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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Unsere Chronik

Kampenwand
Winterstützpunkt Agergschwend (1936 - 1947)
Materialtransport beim Hüttenbau 1946/47)
Ausbildungsfahrt zum Großvenediger mit dem Adler-Wanderer ( 1950) Foto: Hias Gschoßmann Von Links: Horst Kroher, Raimund Wagger, Paul Riedinger, Hans Entfellner, Toni Schmid, Lois Roith
Zwölferloch Erkundung 1950 Von Links: H. Gschoßmann, L Tribelnig, H Kroher, H Bock
Der Schnappen brennt 30.12.1972 (Foto Ostermayer, Seebruck)
Löscharbeiten beim Schnappenbrand 1982
Ein Lawineneinsatz im Hochgerngebiet am 6. Januar 1985
Einsatz mit Christoph 14 bei Skiveranstaltung im Geigelsteingebiet 1985 (Foto: Lukas, Schleching)

In der folgenden Chronik soll dargestellt werden , wie sich unsere Bereitschaft seit der Gründung in Jahre 1936 bis zum heutigen  Tage und bis zum heutigen Leistungsstandentwickelt hat. Dabei soll auch auf einige Bergrettungseinsätze als Beispiele für unsere Tätigkeit näher eingegangen werden.  

1936 - 1950                                          

Im Spätsommer 1936 treffen sich zehn junge, zum Teil schon im alpinen Rettungsdienst des Alpenvereins tätige Bergsteiger im Gasthof zur Post-Hofwirt und gründen die Bergwacht-Ortsstelle Marquartstein. Die Gründungsmitglieder sind Alois Gmeineder, Ludwig Gnadl, Georg Huber, Franz Karl, Hans Krinner, Hans Maßler, Paul Riedinger, Hias Schützinger, Hans Schweiger und Willi Wieland. Franz Karl wird zum ersten Bereitschaftsleiter gewählt.

Da geeignete Rettungsmittel aus DAV-Beständen nicht vorhanden sind, müssen die Rettungsgeräte aus den primitivsten Mittel improvisiert werden: so dienen zum Beispiel Stangen Tragen, Schi- und Ziehschlitten zum Transport von Verletzten. Schon im November 1936 wird auf der Agergschwend-Alm der erste Winterstützpunkt für Hochgernstreifen eingerichtet, der tut die nächsten 11 Jahre bis zur Fertigstellung der neuen Diensthütte beibehalten wird.

1937 werden im Sommer die ersten Kletterübungen im Kampenwandgebiet sowie Streifendienste im Hochgerngebiet und in den Berchtesgadener Alpen durchgeführt. Zu den Winterstreifen im Winklmoosgebiet rückt man mit dem Fahrrad oder dem Postbus aus.

Während des Krieges Übernehmen nacheinander Hermann Stückl (1940-42), Hans Bock (1942-44), und Matthias Schützinger (1944 45) die Bereitschaftsleitung, die dann von 1945-50 wieder Franz Karl übertragen wird.

Im September 1945 erteilt die amerikanische Besatzungsmacht dem Bayerischen Roten Kreuz die Genehmigung, den alpinen Sanitäts- und Rettungsdienst mit der Bezeichnung "Bergwacht" wiederaufzubauen Die Bergwacht wird in Abschnitte und Bereitschaften gegliedert, neu organisiert und die ersten Heimkehrer aus Lazaretten und aus der Kriegsgefangenschaft Übernehmen mit denen, die nicht an der Front waren, die Bergwachtaufgaben. Sechs Bergwachtmänner aus der Gründerzeit sind Opfer des Krieges geworden: Alois Gmeineder, Ludwig Gnadl. Hansl Schweiger, Wlli Wieland, Georg Huber und Hermann Stöckl.

Von Herbst 1946 bis Herbst 1947 wird von der Bereitschaft Marquartstein die Bergwachtdiensthütte Kaltenbrunn an der Hochgern-Südseite zur Betreuung der Hochgern Schiabfahrt und als Sommerstützpunkt erbaut. Die Hütte entsteht fast ausschließlich aus Eigenleistung der Bereitschaft, die selbst die schwierigen Materialtransporte mittels Kettenkrad, Pferd oder Trägerdienste durchführt. Im Laufe der Jahre wird die Hütte mit einem Lawinenschutzzaun, einer Quellfassung mit Wasserleitung, einer Gas-Lichtanlage und Telefonanschluß ausgestattet und mehrfach renoviert.

