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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Sonntag, 21. August 2016

Vermisstensuche am Höllentalferner endet tragisch

Grainau/Höllental - Vermisster Bergsteiger kann nur noch tot aus Gletscherspalte geborgen werden

Am Freitag, den 19. August 2016, wurde der Einsatzleiter der Bergwacht Grainau gegen 19 Uhr von der Integrierten Leitstelle Oberland in Weilheim alarmiert. Ein 42-jähriger Bergsteiger aus Fürstenfeldbruck war am Donnerstag gegen 22 Uhr von der Höllentalangerhütte zur Zugspitze aufgebrochen und wollte dann weiter über den Jubiläumsgrat gehen. Nachdem seine Frau bis Freitag Abend nichts mehr von ihm gehört hatte, meldete sie ihn bei der Polizei als vermisst. Ein Bergführer der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei forderte die Bergwacht zur Unterstützung an.

Nach Rücksprache mit dem Polizeibergführer konnte das primäre Suchgebiet auf den Anstieg zur Zugspitze und speziell den Bereich des Höllentalferners eingegrenzt werden. Aufgrund des immer Freitags stattfindenden Diensttausches der Dienstgruppen waren genügend Einsatzkräfte an der Bergrettungswache anwesend. Zum Transport der Bergretter auf den Gletscher wurde der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr angefordert. Parallel machte sich die Polizeimaschine Edelweiß 1 auf den Weg nach Grainau. Gegen 20 Uhr waren beide Hubschrauber am Tallandeplatz der Bergwacht Grainau eingetroffen.

Nach einem kurzen Briefing mit allen Anwesenden brachte der SAR-Hubschrauber Landsberg 58 insgesamt 8 Bergretter an verschiedene Positionen auf dem Gletscher. Die Polizeimaschine startete mit einem Polizeibergführer einen Suchflug aus der Luft entlang des Jubiläumsgrates. Die Bergretter suchten alle offenen Gletscherspalten ab. Gegen 21 Uhr wurde in einer Spalte etwas unterhalb des sog. 2. Einstiegs (Übergang vom Gletscher in den oberen Klettersteig) ein Rucksack gefunden, der sich nach Rücksprache mit der Polizei eindeutig als Eigentum des Vermissten identifizieren ließ. Daraufhin wurde ein Bergretter in die Spalte abgeseilt. Von dort führte eine unterirdische Verbindung zur nächst tieferen Spalte, durch die der Bergretter weiter abgelassen wurde.

Um ca. 21.45 Uhr wurde die vermisste Person etwa 15 Meter tief in der unteren Spalte im Eis eingeklemmt aufgefunden. Er war vermutlich im Bereich des 2. Einstiegs abgerutscht und direkt in die untere Spalte gestürzt, während der Rucksack in die obere etwas kleinere Spalte fiel. Sofort errichteten die Einsatzkräfte an der Kante der unteren Spalte einen zweiten Standplatz im Eis und ließen einen weiteren Retter in die Tiefe ab. Zusammen mit dem ersten Retter konnte die Person aus dem eisigen Gefängnis befreit und von den anderen Einsatzkräften nach oben gezogen werden. Leider konnten die Retter nichts mehr für den Mann tun, der Bergsteiger war seinen Verletzungen durch den Absturz erlegen. Nach dem Aufziehen der Retter und Abbauen der Standplätze wurde der Leichnam von der Spaltenzone in die Mitte des Gletschers abtransportiert.

Zwischenzeitlich war eine weitere Polizeimaschine mit Suchausrüstung eingetroffen, welche nun nicht mehr benötigt wurde. Aufgrund interner Vorschriften traten beide Polizeimaschinen den Rückflug nach München an, während der SAR-Hubschrauber in einem ersten Flug einen Bergesack nach oben und gleich die ersten vier Einsatzkräfte ins Tal flog. Aufgrund des steilen Geländes stellte sich der Anflug fliegerisch sehr anspruchsvoll dar, wurde aber von der Besatzung meisterhaft bewältigt. In zwei weiteren Flügen wurden die übrigen vier Einsatzkräfte und der im Bergesack zum Abtransport vorbereitete Leichnam abgeholt, sodass kurz nach Mitternacht wieder alle Beteiligten am Tallandeplatz der Bergwacht Grainau eintrafen. Nach einer Abschlussbesprechung startete Landsberg 58 zum Heimflug, während für die Einsatzkräfte noch Aufräumarbeiten in der Bergrettungswache anstanden. Gegen 2 Uhr war schließlich auch für die Retter ein langer Tag zu Ende.

Insgesamt waren bei diesem Einsatz 10 Einsatzkräfte der Bergwacht Grainau, eine Bergwacht-Notärztin der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen, die Besatzung des SAR-Hubschraubers Landsberg 58 der Bundeswehr, zwei Polizeibergführer  und die Besatzungen von Edelweiß 1 und 4 der Polizeihubschrauberstaffel Bayern aus München sowie das Bergrettungsfahrzeug Grainau etwa 7 Stunden gefordert.

Am Samstag gegen 16.30 Uhr musste die Bergwacht Grainau dann nochmal auf dem Höllentalferner ausrücken. Ein Bergsteiger traute sich am 2. Einstieg weder vor noch zurück. Erneut machte sich der SAR-Hubschrauber Landsberg 58 auf den Weg nach Grainau und brachte drei Bergretter nach oben. Aufgrund der tief hängenden Wolken konnten die Einsatzkräfte nicht direkt beim Betroffenen abgesetzt werden und mussten die letzten 150 Höhenmeter zu Fuß bewältigen. Sie führten den Bergsteiger über den Gletscher wieder unter die Wolkengrenze, von wo alle mit dem Hubschrauber abgeborgen werden konnten. Nach etwa 3 Stunden war der Einsatz für die 6 Einsatzkräfte, die Huschrauberbesatzung und das Bergrettungsfahrzeug Grainau beendet.

Bei diesen beiden Einsätzen und auch den Einsätzen am vergangenen langen Wochenende zeigt sich auch wieder wie wichtig der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr für die Gebirgsrettung ist. Leider werden die SAR-Maschinen zum Ende des Jahres an einen anderen Standort verlegt und stehen dann für die Bergwacht nicht mehr zur Verfügung. Gerade in Spitzenzeiten sowie nachts fehlt damit eine wichtige Stütze in der Luftrettung. So müssen dann z.B. bei zeitunkritischen Bergeinsätzen Norarzthubschrauber blockiert werden, welche für evtl. dringende, parallele Notfalleinsätze nicht mehr zur Verfügung stehen.

Mehr Bilder auf www.facebook.de/bergwacht-grainau

Autor: Bergwacht Grainau

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