiter der Bergwacht mit ihr Rücksprache halten und die genaue Position erfragen konnte. Nach Auswertung der vorhandenen Koordinaten musste davon ausgegangen werden, dass sich die Frau weit entfernt von allen bekannten Steigen im unzugänglichen Gelände befand. Durch den Einsatzleiter wurde der nachtlugtaugliche  Rettungshubschrauber RK2 aus Reutte zur Unterstützung angefordert. Gleichzeitig begann eine Mannschaft inklusive Bergwacht-Notarzt den Aufstieg über den Martinisteig um ggf. zu Fuß die Einsatzstelle zu erreichen.

Ein Luftretter der Bergwacht Oberau wurde vom Rettungshubschrauber im Tal aufgenommen. An den bekannten Koordinaten konnte die Tschechin jedoch nicht aufgefunden werden. Trotz großräumiger Suche aus der Luft war die Suche aufgrund fehlender Lichtzeichen zunächst nicht erfolgreich. Mithilfe einer portablen Wärmebildkamera der Bergwacht Oberau konnte die Frau schließlich aus dem Hubschrauber heraus nach ca. 1 h Suche mit großem Glück lokalisiert werden. Der zwischenzeitlich alarmierte Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera kam nicht mehr zum Einsatz.

Der Luftretter der Bergwacht Oberau konnte zusammen mit dem Luftretter des Rettungshubschraubers aufgrund der äußerst schwierigen Geländegegebenheiten nicht direkt an der Patientin abgesetzt werden. Die Retter mussten vom Absetzpunkt zur Patientin klettern und eine Seilversicherung aufbauen. Die Patientin war zwischenzeitlich stark unterkühlt und immer wieder kurz bewusstlos.

Während die Patientin an der Unfallstelle für den Winchvorgang vorbereitet und erste Maßnahmen zum Wärmeerhalt eingeleitet wurden, flog der Rettungshubschrauber zur Betankung an die BG Unfallklinik Murnau. Die Verunfallte konnte schließlich in einem fliegerisch sehr anspruchsvollen Manöver gerettet und zur weiteren Behandlung in das Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht werden. Die Körperkerntemperatur der Patientin betrug nur noch 30,1 °C, die Nacht am Berg hätte die junge Frau höchst wahrscheinlich nicht überlebt.

Insgesamt waren 9 Bergwachtler und die vierköpfige Crew des Rettungshubschraubers bis 23:30 Uhr im Einsatz.