Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

 

 

Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Nachrichten

Montag, 12. Januar 2009

„Lilli“, such' den armen Mann!

Lawinenhundestaffel Chiemgau trainiert am Schneibsteinhaus

„Ralf, als Du mit Lilli zum Lawinenhang kamst, hast Du Deinem Hund kein eindeutiges Startzeichen gegeben. Mit einem klaren Befehl wie etwa „Such den armen Mann!“, steigerst Du ihre Begeisterung und damit ist sie noch mehr bei der Sache.“ „Hans, Dein Waldo ist zu Beginn der Suche übereifrig. Versuch’s beim nächsten Mal doch schon 10 m vor dem eigentlichen Gebiet. So hat er sich schon einmal ein wenig abreagiert und kann dann zu Beginn des kritischen Bereichs konzentriert suchen.“ Michael Partholl, selbst langjähriger Lawinen- und Polizeihundeführer, gibt seinen 10 Kameraden der Lawinenhundestaffel Chiemgau individuelle Tipps, wie sie ihre treuen Gefährten besser führen und damit bei der Vermisstensuche im Ernstfall schneller machen.

Das heutige Einzeltraining ist nur ein Teil des diesjährigen Lawinenhundelehrgangs rund um das Schneibsteinhaus in den Berchtesgadener Alpen. „Normalerweise sind wir immer eine ganze Woche auf der Reiter Alpe“, sagt Staffelführer Walter Lang, „aber dieses Jahr ist die Seilbahn defekt und wir können unser ganzes Material nicht transportieren. So haben wir das Seminar um einen Tag Hubschraubertraining und einen weiteren für Übungen mit den erfahreneren Hunden gekürzt.“ Bereits seit Donnerstag wechseln sich theoretische Einheiten über Lawinenkunde, mit praktischen Gruppenübungen, Vorträgen und Untersuchungen des begleitenden Tierchirurgen Dr. Gödde ab. Nachteinsätze, Gassigehen oder Übungs-Fahrten mit der Jenner-Seilbahn für die jüngeren Hunde stehen darüber hinaus ebenso auf dem Plan wie ein komplett nachgestellter Echteinsatz mit einem im Schnee vergrabenen Probanden und der so wichtige Erfahrungsaustausch untereinander.

Während einer dieser Gespräche und Übungen war es Andreas Baumann, der auf die Idee kam, seinem Lawinenhund „Benno“ ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) mit auf den Weg zu geben. Er steckte das LVS-Gerät, das über einen Ohrstöpsel mit einem Walki-Talki verbunden ist, in das Brustgeschirr seines Hundes. Das Zweite behielt er bei sich und schickte seinen Benno in Richtung eines vergrabenen „Piepsers“. Diese Technik hat, sofern die verschüttete Person ein LVS-Gerät trägt, drei Vorteile. Zum Einen, berichtet Andreas begeistert, kann ich meinen Hund ein wenig kontrollieren, ob er auf der richtigen Spur ist und nicht etwa einer Gams hinterherläuft. Zum Anderen besteht so die Möglichkeit, in einem lawinengefährdeten Hang meinen Hund vorauszuschicken. Dieser transportiert auf diese Weise das Empfangsgerät in die Richtung eines möglichen Opfers. Im Falle eines falschen Verdachts wurde so kein unnötiges menschliches Risiko eingegangen. Zum Dritten kann der Vierbeiner auf diese Weise einen weiteren Mann oder auch den Hubschrauber, der parallel zum Tier mit sucht, ersetzen. Der Helikopter ist somit frei um beispielsweise den Notarzt oder weitere Bergwacht-Kameraden nach zu holen. Der zweite suchende Kamerad kann im Fall von Mehrfachverschüttungen bereits einem anderen Signal folgen oder schon beim ausschaufeln helfen. Das spart im Ernstfall viel wertvolle Zeit. Baumanns Kameraden sind begeistert. Ein Hauptgrund, warum diese Taktik noch nicht weiter verbreitet ist, ist wie so oft das liebe Geld.

Im Rahmen der Ernst-Wippenbeck-Stiftung wird das Augenmerk der Einsatzkräfte auf ihre Vierbeiner gelenkt. Dr. Gödde begleitet die Staffel bereits seit fast 4 Jahren im Hinblick auf körperliche Probleme der Hunde. Anfangs wurde eine Bestandsaufnahme der Tiere gemacht. Eingeteilt in 3 Altersgruppen wurden anhand einer Kernspintomographie die Bandscheiben, Bänder und Muskeln der Hunde beurteilt. Dabei stellte sich heraus, dass so manch junger Hund bereits Probleme mit seinem Bewegungsapparat hatte, die er aber in keinster Weise zeigte. Drei der Hunde zwischen 2 und 5 Jahren mussten sogar operiert werden. Mit Hilfe modernster Operationstechniken hatten die Vierbeiner nur jeweils ein halbes Jahr Zwangspause und sind jetzt wieder voll einsatzbereit. „Im Laufe dieser Studie haben wir viel voneinander gelernt“, sagt Dr. Gödde. „Die Hundeführer wissen jetzt, wie sie ihre vierbeinigen Partner im alpinen Gelände schonender trainieren. Ich als Arzt habe neue Erkenntnisse über die erstaunlich früh auftretenden Erkrankungen an jungen Hunden und wie lange sie diese kompensieren, gelernt.“ Die Erfahrung, die Dr. Gödde mitbringt, zeigte er beeindruckend, als er routinemäßig jeden einzelnen seiner Patienten abtastete. Die jeweiligen Befunde über Trainingszustand, sprich Muskelaufbau, Fehlstellungen und dergleichen ließ er die Herrchen wissen, bat den einen oder anderen in seine Praxis für genauere Untersuchungen oder gab wertvolle Tipps.

Der strahlende Sonnenschein, die herrliche Kulisse der Berchtesgadener Alpen und die freundliche Stimmung unter den Bergwacht-Kameraden rundeten diesen 4. Lehrgangstag in perfektem Maße ab. Morgen, am 5. und letzten Tag steht noch eine gemeinsame Großübung sowie die obligatorische Abschlussbesprechung auf dem Plan. Sofern sich die Kameraden nicht innerhalb ihrer Bereitschaften oder im Ernstfall treffen, kommen sie in dieser Runde voraussichtlich wieder bei einem Trainingsflug im kürzlich eröffneten Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz zusammen.

 

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum