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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

DIE BERGRETTUNG VON 1961 BIS 1970

1961 

Haflinger-Geländewagen
Aus den Spenden zahlreicher Gönner der Bergwacht konnte sich die Bereitschaft Oberstdorf einen Haflinger-Geländewagen beschaffen. 

Oberstdorfer Bereitschaftsleiter referiert bei Bergwachtärzte-Tagung
Anlässlich der am 12. November 1961 im Hörsaal der Chirurgischen Klinik in München stattgefundenen Bergwachtärzte-Tagung sprach der Oberstdorfer Bergwachtarzt, Dr. Harro Kluge, (gleichzeitig Bereitschaftsleiter) über die sanitäre Ausrüstung der Bergwachtmänner nach neuesten Erkenntnissen. Den im Gebirge Verunglückten müsse eine hochwertige Erste Hilfe geleistet werden, die dem heutigen Wissen entspreche. Größter Wert müsse daher auf eine Wiederbelebung gelegt werden, z. B. von Lawinenverschütteten. Deshalb muss die Mund-zu-Mund-Beatmung zum Grundwissen der Männer gehören. Es folgt die Aufzählung div. Ausrüstungsgegenstände und geht weiter mit:

Da die Bergwachtbereitschaft Oberstdorf über all diese Geräte nunmehr verfügt, ist der dort aufgestellte „Wiederbelebungstrupp“ voll einsatzfähig. Er besteht aus dem Einsatzleiter, dem Bergwachtarzt, erfahrenen, mit Funksprechgeräten ausgerüsteten Bergwachtmännern und den Lawinenhundeführern mit ihren Tieren. Dieser Trupp soll in allen gegebenen Fällen im Abschnittsbereich, besonders bei einem Lawinenunglück, als erster am Umfallort erscheinen, weshalb auch durch entsprechende Einrichtungen die bereits mäßige Zeitspanne zwischen Alarm und Ausrücken auf ein Mindestmaß verringert wird. Die Ausstattung des Rettungsfahrzeugs mit Sondersignal wird sich in solchen Fällen erneut bewähren.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1961)

1962

 Neuer MannschaftswagenAufgrund von Zuschüssen der Gemeinde, Spenden von Firmen und privater Seite, konnte ein VW-Bus als Mannschaftswagen angeschafft werden.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1962)

Bergwacht-Zelt am Höfats-Gufelgrat

1963 

40-jähriges Bestehen von Bergwacht Abschnitt Allgäu
Am 18. Mai 1963 feierten der Bergwacht-Abschnitt Allgäu sowie die Bergwachtbereitschaften Hindelang, Kaufbeuren, Oberstaufen, Oberstdorf, und Sonthofen ihr 40jähriges Bestehen. 

Zu diesem 40-jährigen Bestehen schreibt Georg Frey, Leiter der Geschäftsstelle des Bergwachtabschnitts Allgäu, Kempten, Gerberstr. 18, einen Leitartikel in:
DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1963:

Die Gründung der Allgäuer Bergwacht war zunächst ein Akt der Notwehr gegen die Zügellosigkeit der Massen, die in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg auch in unseren heimatlichen Bergen in der Zerstörung der Pflanzen- und Tierwelt sowie der Hütten und Wege nur allzu deutlich demonstrierten, wie sie den so viel gepriesenen Begriff von der Freiheit auf den Bergen auslegten. Sofortige Abhilfe war notwendig. Auf einen zündenden Aufruf von Hans Waegele im Mai 1923 fanden sich am 1. Juni 1923 im Café Kohlhund in Immenstadt fünf Männer zusammen, welche beschlossen, nach dem Vorbild der 1920 in München entstandenen Organisation eine „Gruppe Allgäu Bergwacht“ ins Leben zu rufen. Bereits am 08. Juni 1923 fand die Gründungsversammlung statt, an der 35 Persönlichkeiten zusammenkamen: Vertreter des Alpenvereins, des Ski-Clubs, des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ sowie des Alp- und Weideausschusses. So entstand die Bergwachtabteilung Allgäu, zu deren erstem Vorsitzenden Tierzuchtdirektor Dr. H. Wolf und zum Geschäftsführer H. Waegele berufen wurden. Unverzüglich wurde ein praktischer Pflanzenschutz organisiert, ja es wurden sogar nächtliche Streifen durchgeführt, um die zahlreichen Einbrüche in die Alp- und Berghütten zu verhindern. Bereits ein Vierteljahr später verfügte die Bergwachtabteilung Allgäu über 7 Ortsgruppen, von denen 6 noch bestehen. Heute hat der Bergwachtabschnitt Allgäu 18 Bereitschaften (in Klammern Gründungsjahr): Augsburg (1924), Balderschwang (1955), Füssen a. Lech (1941), Hindelang (1923), Hinterstein (1933), Immenstadt (1923), Kaufbeuren (1923), Kempten (1924), Landsberg a. Lech (1933), Lindau/B. (1942), Memmingen (1933) Neu-Ulm (1935), Oberstaufen (1923), Oberstdorf (1923), Pfronten (1924), Sonthofen (1923), Unterjoch (1946) und Wertach (1943). Der Mitgliederstand beträgt zur Zeit 583 Männer, inbegriffen 20 Bergwachtleiter und 15 Bergwachtärzte. 