1947 wird auch das erste Einsatzfahrzeug der Bereitschaft in Betrieb genommen; es handelt sich um ein Horch-Kfz-15 mit achtzylindermotor, das auf Holzgasbetrieb umgerüstet wird. Kurzzeitig dienen in den folgenden Jahren ein Mercedes und ein Hanomag als Einsatzwagen. Schließlich wird ein Adler-Wanderer von einigen Bergwachtmännern zum Einsatz umgebaut. Dabei wird ein Metallaufbau durch einen Holzaufbau mit Sitzbänken und Krankentragevorrichtung ersetzt. Dieses Fahrzeug wird bis zur Anschaffung des ersten gebrauchten VW-Busses im Jahr 1955 eingesetzt.

1948 nehmen Marquartsteiner Bergwachtmänner an den ersten Winterrettungslehrgängen unter der Leitung von Wiggerl Gramminger auf der Winklmoosalm teil.

1949 wird der Bergwachtmann Hans Krinner während eines Streifendienstes am später nach ihm benannten Krinnerhang an der Ostseite der Hochplatte von einer Lawine verschüttet. Seine Freunde können ihn zwar schwerverletzt bergen, er erliegt jedoch im Krankenhaus seinen Verletzungen.

1960 erfolgt nach mehrerer Erkundungen vorallem durch die Gebrüder Nagel aus Staudach (1936) und durch Marquartsteiner Bergwachtmänner (Horst Kroher, Hans Bock, Hias Gschoßmann und Leo Tribelnig) die erste Begehung der im Hochgerngebiet gelegenen Zwölferlochhöhle durch drei Geologen vom Geologischen Landesamt in München, zwei Reportern und vier Marquartsteiner Bergwachtmännern. Allein der Abstieg dauert vier Stunden. 1957 wird eine erste Vermessung durch den Münchner Verein für Höhlenkunde von Marquartsteiner Bergwachtmännern begleitet und 1984 eine gemeinsame Bergungsübung im Zwölferloch durchgeführt. Dazwischen liegen mehrere Erkundungen Marquartsteiner Bereitschaftsmitglieder in der Höhle, die vom Eingang nahe des Zwölferspitzgipfels knapp 100 Höhenmeter steil in die Tiefe führt und in einer 30 Meter hohen domartigen Halle endet.

1950 - 1960

1953 werden zusammen mit den Bereitschaften Schleching und Grassau die Deutschen Alpinen Skimeisterschaften im Geigelsteingebiet - damals eine bedeutende Großveranstaltung - betreut.

Hauptsächlich aus Spendenmitteln wird 1957 auf einem von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstück an der alten Dorfstraße die Bergwachtgarage zur Unterbringung von Rettungsgeräten und dem Einsatzfahrzeug errichtet. Dieser Bau ersetzt eine 1950 aufgestellte Behelfsgarage mit Wellblechkonstruktion.

 

Als größerer Einsatz sei hier der an der Gscheuerwand 1957 erwähnt, als nach dem Zusammenstoß zweier Segelflugzeuge zwei Tote aus schwierigem Gelände geborgen werden müssen.

1957 helfen zwölf Marquartsteiner Bergwachtleute beim Bau der Seeleinsee-Diensthütte in Berchtesgaden mit.

Von 1955 -1960 übernahme des Alpinwinterdienstes im Geigelsteingebiet die Bereitschaften Marquartstein und Grassau. 1955 -1972 Winter Liftdienste in Berchtesgaden am Jenner und Roßfeld. Schistreifen Watzmannkar und Hoher Göll werden noch heute durchgeführt.

 1960 - 1970

1965 stürzen bei einer Ausbildungstour der Bereitschaft über den Stüdlgrat auf den Großglockner im Abstieg der gerade zum Bereitschaftsleiter gewählte Hubert Gasteiger und Ludwig Nothaft ab. Nachdem die österreichischen Suchmannschaften die beiden nicht finden können, hat schließlich nach mehrtägiger Suche eine Gruppe aus Marquartsteiner und Traunsteiner Bergwachtmännern die traurige Aufgabe, die tot am Fuße der Pallavicinirinne Aufgefundenen abzutransportieren. Auch Wiggerl Gramminger ist bei der Suche dabei.

