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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Samstag, 12. September 2015

Zwei Bergsteiger durch massiven Steinschlag in der Watzmann-Ostwand schwer verletzt

47 und 50 Jahre alte Männer aus Nordbayern werden im oberen Schuttkar getroffen und bis zum unteren Ende mitgerissen

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Am Samstagnachmittag gegen 13.30 Uhr hat sich in der Watzmann-Ostwand im Bereich des Berchtesgadener Weges oberhalb des Schuttkars zwischen erstem und zweitem Sporn ein massiver Steinschlag aus der Wand heraus ereignet, bei dem zwei 47 und 50 jährige Bergsteiger beim Brotzeitmachen von den Felsmassen getroffen, bis zum unteren Schuttkar mitgerissen und schwer verletzt wurden. Nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei befanden sich die beiden Männer aus Nordbayern gerade am oberen Schuttkar im Übergang zum Felsbereich, als sich über ihnen unvermittelt etwa 300 Kubikmeter Fels lösten und zu Tal donnerten, was sogar Bergsteiger am weit entfernten Kahlersberg im Hagenbebirge auf der anderen Seite des Königssees hörten.

Die beiden Bergsteiger in der Ostwand wollten sich zwar noch in Sicherheit bringen, hatten jedoch keine Chance aus der Steinschlag-Rinne zu entkommen. Beide wurden von Steinen erwischt und über das Schuttkar mitgerissen. Drei Bergsteiger, die sich bei einer Gelände-Erkundung hinter den beiden noch am Beginn des Schuttkars befanden, konnten den Felssturz beobachten. Sie setzten bei der Leitstelle Traunstein umgehend einen Notruf ab, noch bevor sich erst nach einiger Zeit die Staubwolke wieder gelegt hatte und stiegen zu den Verunfallten auf, um Erste Hilfe zu leisten.

Die Leitstelle schickte sofort die Bergwacht Berchtesgaden und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ zum Unfallort. Der Pilot konnte den Bergwacht-Einsatzleiter, den Hubschrauber- und den Bergwacht-Notarzt nur wenige Minuten nach der Alarmierung im Schwebeflug über die Kufe in rund 1.400 Metern Höhe im Schuttkar aussteigen lassen. Die beiden Ärzte und der Sanitäter übernahmen die medizinische Erstversorgung und lagerten die Männer dann in zwei Luftrettungssäcke um, die bei einem zweiten Anflug mit einem weiteren Bergwachtmann gebracht wurden. Der 50-jährige Bergsteiger war noch ansprechbar, jedoch schwer verletzt. Sein 47-jähriger Bergkamerad war nicht mehr bei Bewusstsein, da er massive Kopf- und Rumpfverletzungen erlitten hatte. „Christoph 14“ flog dann sofort den schwerer verletzten 50-Jährigen zusammen mit einem Arzt per Tau zum Landeplatz in Schönau, wo er im Rettungswagen für den Weiterflug zum Salzburger Unfallkrankenhaus versorgt und stabilisiert wurde. Währenddessen übernahm die Besatzung des nachgeforderten Salzburger Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ den Abtransport den 50-jährigen Verletzten aus der Ostwand. Der Pilot brachte Notarzt und Notfallsanitäter von St. Bartholomä aus per Rettungstau zum Unfallort und flog den Patienten dann per Tau aus. Der Mann wurde auf der Halbinsel in den Hubschrauber umgelagert und dann zum Salzburger Landeskrankenhaus geflogen. Die gesamte Rettungsaktion erfolgte unter der ständigen Gefahr, dass noch weiterer Steinschlag folgen könnte.

Die restlichen drei Bergretter und die drei Bergsteiger, die für Sonntag die Tour ausgekundschaftet hatten, wurden gegen 14.50 Uhr mit dem nachgeforderten Polizeihubschrauber „Edelweiß 2“ per Winde aufgenommen und nach St. Bartholomä ausgeflogen. „Edelweiß 2“ flog dann mit einem Berchtesgadener Polizeibergführer in die Ostwand, um Details zum Unfallhergang und Felssturz zu ermitteln. Nach derzeitigem Sachstand ist nicht von einem Fremdverschulden auszugehen. Der Steinschlag war für die beiden Berggeher auch nicht vorhersehbar. Zur Betreuung von Angehörigen der Verletzten wurde vorsorglich der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht verständigt.

 

Aus diesem Grund wird derzeit von einer Begehung der Watzmann-Ostwand, (Berchtesgadener Weg und Münchner Weg) abgeraten, da weiterer Steinschlag nicht ausgeschlossen werden kann und durch den vorhergegangenen Steinschlag die Routen massiv mit Staub und losem Geröll bedeckt sind.  Neben der Gefahr, dass es sehr rutschig ist, besteht massiv die Gefahr, dass vorausgehende Seilschaften durch losgetretene Steine nachfolgende Seilschaften in Gefahr bringen. Die Situation vor Ort dürfte sich nach einem Starkregen wohl etwas beruhigen, muss aber noch abgewartet werden.

 

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