In der weiteren Folge wird von den Schwierigkeiten der Gründerzeit berichtet. Vor allem die Durchsetzung des Naturschutzes und er Wiederherstellung der Ordnung in den heimischen Bergen. Anfangs ein schweres Unterfangen, das auf bedeutenden Widerstand stieß. Eine große süddeutsche Zeitung brachte damals sogar einen langen Bericht mit der Überschrift:

„Bergwachtkrieg im Allgäu“. 1927 nahm die Allgäuer Bergwacht den alpinen Sanitäts- und Rettungsdienst auf, denn der Skilauf wie das Sommer-Bergsteigen und damit die Unfälle steigerten sich Jahr für Jahr. Der Pflanzenschutz erfuhr eine Ausdehnung auf alle floristisch wichtigen Gebiete, und 1935 wurde auf Veranlassung des Verfassers der erste Zeltposten zum Schutze des Edelweiß auf der Höfats errichtet.  

Bedeutungsvollstes Ereignis war Ende 1945 die Übernahme der Bergwacht als
Sonderformation in das Bayerische Rote Kreuz, Symbol für die Doppelaufgabe der Bergwacht ist ihr Dienstabzeichen – das international hoch angesehene Rote Kreuz im Edelweiß. Sitz der Allgäuer Bergwacht war von 1923-1925 Immenstadt (Vorsitz Dr. H. Wolf), 1925-1927 Sonthofen (F. X. Müller); 1927 wurde die Leitung für ständig nach Kempten verlegt (1927-1938 Apotheker E. Schirmer; 1938-1945 Gg. Frey; 1945 bis heute Gg. Schwarzmann). 

In welchem Umfang sich die Allgäuer Bergwacht des Naturschutzes angenommen hat, wird daraus ersichtlich, dass sie in den vierzig Jahren ihres Wirkens 10.825 Pflanzenschutzstreifen Durchführte, ungerechnet die sich über viele Wochen hinziehende Betreuung der Edelweißstandorte von den Zelten aus. Heute ist bewiesen, dass das vor vierzig Jahren gesteckte Ziel erreicht wurde: Die Bestände sind gerettet. Die Edelweißbestände haben sich über Erwarten gut erholt, und als „Nebenerfolg“ ist zu buchen, dass die früher sehr zahlreichen Todesstürze von Edelweißsuchern aufgehört haben. 

Seit Übernahme des Rettungsdienstes bis zum heutigen Tage beziffern sich die Leistungen des BRK-Bergwachtabschnitts Allgäu im Rettungsdienst auf:
11.600 Erste Hilfen
  8.130 Rettungen, Bergungen und Abtransporte vom Berg
    390 Vermisstensuchen und
    315 Totenbergungen
Nicht mit gerechnet sind die sanitären Betreuungen von über 1.000
Wintersportveranstaltungen. 

Ausbau der Bereitschaftsunterkunft in der Nebelhornstraße
Die Gemeinde Oberstdorf hat in dankenswerter Weise Platz für den Ausbau eines großen Bereitschaftsraumes und einer Garage der Bergwachtbereitschaft Oberstdorf zur Verfügung gestellt.
(Es handelte sich um den Umzug von der Mühlenbrücke in die Nebelhornstraße, inmitten von Feuerwehr und Sanitätshaus). 

Möglichkeiten des Einsatzes von Flugzeugen bei Bergunfällen
Sehr intensiv befasste sich der Landesausschuss mit den Möglichkeiten des Einsatzes von Flugzeugen bei Bergunfällen. Richtunggebend ist hierbei eine Entschließung des Bay. Staatsministeriums des Innern. Darüber hinaus können keine eigenen Maßnahmen ergriffen werden. Die „Luftrettung“ wird in enger Zusammenarbeit mit dem Präsidium des BRK ausgebaut werden, soweit das in den Bergen möglich und notwendig ist.