Ein Jahr später 1966, stürzt der Ausbilder der Bereitschaft und Polizeibergführer-Aspirant Franz Schmid bei einer Solokletterei an der Kampenwand tödlich ab.

Zum Gedenken an die vier bisher in Dienst oder Ausbildung Verunglückten findet seit 1967 jedes Jahr an der Bergwachthütte Kaltenbrunn eine Bergmesse statt.

1970 wird Lenz Massler bei der 50 Jahr-Feier der Bayerischen Bergwacht in München vom Bayerischen Ministerpräsidenten mit dem Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes ausgezeichnet.

Seit 1969 bzw. 1975 Winterdienst am Balsberg- und Glockenbichllift in Unter- und Oberwössen.

1970 - 1980

Von 1972-77 Unterstützung der Bereitschaft Grassau beim Winterdienst an den Hochplattenliften.

Jahreswechsel 1972/73. Bei einer Bergung und Totenbergung am Schnappen wird durch eine zu spät zündende Leuchtrakete, die Verständigungszwecken dienen sollte, das dürre Lahnergras entzündet und ein Großbrand ausgelöst. Dieser breitet sich fast über die gesamte West- und Südwestflanke des Schnappens aus. Die Rettungsmannschaft kann ihm nur knapp entkommen. Glücklicherweise kann das Schnappenkirchlein vor den Flammen gerettet werden und auch der Sachschaden im Wald bleibt aufgrund günstiger Windverhältnisse relativ gering. Dieser Vorfall hat die Konsequenz, daß die Bereitschaft zunächst mit drei, später vier Handsprechfunkgeräten und dem nötigen Zubehör ausgerüstet wird. Bei einer wenig später nötigen Totenbergung im Hochplattengebiet bewähren sich die neuen Geräte erstmals. 1981 werden die Handsprechgeräte gegen neue vom Typ FUG 13 (Telefunken) ausgetauscht und das Einsatzfahrzeug mit einem stationären Vielkanalfunkgerät ausgestattet.

Mit Inkrafttreten des bayerischen Rettungsdienstgesetzes im Jahre 1974 verpflichtet sich das Land Bayern zur Beschaffung der Einsatzfahrzeuge und der Funkausrüstung der Bergwacht.

1975 finden die ersten beiden Hubschrauberausbildungen der Bereitschaften Grassau und Marquartstein im Hochplatten- und Hochgerngebiet statt. Nach der Grundausbildung (Landeplatzwahl, Einweisen, Ein- und Aussteigen sowie Be und Entladen im Schwebeflug) wird Auf- und Abseilen mit der Seilwinde sowie behelfsmäßiges Abseilen aus der Maschine vom Typ Bell UH 1D geübt. Von 1978 an findet regelmäßig einmal im Jahr eine Hubschrauberübung mit einer Maschine der Heeresfliegerstaffel in Roth, Neuhausen oder der SAR-Staffel in Penzing statt.

Seit 1976 steht der Rettungshubschrauber Christoph 14 in Traunstein zur Verfügung.

November 1977 Einführung der Bergrettungswachen.

1979 Inbetriebnahme der Rettungsleitstelle Traunstein.

1980 -1986

1982. Die Bereitschaft wird mit drei Funkalarmempfängern ausgerüstet und ist damit jederzeit von der Rettungsleitstelle Traunstein aus erreichbar.

Am 15.5.82 bricht vermutlich durch Selbstentzündung erneut ein Großbrand am Schnappen aus. Im Verlaufe der Löscharbeiten wird ein Bergwachtmann durch Steinschlag verletzt und muß in einer aufwendigen Rettungsaktion, an der auch Grassauer Bergwachtmänner teilnehmen, mittels Gebirgstrage zum Kupferschmiedlahner transportiert und dort abgeseilt werden, bis er vom Hubschrauber in einem gewagten Manöver aufgenommen werden kann. Die Rettungsmannschaft kann sich noch rechtzeitig vor dem übergreifenden Feuer in Sicherheit bringen.

1985 wird die Bereitschaft mit einem VW-Syncro-Allradbus mit zuschaltbarem Sperrdifferential für beide Achsen ausgestattet. Der 8-sitzige Bus kostet mit Zusatzausrüstung 38.000,-- DM und wird aus Staatsmitteln finanziert.

Um einmal konkreter auf die in dieser Chronik kaum dargestellten Einsätze der Bergwacht einzugehen, sollte man einige Zahlen z.B. aus dem Jahr 1985 kennen. So hat die gesamte Bergwacht des BRK 1985 bei 477 Bergunfällen Einsätze durchzuführen, wobei man in 68 Fällen nur noch Tote bergen kann. Über 400mal wird der Hubschrauber 1985 gebraucht, davon 161 mal der SAR Windenhubschrauber, manchmal sogar nachts. Skiunfälle sind 1786 zu versorgen. Die Rettungswache Grassau/Marquartstein hat beispielsweise 1985 12 Erstehilfeleistungen, 7 Verletztenbergungen, einen Krankentransport, 2 Rettungen aus Bergnot, 3 Suchaktionen, 3 Hubschraubereinsätze im Sommer zu tätigen . Im Winter fallen 18 Erstehilfeleistungen, 4 Verletztenbergungen, 3 Transporte, 1 Lawineneinsatz und ein Hubschraubereinsatz an. Insgesamt errechnen sich - einschließlich Naturschutzstreifen - 1985 für die Bereitschaft Marquartstein 9830 Gesamteinsatzstunden.

 

Ein Lawineneinsatz im Hochgerngebiet am 6. Januar 1985 soll hier exemplarisch anhand eines Protokolls von unserem Bereitschaftsleiter Sepp Schweinöster dargestellt werden:

Unfallverlauf:

Drei junge Wasserburger Freunde waren am Sonntag, den 6.1.1985 vom Parkplatz an der Burg Marquartstein zu einer Skitour zum Hochgerngipfel - 1744 m - aufgestiegen. Gegen 14 Uhr 45 Abfahrt der drei Richtung Hochgernhaus bis zum Moarbichl 1597 m. Der 22jährige J.G. fuhr als erster den ca.200m Iangen Nordhang ins Moos ab, der in einer Mulde vor dem Steilhang Steinacker-Staudacheralm endet. Unmittelbar nach Beendigung seiner Abfahrt wurde J.G. von einem Schneebrett erfaßt und verschüttet, das er selbst durch seine Einfahrt in den Steilhang mit starkem windverfrachtetem Neuschneezuwachs ausgelöst hatte. Eine Fluchtmöglichkeit aus der Mulde bestand wegen der großen Neuschneemengen nicht. Die beiden Begleiter waren Zeugen des Lawinenunfalls, einer davon fuhr kurzzeitig danach am Rand des Abrisses ins obere Drittel des abgerutschten Lawinenfeldes ein und bis zum Staubereich ab. Er markierte den angenommenen Verschwindepunkt, den ihm sein Freund von sicherer Stelle oberhalb der Abrißkante angab. Die Hilferufe der beiden wurden von einem Skitourenfahrer aus Unterwössen und einer Skitourenfahrergruppe (5 Personen aus Rosenheim) gehört, die sich noch im Aufstieg zum Hochgerngipfel befanden.

Sofortige Abfahrt zum Lawinenstaubereich und gleichzeitiger Beginn der Kameradenhilfe mit den 2 Begleitern des Verschütteten. 2 aus der Skitourenfahrergruppe machten sich fertig, um die Meldung des Lawinenunfalles an der Bergwacht Diensthülte unterhalb des Hochgernhauses zu überbringen.

 

Eine schnelle Auffindung des Verschütteten (gute Skitourenausrüstung, Bekleidung, sowie ein Lawinen VS-Gerät, Pips) durch die Kameradenhilfe war leider nicht möglich, da keiner der Begleiter und Ersthelfer ein Lawinen-VS-Gerät bei sich hatte !

