Montag, 8. Februar 2021

Höhlenunfall in der Mühlbachquellhöhle

Aufwendige Rettungsaktion unter Tage – Unglück fordert ein Menschenleben

Mühlbach (Dietfurt an der Altmühl) 06.02.2021 – Großangelegte Rettungsaktion mit Spezialkräften der Bergwacht aus ganz Bayern – Einsatz für  Höhlenrettungsgruppen aus Nord- und Südbayern der Bergwacht.  Innenminister Joachim Herrmann  bedankt sich persönlich und lobt das große Engagement der Rettungskräfte.

Trotz aufwendiger Rettungsmaßnahmen konnte ein sehr erfahrener Höhlentaucher, der am Samstagnachmittag bei einer Forschungstour in der Mühlbachquellhöhle verunglückt war, nur noch tot geborgen werden. Nach Alarmierung durch die Leitstelle übernahm die Bergwacht Regensburg gemeinsam mit dem eingesetzten „Örtlichen Einsatzleiter (ÖEL)“ des Landkreises Neumarkt die Einsatzführung. Bereits nach kurzer Zeit konnte das erste Team aus erfahrenen Höhlenrettern und einem Notarzt in die Höhle einfahren und den Rettungseinsatz starten. Leider war der Zustand des Patienten so schlecht, dass das Leben des 57-Jährigen trotz großem Aufwand und professionellen Bemühungen nicht mehr gerettet werden konnte.

Die genauen Umstände, die zum Tod des 57-jährigen Forscher aus dem Bereich Mittelfranken geführt haben sind Gegenstand  polizeilicher Ermittlungen. Bisher ist bekannt, dass die beiden Teams mit je zwei Forschern für anstehende Markierungsversuche Messgeräte in die Höhle eingebracht haben. An einer wassergefüllten Engstelle kam es gegen 15:45 Uhr zu dem Unglück. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Forscher ca. 700 m  im Inneren der Höhle. Ein Mitglied des Teams machte sich sofort auf dem Weg ans Tageslicht um einen Notruf abzusetzen, dieser ging gegen 16:00 Uhr bei der Polizei ein. Weitere Infos zum Geschehen stellt die Karstgruppe Mühlbach e.V. zur Verfügung.

Neben der Bergwacht Regensburg, der Bergwacht Kelheim, der Höhlenrettung der Bergwacht aus Nord- und Südbayern, wurden auch Kräfte der umliegenden Feuerwehren, des THW, des Rettungsdienstes, der Wasserwachten, dem Team des CH Regensburg, dem ECMO-Team der Uni Regensburg und der Polizei alarmiert. Die Zusammenarbeit unter den über 200 Rettungskräften der unterschiedlichen Hilfs- und Rettungsorganisationen klappte durch eine enge Abstimmung aller Einheiten in der Einsatzleitung reibungslos. Der Abschnitt Höhle wurde  durch die Kräfte der Höhlenrettung Frankenjura der Bergwacht Bayern geleitet. Die Höhlenretter der Region Frankenjura kommen aus der Bergwacht Pottenstein, der Bergwacht Lauf-Hersbruck, der Bergwacht Kulmbach Obermain, der Bergwacht Amberg-Kastl, der Bergwacht Nürnberg, der Bergwacht Erlangen, der Bergwacht Fürth, der Bergwacht Forchheim und aus der Bergwacht Bayreuth von der Region Fichtelgebirge. Die  Höhlenretter, unter ihnen einen Arzt,  lösten nach dem Eintreffen die Ersthelfer des Forscherteams ab und übernahmen die Reanimationsmaßnahmen. Parallel plante die Einsatzleitung das Rettungskonzept an der Oberfläche. Die Bergretter der Region Bayerwald bereiteten die Sicherung des Bereichs vor der Höhle vor.  Die hinzugezogenen Kräfte der Bergwacht Höhlenrettung aus dem Süden transportierten weiteres benötigtes Material und medizinisches Equipment in die Höhle.  Weitere Höhlenretter standen im Bereich des Eingangs als Sicherungstrupp für die Rettungskräfte in Bereitschaft. Hierzu zählten auch die Taucher. Ein  Bergwachtnotarzt übernahm zudem die Sichtung aller in der Höhle eingesetzten Kräfte.

Gegen 20 Uhr mussten noch in der Höhle die Rettungsmaßnahmen eingestellt werden.  Für die Rettungskräfte galt es nunmehr die restlichen Teammitglieder sicher aus der Höhle zubringen und den tödlich verunglückten Höhlenforscher in einer Trage zu bergen. Der Kriseninterventionsdienst der Bergwacht übernahm zusammen mit örtlichen Spezialkräften die Betreuung der Betroffenen an der Unglücksstelle. Gegen 22:00 Uhr waren die letzten Kräfte aus der Höhle ausgestiegen. Anschließend wurde der Höhleneingang wieder verschlossen. Zur Spitzenzeit befanden sich 25 Spezialkräfte in der Höhle. Sondergeräte wie Höhlentelefon, Spezialtragen, Geräte zur Gesteinsbearbeitung und medizinisches Equipment wurden in die Höhle eingebracht und für die Rettungsmaßnahmen verwendet.

Insgesamt arbeiteten 75 Bergretter und Spezialeinsatzkräfte der Bergwacht aus ganz  Bayern  in diesem fordernden Einsatz zusammen.  Hierzu zählen auch die Kräfte des Technik Fahrzeuges der Bergwacht Frankenjura, die Höhlenrettungsmannschaften aus der Region Hochland, von der Bergwacht München, der Bergwacht Rosenheim, der Bergwacht Murnau, der Bergwacht Wolfratshausen, der Bergwacht Oberaudorf, der Bergwacht Samerberg und der Bergwacht Weilheim. Drei Bergwacht-Notärzte waren zudem in unterschiedlichen Rollen eingebunden.