Das „flache“ Bergwachtabzeichen
Dabei handelt es sich um die flache Form des großen Dienstabzeichens mit weißem Rand und der Inschrift Bergwacht mit Edelweiß und rotem Kreuz.

 

1964 

Ausbau der Rettungszentrale in der Nebelhornstraße
Die Bergwachtkameraden der Bergwacht-Bereitschaft Oberstdorf haben die von der Marktgemeinde Oberstdorf zur Verfügung gestellten Räume zur Rettungszentrale ausgebaut. Das Material wurde durch einen beträchtlichen Zuschuss der Marktgemeinde, durch Sach- und Geldspenden sowie aus Bergwachtmitteln beschafft.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1964) 

Tod des Leiters des Abschnittes Allgäu
Einen schweren Verlust erlitt der Landesausschuss durch den Tod des Landesausschuss-Mitgliedes und Leiters des Abschnittes Allgäu, Herrn Georg Schwarzmann. Der Verstorbene war 12 Jahre Vorsitzender des Landesausschusses und hatte maßgebenden Anteil am Wiederaufbau der Bergwacht nach 1945.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1964) 

30 Jahre Bergwacht-Zeltposten auf der Höfats
Am 18. Juli 1964 jährte es sich zum dreißigsten Male, dass der Zeltposten auf der Höfats aufzog. De Auf- und Abtransport der Lasten mit einem Gesamtgewicht von ca. 400 kg besorgt stets eine zwölfköpfige Trägermannschaft der Bergwachtbereitschaft-Kempten, wobei unteilbare Stücke bis zu 40 kg von einem Mann über eintausend Höhenmeter das ungemein steile, grasige Gelände empor geschafft werden müssen, oft bei schlechten Verhältnissen. Es ist sogar schon vorgekommen, dass im September der Abzug bei tiefem Schnee und erheblicher Lawinengefahr bewerkstelligt werden musste. Der Zeltposten ist jeweils mit zwei Bergwachtmännern besetzt, die wöchentlich abgelöst werden und mittels Sprechfunk Verbindung mit der Bergwachtfeststation in Oberstdorf halten.

Die 2.269 m hohe Höfats ist der kühnste und – wenn diese Bezeichnung gestattet ist – der „rassereinste“ Grasberg der Ostalpen und aus Aptychen- und Hornsteinkalken aufgebaut.

Die Aptychenkalke jedoch sind der Lieblingsboden des Edelweiß und der Reichtum der Höfats an diesen Silbersternen war einstmals sprichwörtlich. Dem Menschen blieb es vorbehalten, ihn bis auf spärliche Reste zu zerstören. Sprach Joseph Enzensperger, der touristische Erschliesser der Höfats, im Alpenvereins-Jahrbuch 1896 von einem reichen Edelweißsegen beim Übergang vom Westgipfel zum zweiten Gipfel, so war davon um das Jahr 1910 nichts mehr zu sehen. Dass die Höfats 1911 zum Pflanzenschongebiet erklärt und eine Anzahl besonders begehrter Blumen, vor allem das Edelweiß, unter vollkommenen Schutz gestellt wurden, brachte keinen merkbaren Erfolg. Die Nachstellungen, der die „beliebteste“ aller Alpenblumen durch Einheimische, Touristen und gewerbsmäßige Sammler ausgesetzt war, wurden kaum geringer. Die behördliche Anordnung stand nur auf dem Papier, es fehlte eine entsprechende Überwachung an Ort und Stelle. Diese begann, als im Juni 1923 in Immenstadt die Allgäuer Bergwacht gegründet wurde, und zwar in erster Linie als aktive Naturschutzorganisation. Sie nahm sich des stolzen Edelweißberges mit besonderer Tatkraft an durch die Entsendung von regelmäßigen Wochenend- und einzelnen Wochentagsstreifen. Auf der Höfats entspannen sich damals heftige Auseinandersetzungen zwischen Edelweißhegern und Edelweißjägern, so dass eine bedeutende süddeutsche Zeitung sogar einen längeren Beitrag über den „Bergwachtkrieg im Allgäu“ veröffentlichte. Doch im geheimen, unter der Woche und sogar nachts, ging der Edelweißraub weiter, und die Bestände erholten sich nur wenig. Nur eine möglichst lückenlose Überwachung während der gesamten Blütezeit konnte einen Erfolg bringen.