Rettungseinsatz der Bergwacht

15 Uhr 35 - MeIdung an der Bergwacht-Diensthütte Kaltenbrunn - 1300 m Hochgernsüdseite. Sofortige telefonische Unfallmeldung (Lawinenunglück Hochgernnordseite - 1 Verschütteter) an die Bergwachtbereitschaft Marquartstein durch den diensthabenden Bergwachtmann.

15 Uhr 40 - Unfallmeldung an die Rettungsleitstelle Traunstein durch den Bereitschaftsleiter. Auslösung der Funkmeldeempfänger BW Marquartstein, Anforderung des Rettungshubschraubers Christoph 14 und des SAR-Hubschraubers LTG-61 durch die Leitstelle. Alarmierung der Marquartsteiner BW-Männer laut Bereitschafts-Einsatzliste.

16 Uhr Eintreffen der BW-Männer am BW-Depot. Aufnahme des Rettungsgerätes und Fahrt zum Hubschrauber Tallandeplatz - Alter Sportplatz Marquartstein zugleich Standort für Taleinsatzleitung. Funkmitteilung der Leitstelle, Christoph 14 sei im Anflug zur Unfallstelle sowie Zusage des SAR Hubschraubers aus Penzing.

16 Uhr bis 16 Uhr 30:

Anforderung der BW Nachbarbereitschaften Schleching mit K-Anhänger und Grassau mit Notstromanlagen für etwaigen Nachteinsatz sowie der Lawinenhundeführer Zuck, Reit im Winkl und Steiner, Bergen durch die Leitstelle. Bereitschaften Bergen und Ruhpolding auf Abruf.

Landung von Christoph 14 im Nahbereich des Lawinenstaubereiches, Absetzen des Notarztes und Rettungssanitäters. Sofortiges Angebot des Piloten daß Mannschafts- und Ausrüstungstransport der Bergwachtmänner mit Christoph 14 möglich sei und dieser unverzüglich

zum Tallandeplatz komme. 2 Bergwachtärzte und 6 Bergwachtmänner werden mit Ausrüstung durch 4 Transportflüge mit Christoph 14 zur Unfallstelle gebracht. Mitteilung der Leitstelle, Polizei-Hubschrauber Edelweiß 8 sei im Anflug zum Lawinenfeld und stehe zur Unterstützung bereit.

Gegen 16 Uhr 30 Eintreffen der Lawinenhundeführer und der Nachbarbereitschaften am Tallandeplatz sowie des Bergwachtmannes und der 2 Unfallmelder am Lawinenfeld, nach Anstieg von der Diensthütte aus. Um 16 Uhr 33 Verschütteten mit Ortovox-VS-Gerät im Lawinenstaubereich lokalisiert. Nach Feinsondierung der Ortungsstelle J.G. in 150 cm Verschüttungstiefe in Querlage mit Gesicht nach unten ohne Bewußtsein aufgefunden. Rucksack noch auf dem Rücken sowie beide Skier überkreuzt noch an den Füßen. Sofortige Freilegung mit Lawinenschaufeln, erste Wiederbelebungsmaßnahmen durch die Bergwachtärzte, Notarzt und Rettungssanitäter noch auf dem Lawinenfeld!

Durch die Auffindung keine weiteren Transporte der Lawinenhundeführer und Bergwachtmänner zur Unfallstelle erforderlich. Da Transport des Verunglückten mit Christoph 14 möglich ist, wird SAR Hubschrauber im Raum Rosenheim-Prien (über Funk durch die Leitstelle) Rückflug nach Penzing mitgeteilt. Transport des Verletzten unter ständigen Wiederbelebungsmaßnahmen durch Bergwacht Abschnittsarzt und Notarzt im Christoph 14 nach Traunstein- Landung gegen

17 Uhr am Unfallkrankenhaus!

Nach Abflug von Christoph 14 vom Lawinenfeld 4 Transportflüge des Polizei Hubschraubers Edelweiß 8. Noch vor Einbruch der Dunkelheit Einsatzkräfte und die 2 Begleiter zum Tallandeplatz gebracht.

Gegen 17 Uhr 30 Einsatzende am Tallandeplatz mit Rettungsleitstelle und Rückflug vom Polizeihubschrauber zu dessen Standort. Gute Zusammenarbeit der Bergwachtbereitschaften Grassau, Schleching, Marquartstein, den beiden Lawinenhundeführern mit der Leitstelle Traunstein, der Besatzung des Christoph 14, der Besatzung des Polizeihubschraubers und Beamten der Polizeistation Grassau.

