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Ausbildungsfahrt zur Weißkugelhütte

SOMMER, SONNE, SCHNEE und EIS

Hochgebirgsausbildung der Lamer Bergwachtkameraden – Dritthöchsten Berg Österreichs bestiegen

LAM / MELAG  Hoch hinaus ging es auch in diesem Jahr wieder für die Kameraden der Bergwacht Lam. Mindestens einmal im Jahr versuchen die Bergretter aus dem Lamer Winkel eine Ausbildungseinheit in den Hochalpen durchzuführen. Auch in diesem Jahr organisierte Ausbilder Thomas Haselsteiner eine interessante und anspruchsvolle Hochtour mit vielseitigen Schwierigkeitsgraden. Das ausgewählte Ziel war das Gebiet um die Weißkugelhütte (2544m) im Langtauferer Tal in Südtirol.

Am Freitag fuhren 13 Lamer Bergwachtler in mehreren Gruppen über Landeck in Österreich nach Graun im Vinschgau und von dort nach Melag, tief im Langtauferer Tal. Von der Ortschaft Melag (1919m) begann der zweistündige gemeinsame Aufstieg zur Weißkugelhütte. Die Weißkugelhütte ist eine kleine, aber gemütliche Hütte mit Platz für 45 bis 60 Personen. Nachdem die Schlaflager bezogen waren, wurde nach einem reichlichen Abendessen die Tourenplanung für den nächsten Tag vorbereitet. Der Wetterbericht ließ für den Samstag nichts Gutes hoffen und so wurde der Plan der Besteigung der Weißkugel (3739m), dem dritthöchsten Gletscher in Österreich, auf Sonntag verschoben. Stattdessen wurde, sofern das Wetter es zuließ, für den folgenden Tag die Weißseespitze und ihren Gipfel (3510m) ins Auge gefasst.

Doch noch am Freitagabend setzte der vorhergesagte Regen ein.

Da es am Samstagmorgen noch immer regnete, wurde der Tourstart verschoben. Als sich gegen halb acht der Himmel aufhellte und der Regen schwächer wurde und sogar ganz aufhörte, nutzten die Kameraden den Moment und brachen gen Weißseespitze auf. Nach wenigen Gehminuten verdunkelte sich der Himmel erneut und ein Wolkenbruch, der in einen beständigen Dauerregen überging, ergoss sich über die Gruppe.

Da bei diesen Bedingungen an eine Fortführung der Tour nicht zu denken war, zogen sich die Bergsteiger wieder zur Hütte zurück und nützten die unfreiwillige Wartezeit, um ihr Wissen für die anstehenden Gletscherbegehungen aufzufrischen.

Als der Regen nachließ, wurde erneut zum Aufbruch gerüstet. Wegen der fortgeschrittenen Zeit nahm nur noch ein Teil der Gruppe die Weißseespitze in Angriff. Eine zweite Gruppe bestieg den benachbarten Vorderen Schmied (3122m) über den sogenannten Adlersteig.

Die andere Gruppe umging das Massiv des Schmieds (3210m) und stieg durch ein Gletschertal zum sich anschließenden Falgin Ferner (3300m) auf. Auf dem Eisfeld des Ferners wurden die mitgebrachten Steigeisen benötigt. Um einen Absturz zu vermeiden, sicherten sich die Bergkameraden in zwei Seilschaften zu je fünf Personen bis zum Beginn des felsigen Westgrates. Vom Westgrat aus begann der Aufstieg zum Gipfel der Weißseespitze über kombiniertes Fels-Eis-Gelände und ein abschließendes Schneefeld.

Nach einer kurzen Gipfelstärkung stiegen die Bergwachtler über den Süd-Ost-Rücken, dem zu Österreich gehörenden Gepatsch Ferner, ab. Wegen der mangelnden Sicht durch die tiefhängenden Wolkendecke und der Nebelschwaden des vorhergegangenen Regens mussten die Kameraden auf dem großen Gletscherfeld mithilfe von Karte und Kompass navigieren, um vorbei an den steilabfallenden Langtauferer Eiswänden zum Abstiegspunkt an einer steilen Felswand zu kommen. Über den Richterweg und unter Wasserfällen hindurch ging es diesmal am Fuß der Langtauferer Eiswände entlang zurück zur Weißkugelhütte. Pünktlich zum Abendessen trafen die Kameraden an der Hütte ein. Wie am Vortag wurde wieder die Planung für den nächsten Tag angegangen. Diesmal sagte der Wetterbericht ein traumhaftes Wetter voraus –  ideale Bedingungen für einen Versuch zur Besteigung der Weißkugel, Österreichs dritthöchsten Bergs.

Am Sonntagmorgen kurz nach 5 Uhr war der Weckruf für die bevorstehende Tour. Nach dem Frühstück und dem Räumen des Schlaflagers machte sich die neunköpfige Gruppe aus dem Lamer Winkel um 6 Uhr früh auf den Weg. Bei klarem Sternenhimmel im Morgengrauen ging es zuerst hinab in das Gletschertal Richtung Weißkugel. Über das Schotterfeld der Gletschermoränen begann der Aufstieg zum Langtauferer Ferner (2700m). Am Gletschereis angekommen wurden wieder die Steigeisen unter die Bergschuhe geschnallt, die Eispickel in die Hand genommen und die Kameraden verbanden sich wieder zu gemeinsamen Seilschaften, um sich gegenseitig zu sichern. Damit begann bei traumhaften Bedingungen der Aufstieg Richtung Weißkugel. Während des Aufstieges trennten sich die Kameraden Roland Thiel und Michael Mühlbauer in eine Zweierseilschaft und versuchten sich an der schwierigeren Aufstiegsvariante über den Nordgrat der Weißkugel. Thomas Haselsteiner führte die zweite und größere Seilschaft über den Normalweg über das Gletscherfeld zum Weißkugeljoch (3362m). Nach einer kurzen Pause bei Sommer, Sonne, Schnee und Eis, einer stärkenden Brotzeit und einem großartigen Panormablick am sonnigen Joch ging der Aufstieg weiter zum Hintereisjoch (3480m), um von dort aus den Aufstieg über den Süd-Ost-Grat vorzunehmen. Die beiden Seilschaften erreichten um die Mittagsstunde den Gipfel.

Nach einer Stärkung und dem Genuss des wunderbaren Alpenpanoramas bei traumhaft sonnigem Sommerwetter machten sich die Kameraden wieder auf zum gemeinsamen Abstieg über den „Normalweg“. Am frühen Spätnachmittag erreichten die ersten Kameraden wieder die Weißkugelhütte. Nach einem kurzen Auftanken der Kraftreserven für den letzten Abstieg zum Parkplatz, erreichten die Bergwachtkameraden gegen halb sechs wieder die Ortschaft Melag, um von hier aus ein wunderbares Wochenende zu beschließen und die Heimfahrt in die Heimat, den Bayerischen Wald, den Lamer Winkel anzutreten.

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