Eine Vermehrung der Edelweißbestände konnte erst nach der Installation des Bergwacht-Zeltpostens auf dem kurzen Gufelgrätchen wahrgenommen werden, obwohl damals die Betreuung kaum über vier Wochen ausgedehnt und nur jeweils von einem Mann der Bergwacht-Bereitschaft Kempten durchgeführt werden konnte.

Die körperlichen und seelischen Anforderungen, die dieser Dienst an einen einzigen Mann stellte, waren besonders groß. Allein das Dasein unter oftmals schwierigen Wetter- und Geländeverhältnissen war eine sehr beachtenswerte Leistung. Von allen Opfern, die damals gebracht werden mussten, war das schwerste der tödliche Absturz des Bergwachtkameraden Ingenieur Eduard Kiefer, Kempten, beim Abstieg vom Mittelgrat zum Zelt am 26. Juli 1936.

Auf Anregung des Verfassers dieser Zeilen, Georg Frey, wurde erstmals im Sommer 1935 ein Bergwacht-Zeltposten, in 2.000 m Höhe auf der Höfats eingerichtet.
Auszugsweise entnommen aus:
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1964) 

Die Bergwachtlotterie, eine wesentliche Finanzierungsform der gesamten Bayerischen Bergwacht 

 

1965 

Günther Math, Stellvertretender Abschnittsleiter, Bergwacht-Abschnitt Allgäu
Der Oberstdorfer Bergwacht-Bereitschaftsleiter, Günther Math, 898 Oberstdorf, Elektrizitätswerk, wird stellv. Abschnittsleiter des Bergwacht-Abschnitt Allgäu.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1965)

Die Luftrettung wird neuer Ausbildungsschwerpunkt, der Bergwachtmann qualifiziert sich zum Rettungsspringer

 

1966 

Rettungsspringer werden ausgezeichnet
Durch den Landrat von Sonthofen wurden 11 Bergwachtkameraden des BW-Abschnittes Allgäu mit dem Rettungsspringerband ausgezeichnet.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1966) 

Landesausschuss tagt in Oberstdorf
Am 14. und 15. Mai 1966 tagte der Landesausschuss in Oberstdorf.

Der wichtigste Beratungspunkt bei der Frühjahrstagung war die Funkplanung. In den sachlich geführten Verhandlungen mit dem Funksachbearbeiter des Bayerischen Staatsministeriums des Innern konnten die Wünsche der Bergwacht überzeugend vorgebracht werden. Die vorbildliche Funkausrüstung des Abschnittes Allgäu ermöglichte es, die berechtigten Wünsche voll zu beweisen. 

Streckentelefone auf viel befahrenen Skipisten
Bei der Herbsttagung am 5./6. November in Günding bei Dachau wurde eingehend über die Erstellung der für die Bergwachtarbeit im Gelände sehr notwendigen Streckentelefone auf viel befahrenen Skipisten gesprochen. Einige Gebiete sind bereits mit Streckentelefonen, die in ehrenamtlicher Arbeit durch Bergwachtmänner selbst hergestellt und verlegt wurden, versehen. Die Planung weiterer Strecken wurde in Angriff genommen.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1966) 

III. Internationale Lawinenkonferenz   „SCHACH DEM LAWINENTOD“
In Garmisch-Partenkirchen am 12./13. November 1966
Von Dr. G. Neureuther, Landesarzt der Bergwacht 

Auszugsweise:
Prof. F. Lense, Vorsitzender des Landesausschusses:
Steigende Zahlen der lawinenverunglückten Touristen, daraus ableitend eine intensivierende Prüfung der Ursachen von Lawinenabgängen. Aufklärung durch Presse, Rundfunk, Fernsehen und Schulung durch die einschlägigen Verbände ist wichtiger als extremste Ausrüstung von Rettungsmannschaften mit modernen Suchgeräten. Bergbahnen, Skilifte und Skischulen wurden auf die Wichtigkeit eines lawinengemäßen Verhaltens im Unglücksfall hingewiesen.

Anschließend wurden von den Leitern der Rettungsorganisationen 6 Lawinenunglücke aufgezeigt und lebhaft diskutiert.

Dr. Neureuther referierte über „Erste Hilfe bei Lawinenunfällen“. Sichere und unsichere Todeszeichen, Wiederbelebung (Beatmung und Herzdruckmassage), Schockbekämpfung, Behandlung von Kälteschäden, Schienungen von Frakturen, Schmerzbekämpfung, Einrenkung von Luxationen sowie Lagerungsarten von Verletzten beim Abtransport.