Alle weiteren intensiven Wiederbelebungsmaßnahmen im Krankenhaus Traunstein leider ohne Erfolg, gegen 19 Uhr 30 verstirbt J.G. an seinen Verletzungen ! !

Schnee - Wettersituation:

Am 30./31.12.84 sowie am 1/2./3./4.1.85 größere Neuschneefälle !

Am 6.1 85 sehr schöner, sehr kalter Wintertag ca. 15-20 Grad minus ! Hochgern-Nordseite ca. 55 cm Neuschneeauflage - windverfrachtet, keine Bindung auf 50 cm Altschneeunterlage mit Schmelzharsch und Eislarmellen als gefährliche Gleithorizonte!

Beschreibung der Lawine:

Schneebrettlawine trocken auf Gleithorizont mit ca. 35 Grad.

Anrißhöhe ca. 55 cm und Anrißbreite ca. 65 m.

Länge der Fließbahn ca. 100 m. Aufschüttung: Bis zu 3,50 m tief,

Breite ca. 40 m, Länge ca. 45 m, Hangposition nordseitig.

Sepp Schweinöster

 

1986. Anstelle einer Jahreschronik soll hier noch ein sommerlicher Einsatz diese Jahres geschildert werden, der vielleicht typisch für viele in unseren Voralpenbergen ist:

Am 4. Mai gegen 21 Uhr 15 werden Hilferufe vom Westhang des Schnappens gemeldet und die Funkalarmempfänger unserer Bereitschaft ausgelöst. Nach der telephonischen Alarmierung der Bergwachtmänner beginnt ein Nacheinsatz, der mittels Funk vom Bergwachtwagen im Tal aus koordiniert wird. Mehrere Gruppen steigen mit Funkgeräten, Stirnlampen, Suchscheinwerfern und ihrer Kletterausrüstung über die verschiedenen Steige und Gräben in Richtung Schnappenlahner auf. Eine Gruppe ersteigt den nächtlichen Kupferschmiedlahner, quert an seinem oberen Ende nach Süden zum Nockerlahner, um dort in steilem Gras- und Schrofengelände wieder tiefer zu steigen. Aufgrund des zerklüfteten Geländes ist lange keine Rufverbindung mit den in Bergnot geratenen Personen möglich, die offensichtlich beim Versuch, vom Schnappenkirchlein direkt nach Marquartstein abzusteigen, in Steilgelände und in die Dunkelheit gekommen sind. Als die beiden - Vater und ein 10jähriges Mädchen - schließlich im steilen Schrofengelände über einem senkrechten Felsabbruch geortet und vor einer Seilschaft im Licht der Suchscheinwerfer erreicht worden sind, müssen sie über eine 20 Meter hohe senkrechte Felswand in gangbareres Gelände abgeseilt werden, wo sie dem Bergwachtarzt übergeben werden. Glücklicherweise sind beide trotz eines vorher erfolgten Absturzes des Vaters unverletzt und können nun zum Teil mit Seilsicherung aus dem unwegsamen Gelände in das Tal gebracht werden.

Der Einsatz endet eine halbe Stunden nach Mitternacht. Beteiligt waren 19 Bergwachtmänner unserer Bereitschaft sowie 5 der Bereitschaft Grassau.

 

Im Herbst 1986 feierte unsere Bereitschaft ihr 50jähriges Jubiläum.

Die Berichterstattung über vergangenen 50 Jahre ist hiermit abgeschlossen.

Was wird die Zukunft bringen?

Mit Sicherheit läßt sich der Trend zu einer nochmals intensivieren SanitätsausbiIdung sowie der immer höheren Anforderungen an Bergwachtmann, Gerät und Technik absehen.

Ganz gleich, was auf uns zukommt; auf jeden Fall können wir das brauchen, was unser Gründungsmitglied Karl Franz zum Jubiläum wünscht:

"Als Gründer der Bereitschaft Marquartstein und als ältestes Mitglied wünsche ich der 

Bereitschaft für die weiteren Jahre viel Glück und Erfolg"

1987 - 2000

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