Donnerstag, 7. Mai 2020

Bergrettung in Zeiten der Corona Pandemie

Solidarität, Verantwortung, Einsätze

Bad Tölz, 7. Mai 2020  / Am 16. März wurde von Seiten des Innenministers Joachim Herrmann der landesweite Katastrophenfall festgestellt. Die in Folge beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsrisiken umfassten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

Im Rahmen der Gesamtsituation der sich ausbreitenden Infektion und die drastischen Folgen in Norditalien und Österreich erfolgte im Allgemeinen und durch die Interessenverbände, z.B. Deutscher Alpenverein und Kommunen, der Aufruf zum Verzicht auf Bergsport und Ausflüge ins Gebirge. Im Kontext der Eindämmung der Infektionsgefahr, Schutz des gesamten Gesundheitssystems und dem Eigenschutz der Einsatzkräfte, schloss sich die Bergwacht Bayern diesem Aufruf solidarisch an.

Mit Blick auf die Einsatzzahlen und der Wahrnehmung vor Ort ließ und lässt sich eine starke Zurückhaltung bei bergsportlicher Aktivität feststellen. „Ein sichtbares Zeichen einer breiten Zustimmung der Bevölkerung auf die Ausgangsbeschränkungen und für Verantwortung, auch wenn hier unsere Freiheit in den Bergen temporär ein Stück weit in Frage gestellt wurde“, stellt Otto Möslang, Vorsitzender der Bergwacht Bayern fest. Gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ist ein Rückgang der Einsatzzahlen im März und April 2020 von rund 54 % festzustellen. Insgesamt 610 Einsätze wurden in diesem Zeitraum durchgeführt. 283 Einsätze waren im März noch beim Skifahren zu verzeichnen. Unfälle beim Mountainbiken sowie bei Wald- und Forstarbeiten standen zahlenmäßig in den vergangenen Wochen im Vordergrund. Im Rahmen der Einsatzdurchführung kam es nur in einem Fall zu Quarantänemaßnahmen für die eingesetzten Kräfte. Eine Infektionserkrankung im Rahmen von Einsätzen der Bergwacht konnte nicht festgestellt werden.

„Soweit erforderlich unterstützten die Bereitschaften die „Führungsgruppen Katastrophenschutz“ der Landratsämter und den Krisenstab des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) auf Landesebene in München“, erläutert Thomas Lobensteiner, stellvertr. Vorsitzender und Vertreter der Bergwacht im Krisenstab des BRK. „Insbesondere in der Beschaffung von Schutzausrüstung profitierte die Bergwacht umfänglich von der gesamtverbandlichen Zusammenarbeit im Bayerischen Roten Kreuz. In täglichen Leitungsrunden ist hier der enge Austausch aller verantwortlichen Führungskräfte im BRK gewährleistet“, betont Lobensteiner.

Die Bergwacht Bereitschaften unterstützen zudem Einzelmaßnahmen vor Ort wie z.B. die Verteilung von Schutzmasken, den Aufbau und Betrieb von Teststationen oder waren im Rahmen der Blutspende aktiv.

Einsatzdurchführung Bergrettung - „Bergrettung sichern, Infektionsgefahren verringern“

Unter diesem Credo stehen die einsatztaktischen Maßnahmen in der Bergrettung. Bergrettung bedeutet Teamarbeit und Nähe zum Patienten. Die Einsatzmannschaften werden soweit als möglich klein gehalten und gehen in möglichst gleichbleibender Zusammensetzung in den Einsatz. Im unmittelbaren Patientenkontakt befinden sich nur die zwingend erforderlichen Personen. Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen werden entsprechend auch bei den Einsatz- und Transportgeräten durchgeführt. Mund-Nase Bedeckung, Schutzmaske, Brille und Handschuhe werden zum Standard. Der Referent für Einsatz und Ausbildung der Bergwacht Bayern, Stefan Blochum, stellt hierzu aber auch klar:  „Wir sind am Berg unterwegs, im steilen Bergwald, am Fels, am Klettersteig oder hängen unter dem Hubschrauber, das Tragen von Schutzanzügen wie im Krankenhaus ist dann nicht mehr praktikabel.“

Weitere Entwicklung

Mit einem weiterem Rückgang der Infektionsgefahr und den Lockerungen der Beschränkungen ist wieder mit mehr Menschen am Berg und entsprechend steigenden Einsatzzahlen zu rechnen. Die noch unklaren Reisemöglichkeiten in das Ausland spielen hier ebenso eine Rolle. In diesem Zusammenhang stellen sich allerdings viele Fragen, von der Anreise angefangen bis hin zur Versorgung auf den Hütten. Diese Fragen müssen an anderer Stelle geklärt werden und stehen immer in größeren Zusammenhängen. Empfehlungen für die einzelnen Bergsportdisziplinen sind entsprechend von den jeweiligen Fachsportverbänden veröffentlicht worden. Weiter Infos hierzu sind zu finden auf den Onlinemedien des Deutschen Alpenvereins oder für die Gleitschirmflieger beim Deutschen Hängegleiterverband. Auch der Verband Deutscher Berg- und Skiführer informiert bzgl. der Möglichkeit für Einzelführungen.

Für Otto Möslang ist an dieser Stelle klar: „Unsere Kernaufgabe als Bergwacht ist die Rettung, egal ob Wanderer, Forstarbeiter, Einheimischer, Urlaubsgast, Radfahrer oder Gleitschirmflieger, alle müssen sich auf uns verlassen können. Wir müssen die Infektionsgefahr als eine neue Gefahr auch am Berg anerkennen, ebenso wie Absturz-, Steinschlag- oder Lawinengefahr. Dies gilt für alle, die am Berg unterwegs sind und für uns als Rettungskräfte im Besonderen.“