Herr Staatssekretär Dr. Robert Wehgartner berichtete über den Lawinenwarndienst in Bayern. Vorläufig ist der Lawinenwarndienst im Allgäu an Vorarlberg, Hochland an Innsbruck und Chimgau an Salzburg angeschlossen. Eine Entschließung zur Bildung eines eigenen, zentralen Warndienstes durch das Bayerische Innenministerium liegt noch nicht vor. Dazu sollen weitere Erfahrungen abgewartet werden.

Magnetische Suchverfahren – Schwerpunkt der Konferenz
Zunächst erfolgten Erfahrungsberichte von den Vertretern der Schweiz, Österreichs und Deutschlands über den Einsatz der Förster-Sonde. Vor- und Nachteile wurden durchleuchtet. Herr Melchior Schild vom Eidgen. Institut für Lawinenforschung auf dem Weißfluhjoch bei Davos berichtete von einer Vergleichserprobung der Varian-Sonde, Bächler-Sonde sowie vom Einsatz des Lawinenhundes.

Man bedenke:
Es handelt sich bei beiden Methoden um einen Permanentmagneten (beim Verunfallten) von etwa 100 g. Das Suchgerät besteht aus dem Detektor an einer zerlegbaren Tragstange sowie dem Bediengerät mit Kopfhörer (5 kg) und einem Batteriesatz (15 kg, im Rucksack zu tragen) mit einer Betriebsdauer von 5 Std. 

Die Suchergebnisse wie primäre Suchzeit, Suchgeschwindigkeit, Reichweite der Geräte, Anzahl der Fehlanzeigen, spezifische primäre Suchzeit, sekundäre Suchzeit (von der ersten Geräteanzeige bis zur genauen Ortung des Opfers z. B. mittels Sondierstange), die Treffgenauigkeit und die Findwahrscheinlichkeit wurden detailliert dargestellt.

Erkenntnis:
Es gibt keine Alternative für die absolute Vorrangstellung des Lawinenhundes! 

Bergwacht und Bergbahnen
Von Georg Frey, (DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1966)
Auszugsweise:
Durch den zunehmenden Skitourismus wurde scherzhaft schon gemunkelt, man müsste die Bergwacht eigentlich in „Bergbahnwacht“ umtaufen. Tatsächlich spielte sich in zunehmendem Masse die Rettungsarbeit der Bergwacht im unmittelbaren Bereich der Bergbahnen, Sessellifte und Skischlepplifte ab. Denn, aus der einst in der Harmonie von Flachlauf, Anstieg und Abfahrt bestehenden, den Körper großartig durcharbeitenden, gesunden „Leibesübung auf Ski“ ist ein reiner Abfahrtssport geworden. Die Abfahrtspisten sind durchwegs so angelegt, dass sie an der Talstation enden, so dass an einem Tag die Abfahrt beliebig wiederholt und insgesamt mehrere tausend Höhenmeter „abgefahren“ werden können. 

Interessanterweise ist die Entwicklung des Pistendienstes ähnlich des Aufbaues eines Rettungsdienstes im Sommer. Es wurden immer erst Touristen oder Skifahrer angezogen und in die Gebiete vorgelassen. Erst später erkannte man, dass ja auch etwas passieren könnte und reagierte mit entsprechenden Rettungs-Massnahmen. So wurde auch die Bergwacht in Bezug auf den Pistenrettungsdienst wohl oder übel in starkem Ausmaß einbezogen. Soweit von der BRK-Bergwacht erfasst und belegt durch die bearbeiteten Abtransporte, beträgt die Steigerung seit dem Winter 1948/49 (dem ersten nach der Währungsreform) bis zum Winter 1965/66 über 500%. Von den Unfallursachen stehen drei mit Abstand an der Spitze. Es sind die Unterkühlungsbrüche (mangelnde Durchblutung der Extremitäten, die nicht mehr durchgearbeitet werden), ferner die Ermüdungsbrüche (übermäßige Beanspruchung der Beine nach mehrfacher Abfahrt) und – das Tempo. 

