Montag, 3. August 2020

Schwerer Kletterunfall an der Wartsteinwand

Retter erreichen tödlich Verunglückten durch 200 m Abseilen im überhängenden Gelände

01.08.2020 SCHNEIZLREUTH/JETTENBERG – Ein 24-jähriger Slowene ist am frühen Freitagnachmittag in der neuen Kletterroute Mixed Arts (7) an der Wartsteinwand auf der Nordseite der Reite Alpe ums Leben gekommen. Der junge Mann war den Ermittlungen der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) der Polizei zufolge in der  anspruchsvollen Route im Vorstieg unterwegs, als ihm in der sechsten Seillänge kurz vor dem nächsten Standplatz offenbar ein Stück Fels ausbrach; er stürzte rund 40 tief ins Seil und riss dabei alle sechs zuvor angebrachten mobilen Zwischensicherungen aus der Wand, wobei er unter anderem mit einer Kopfverletzung bewusstlos am Seil hängen blieb.

Der erfahrende 24-jährige Alpinist war mit einem Landsmann in der Route unterwegs, die sich dadurch auszeichnet, dass man sie hauptsächlich selbst absichern muss und sie sich im 7. Schwierigkeitsgrad bewegt. Als gegen 13.45 Uhr der Notruf einging, schickte die Leitstelle Traunstein die Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger, den Ruhpoldinger Bergwacht-Notarzt und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ los. Die Einsatzkräfte konnten weder den Verletzten noch den Seilpartner in der senkrechten und stellenweise überhängenden Wand per Heli direkt erreichen, weshalb „Christoph 14“ mit dem Rettungstau zwei Bergretter auf einem Felsband knapp unterhalb des Verletzten und vier weitere Bergretter auf einem Band oberhalb der Seilschaft absetzte. Die Einsatzkräfte ließen einen Retter rund 100 Meter tief am 200-Meter-Dyneema-Seil am Seilpartner vorbei bis zum Patienten und dann mit dem Patienten weiter bis zum unteren Felsband ab, wo die beiden zuvor abgesetzten Bergretter bereitstanden. In einer fliegerischen Meisterleistung schaffte es der Pilot, den 24-Jährigen von dort aus mit einem Bergretter per Tau abzuholen und zum Landeplatz der Wehrtechnischen Dienststelle Oberjettenberg auszufliegen, wo der Heli-Notarzt und der Bergwacht-Notarzt den Verletzten aber letztlich nicht mehr retten konnten. Weiter Infos und Bilder hier.

Markus Leitner / Marcus Goebel / J. Fegg PI Berchtesgaden