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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Dienstag, 19. August 2014

Erfolgreiche Bergung aus der Jack-Daniels-Höhle

Bayerische Höhlenretter unterstützen den mehrtägigen Rettungseinsatz aus der Jack-Daniels-Höhle im Tennengebirge in Österreich

Rund zwei Monate nach dem Rettungseinsatz am Untersberg, bei dem ein Höhlenforscher aus rund 1000m Tiefe geborgen werden musste, erreichte die Chiemgauer Höhlenretter ein Alarm zur Rettung eines polnischen Höhlenforschers aus der Jack-Daniels-Höhle im Tennengebirge. Die Höhlenrettung Salzburg hat in ihrer Alarmstruktur die Freilassinger Höhlenretter  im Vortruppalarm eingebunden, so dass die erste Einsatzgruppe bereits gut zwei Stunden nach der Alarmierung am Einsatzort in Abtenau eintraf.

Die besondere Stärke der bayerischen Höhlenretter ist die schnelle Ausrückzeit aufgrund der Alarmstruktur der Bergwacht und die professionelle medizinische Versorgung eines Patienten. So bestand die achtköpfige Höhlenrettergruppe aus drei Rettungsassistenten und zwei Rettungssanitätern. Hier ergänzen die bayerischen Bergretter die bergetechnisch sehr starken österreichischen Höhlenretter perfekt.

Nach einer Einweisung durch die Salzburger Einsatzleitung ergab sich folgende Lage: der Eingang der Jack-Daniels-Höhle liegt auf rund 2100m unter dem Gipfel des Bleikogels. Es gibt mindestens eine extreme Engstelle. Der Patient liegt auf minus 250m Tiefe und ist voraussichtlich schwer verletzt. Momentan herrscht kein Flugwetter und die Retter müssen sich auf einen Fußmarsch von rund 4 Stunden im Aufstieg vorbereiten. Österreichische Bergretter aus dem ganzen Bezirk Tennengau stehen zum Tragen von Material bereit.

Die Einsatzleitung entscheidet, dass die Chiemgauer Höhlenretter der Bergwachten Freilassing, Berchtesgaden und Bergen mit medizinischer Versorgung mit einem vier Mann starken Trupp zusammen mit einem ortskundigen polnischen Höhlenforscher in die Höhle einfahren. Zeitnah folgt ein Drei-Mann-Trupp und baut mit dem Höhlentelefon nach Möglichkeit eine Kommunikationsstrecke bis zum Patienten auf.

Zügig wird medizinisches und persönliches Material sowie Biwakmaterial von den Rettern zusammengestellt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Tatsache, dass die Bergung voraussichtlich wieder Tage in Anspruch nehmen wird und ein mehrtägiger Aufenthalt in der Höhle geplant werden muss.

Wider Erwarten reißt die Wolkendecke doch noch auf, so dass die Polizei mit einem Hubschrauber bis zur Laufener Hütte auf rund 1700m fliegen kann. Mit zügigen Flugmanövern werden die Retter und das notwendige Material nach oben gebracht.

Zeitgleich kommen auch die ersten 15 österreichischen Bergretter, die zu Fuß zur Hütte aufgestiegen sind, dort an. Nach einer kurzen Verschnaufpause schultern sie die Ausrüstung der Höhlenretter und steigen sofort mit diesen in knapp zwei Stunden weiter zum Höhleneingang.

Um 13 Uhr fahren die ersten Retter in die Höhle ein und erreichen nach gut zwei Stunden Abstieg über zahlreiche kleine und große Schächte die Unfallstelle in 250m Tiefe. Nun beginnt die schwierige Versorgung des Patienten, der sichtlich unter großen Schmerzen und zunehmender Auskühlung leidet. Bei rund 2°C Umgebungstemperatur und sehr hoher Luftfeuchtigkeit wird es auch für die Retter schnell kalt und ungemütlich. Trotzdem wird die Versorgung des schwer verletzten Marek sorgfältig abgearbeitet: Bodycheck, Wärmeerhalt, Infusion und Schmerzbekämpfung. Nicht nur eine Erleichterung für den Patienten, sondern auch für die Kameraden des Verunglückten, die seit gut zehn Stunden Ausharren und auf Hilfe warten.

Aufgrund einer Wetterbesserung kann im Verlauf des Donnerstagnachmittags Material und Personal auch bis zum Höhleneingang geflogen werden. Deshalb kann auch gegen 17 Uhr ein Arzt der Salzburger Höhlenrettung die Unfallstelle erreichen.

Zeitgleich steigen die österreichischen Berge- und Ausbautrupps in die Höhle ein und beginnen mit dem Aufbau von Seilbahnen und Flaschenzügen. Aus Sicherheitsgründen werden auch die zum Teil alten Seil- und Schachteinbauten verstärkt oder ausgetauscht. Rund 1000m Statikseile, unzählige Bohrhaken und Karabiner werden zu diesem Zweck in der Höhle neu eingebaut. Bei der Materialbereitstellung zeigt sich, dass auch die österreichischen Höhlenrettungsorganisationen ähnlich wie die Bayern den Einsatz in der Riesendinghöhle mit der Ersatzbeschaffung des Materials noch nicht ganz verdaut haben. Aber - letztendlich reicht das Material.

Neben dem Höhlentelefon, das die üblichen Schwierigkeiten wegen des dünnen und damit reißanfälligen Kabelmaterials bereitet, wird das Cavelink-System aufgebaut. Mit beiden Systemen in Kombination funktioniert dann auch die Verbindung nach draußen. Nachteil des Cavelink ist, dass es - einmal aufgebaut - nicht mit dem Bergetrupp mitwandern kann.

Am Freitagmorgen um 4 Uhr beginnt die Bergung des verletzten 27-jährigen Polen, dessen gesundheitlicher Zustand nach Einschätzung des Arztes insgesamt stabil ist. Eingepackt ist er in der Petzl-Nest-Trage. Mit dieser sehr dünnen und leichten Trage hoffen die Retter, dass alle Engstellen und verwinkelten Bereiche ohne Auspacken des Verletzten zu machen sind.

Mühsam, Stück für Stück, aber insgesamt zügig geht der Transport nach oben. Hauptproblem sind dabei die vielen kurzen Schächte, die alle paar Höhenmeter den erneuten Aufbau von Flaschenzügen und Seilbahnstrecken erfordern. Hilfreich für die Retter ist, dass der Patient selbst schnell nach oben will - auch wenn´s weh tut.

Die Bergestrecken sind eingebaut und auch die markanteste Engstelle wurde mit verschiedenen Mitteln unter anderem auch von nachgezogenen bayrischen Höhlenrettern um entscheidende Zentimeter erweitert. Dem Weg nach draußen steht nichts im Wege. Auch die Ablösung beim Bergeteam hat funktioniert. Am Ende werden auch drei Ärzte den Patienten begleitet haben.

Um 2.18 Uhr am frühen Samstagmorgen ist es geschafft. Die Trage mit dem Patienten erreicht den Höhleneingang. Trotz der Nacht und den grenzwertigen Flugbedingungen wegen Wolken- und Nebelschwaden wird der Patient fast direkt in einen nachtflugtauglichen Hubschrauber der österreichischen Luftwaffe verladen und ins Landeskrankenhaus nach Salzburg gebracht.

Gegen 3.45 Uhr verlassen auch die letzten Retter mit dem fast vollständig wieder ausgebauten Material die Höhle. Je nach persönlichem „Erschöpfungszustand“ steigen die Retter noch zur Laufener Hütte ab oder übernachten im Biwak am Höhleneingang.

Im Einsatz waren insgesamt rund 120 Retter: 45 Höhlenretter aus Österreich, davon 12 aus Bayern, die Alpinpolizei sowie 29 Bergretter und einige Helfer des Roten Kreuzes.

Autor: Rudi Hiebl

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