Aus der Rot-Kreuz-Gesinnung heraus, überall in den Bergen zu helfen und dem verunglückten Mitmenschen beizustehen, versieht die Bergwacht den Sanitäts- und Rettungsdienst im Bereich der Bergbahnen und Lifte. Sie hat sich der Entwicklung angepasst und fragt nicht nach Unfallursache und –schuld. Auch die Allgemeinheit, vor allem der Skiläufer, tut das nicht und nimmt das Dasein der Bergwacht und ihre Arbeit als Selbstverständlichkeit, gewissermaßen als eine schon von ihrem Namen herrührende Gewohnheitsverpflichtung hin. Auch so mancher Bergbahn- und Liftunternehmer ist dieser Anschauung. 

Es wurde aber auch darüber berichtet, dass immer mehr Bergbahn- und Liftunternehmen der Bergwacht Zuschüsse für Rettungsgeräte und teilweise für Rettungsstützpunkte überlassen.

Verschiedentlich wurde auch ein Unterkunftsraum für Bergwachtmänner in der Bergstation und vereinzelt ein eingerichteter Verbandsraum gestellt. Das ist vorbildlich und liegt im beiderseitigen Interesse. Im weiteren kam es zu entsprechenden Vereinbarungen, die über den zuständigen Bergwacht-Abschnitt vertraglich festgelegt wurden.

Ziel: Einen Verschütteten so schnell wie möglich zu ORTEN & BERGEN 

Die Bergrettung wird immer umfangreicher, sodass für die Aus- und Weiterbildung auch entsprechende Lehrbücher bereitgestellt werden mussten

1967 

Zusammenarbeit mit dem Hubschrauber-Transport-Geschwader
Eine wertvolle Unterstützung des Rettungsdienstes im Bergwacht-Abschnitt Allgäu stellt die Zusammenarbeit mit dem Hubschrauber-Transport-Geschwader in Landsberg dar. Eine beträchtliche Anzahl von Rettungseinsätzen wurde mit Hilfe dieser Hubschrauber durchgeführt.

Abschnitt Allgäu leistet Vorarbeit in der vertraglichen Zusammenarbeit mit den Bergbahnen
Das Vorbild Allgäu wurde vom Landesausschuss allgemein gut geheißen und Musterverträge im Anschluss an die Landesausschusssitzung an die einzelnen Abschnitte hinaus gegeben.
Im Abschnitt Hochland sind Versuche, zu einem Abkommen zu gelangen, weitgehend gescheitert.                                                                                                                                   

Ausbildungsanleitung bewährt sich für den Bergwachtdienst
Die seit Januar 1967 dem „Berg-Echo“ beigeheftete Ausbildungsanleitung für den Bergwachtdienst hat sich gut bewährt und bei den Bergwachtmännern ein sehr positives Echo gefunden. Der Landesausschuss gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Beilage auch im neuen Jahrgang des „Berg-Echo“ regelmäßig erscheinen wird und sprach dem für die Gestaltung der Ausbildungsanleitung verantwortlichen Kameraden Dr. Götzfried, Sonthofen, den Dank für den Einsatz und die Arbeit an dieser Beilage aus.

Bundeswehr-Erprobungsstelle testet Bergwachtgeräte
Die von der Bergwacht verwendeten Geräte sind von der Erprobungsstelle der Bundeswehr auf ihre Sicherheit hin getestet worden. Die Ergebnisse dieser Prüfung sind positiv ausgefallen. Die Haltbarkeit der Perlonseile wird augenblicklich von der Sicherheitskommission der UIAA geprüft. Auf das Ergebnis dieser Prüfung darf auch die Bergwacht gespannt sein. 

Luftpolsterschiene gleichwertig der Streckschiene
Die Luftpolsterschiene wurde verbessert. Die Gerätekommission empfahl, künftig neben der Streckschiene auch die Luftpolsterschiene zu verwenden. 

Fritz Hieber, Leiter Bergwacht-Abschnitt Allgäu, verunglückt tödlich
Der weit über die Grenzen des Allgäus bekannte Kempter Bergsteiger und Leiter des BRK-Bergwacht-Abschnitts Allgäu, Fritz Hieber, war zusammen mit seinem Gefährten Manfred Hummel seit dem 02. August 1967 im Bereich des Mont Blanc vermisst. Den von einer Rettungsmannschaft der Allgäuer Bergwacht und den zuständigen französischen Organisationen durchgeführten Nachforschungen blieb jedoch ein Erfolg versagt. Erst in den letzten Augusttagen stießen Bergsteiger in dem wild zerklüfteten Bossonsgletscher auf Spuren, die zur Auffindung der beiden Vermissten führten. Sie waren von einer mächtigen Schnee- und Eislawine überrascht und sofort getötet worden. 

Günther Math wird Allgäuer Bergwacht-Chef
Der Tod von Fritz Hieber riss eine Lücke in die Bergwacht-Abschnittleitung. Sein Nachfolger wurde der Oberstdorfer Bergwacht-Bereitschaftsleiter Günther Math, 898 Oberstdorf, Nebelhornstraße 51.
(Alle Beiträge aus: DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1967) 

1968 

Rettungskurs auf dem Prinz-Luitpold-Haus
Ein Rettungskurs für die Abschnittsausbilder wurde auf dem Prinz-Luitpold-Haus, Allgäu, angesetzt.
(DIE BERGWACHT  des Bayerischen Roten Kreuzes im Jahre 1968)

Rettungsspringeranerkennung

1969 

Schwächeanfall eines älteren Kurgastes  -  Dankesbrief an die Bereitschaft
Stuttgart, 14.12.1969

Sehr geehrte Herren!
Es ist mir ein großes Bedürfnis, Ihnen für die Hilfe zu danken, die ich am 30. Mai dieses Jahres durch die Bergwacht Oberstdorf erfahren durfte. Vielleicht wird es Sie freuen, zu hören, dass ich wieder ganz hergestellt und gesund bin. Am genannten Tag, bei einem Ausflug zum Freibergsee bei Oberstdorf, bekam ich eine schwere Magenblutung. Durch ein Geschwür brach ein größeres Blutgefäß auf. Nachdem ich einige Liter Blut verloren hatte, war keine Aussicht mehr gegeben, lebend in das Tal zu kommen, außer mit einem Fahrzeug. Da war dann die Bergwacht eingesprungen und ihr verdanke ich es, dass ich noch rechtzeitig in das Krankenhaus Oberstdorf eingeliefert worden bin. Erst nach neun Tagen und Übertragung von sieben Litern Blut konnte ich operiert werden. Es wurden zwei Drittel des Magens entfernt. Jetzt nach meiner Genesung, die überraschend schnell von statten ging, fühle ich mich wie neugeboren und das Leben hat wieder einen Sinn für mich bekommen.
Ihr Werner R. 

Hütte aus Aluminium an der Höfats
In kameradschaftlicher Zusammenarbeit mit den Piloten der Heeresfliegerstaffel konnte endlich der beschwerliche Zeltposten zur Überwachung der Edelweißbestände auf der Höfats durch eine feste Hütte aus Aluminium ersetzt werden. Hubschrauber setzten die im Tal zusammengebaute Hütte auf dem in mühsamer Arbeit vorbereiteten Platz auf der „Gufel“ der Höfats ab. Damit ist den Bergwachtmännern, die auf der Höfats den ständigen Posten zum Schutze des Edelweiß versehen, nach mehr als 30 Jahren eine ausreichende Unterkunft gewährleistet. 

Günther Math wird Stellvertreter des Landesausschussvorsitzenden
Als neuer Stellvertreter des Vorsitzenden wurde der Abschnittsleiter des Abschnitts Allgäu, Günther Math, gewählt. 

Fördererwerbung
Um die Fördererwerbung zu intensivieren, ist vorgesehen ein neues, attraktiveres Fördererabzeichen einzuführen.
Eine Vielzahl von individuellen Fördererabzeichen entstanden und wurden in Umlauf gebracht. 
(„Die Bergrettung in Bayern“ Band II, S. 97/98)

Wahlen: Überraschend wurde Günther Math nicht mehr Bereitschaftsleiter, Walter Benkler löste ihn ab

Bereitschaftsmitglieder 1969, Übungsteilnehmer und Umfang einer Vermißtensuche

Endlich kommt mit der "BELL UH1D" ein leistungsstarker Hubschrauber

1970 

Aus dem Allgäuer Anzeigeblatt vom Juni 1970
Bergwacht auf gefährlichen Pfaden
Wirklichkeitsnahe Übung an steiler Wand und in verschneiten Bergen
Prominente Beobachter im Hubschrauber

Dass die Oberstdorfer Bergwachtbereitschaft auch mit den extremsten Einsatzfällen fertig werden kann, bewies sie am vergangenen Sonntag mit einer eindrucksvollen, ja atemberaubenden Übung in der Himmelhorn-Südwand, die als eine der schwersten und  gefährlichsten Kletterrouten in den Allgäuer Bergen gilt. Unabhängig davon war am Ostgrat der Höfats ein Normalfall konstituiert worden, der die Bereitschaft an diesem Tag zusätzlich belastete. Eine Maschine des Hubschrauber-Transportgeschwaders 64 aus Landsberg hatte prominente „Manövergäste“ an Bord. Landrat Rössert, Landrat a.D. Dittrich, Kreisverwaltungsdirektor Dr. Schauer, die beiden Oberstdorfer Bürgermeister Dr. Dreher und Geiger, Abschnittausbildungsleiter Dr. Götzfried, der Augsburger Bereitschaftsleiter Dr. Keßler, mehrere Oberstdorfer Gemeinderäte, Bereitschaftsarzt Dr. Kraft und der Leiter der Oberstdorfer Bergwacht Walter Benkler. Die Bergungsaktionen konnten so vom Älpelesattel zur Höfats und vom Wildenfeld zur Himmelhorn-Südwand gut beobachtet werden. 

Ein Zeitungsbericht über eine Bergung
Fünf Stunden hing der 19jährige Werner C. in Todesangst an einer Steilwand am Rubihorn. Verzweifelt krallten sich seine Finger an einem winzigen Eisenhaken fest. Als seine Kraft nachließ, starrte er ängstlich zum Fuß der Wand. Dort lag, 150 Meter unter ihm, zerschmettert sein Freund, der zwanzigjährige Koch Herbert F. C. rief verzweifelt um Hilfe. Endlich hörte der Hüttenwirt Karl Zobel auf der Gaisalpe die immer leiser werdenden Rufe. Gegen 19.30 Uhr entdeckte ein Rettungshubschrauber den Mann in der Wand. Retter seilten sich unter schwersten Bedingungen ab und erlösten C. im Scheinwerferlicht aus dem Todesfelsen.

C. und sein Freund hatten versucht, in Halbschuhen die Steilwand zum Gipfel des Rubihorns zu bezwingen. Die Bergwacht: „Sie hatten offenbar geglaubt, eine Bergtour dieser Art wäre ein Spaziergang. Sie konnten noch nicht einmal ein Seil knüpfen.“

Das rettete C. das Leben. Als sein Freund bei der leichtfertigen Bergtour abstürzte und ihn am Seil in die Tiefe zu zerren drohte, löste sich ein unfachmännisch geknüpfter Knoten. 

Suche nach einem britischen Soldaten
Ein junger britischer Soldat war am Vormittag mit einem Kameraden zum Rubihorn aufgestiegen. In der Mittagshitze verließen diesen die Kräfte. Die beiden trennten sich. Nach mehrmaligem Abgleiten kam der junge Soldat völlig erschöpft und mit zerrissener Kleidung zur Bergwacht, um Hilfe zu holen. In mehreren Suchtrupps aufgeteilt, durchstreifen 30 Männer und vier Suchhunde das Einsatzgebiet. Sie finden nichts. Der heißeste Tag des Jahres kündigt sich an, aber die Mannschaft gibt nicht auf. Sie kämpfen sich weiter durch das unwegsame, steile Gelände. Ein Hubschrauber trifft auf Anforderung bereits um 6.30 Uhr ein. Die erfahrenen Luftretter sichten um die Mittagszeit den Vermissten, der mit letzter Kraft der Besatzung zuwinken kann. Die Bergung selbst ist Routinesache. 

Bergwachtlotterie
1970 wurde gegen die Bereitschaftsleiter von Oberstdorf, Sonthofen, Augsburg und Füssen Disziplinarmaßnahmen eingeleitet, weil sie sich weigerten Bergwachtlose zu verkaufen, obwohl es in der Satzung als Aufgabe der Bergwacht genannt wurde:
„§ 2 (3) Bei Veranstaltungen und Sammlungen des BRK beteiligen sich die Bergwachtmänner entsprechend ihren Aufgaben.“ 

Bergwachtausflug nach Obergurgel
Über den 1. Mai 1970 gings nach Obergurgel. Eine Skitour konnte auf den Festkogel, 3.032m, bei gutem Pulverschnee gemacht werden.

Anlässlich der großen Sommerübung. Stahlseil-Mannschaft oberhalb der Himmelhorn-Südwand

Niemand hätte eine derartige Bitte abschlagen können!!

"Dolantin" das zeitgemäße Schmerzmittel für injektionsberechtigte Bergwachtmänner. Die ärztliche Verantwortung lag beim Bereitschaftsarzt Dr. Walter Kraft

Teilnehmer am Sommer-Rettungslehrgang auf dem Prinz Luitpold Haus

Bergwacht auf der Briefmarke

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Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum