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Montag, 25. Juli 2016

Großübung im Krottenbach

Der Krottenbach im Vorkarwendel war am Freitag Ziel einer Großübung von Bergwacht und Feuerwehr. Gegen 18:00 Uhr wurde der Einsatzleiter der Bergwacht über einen gestürzten Bergradler im Krottenbachtal informiert. Eigentlich kein ungewöhnlicher Einsatz, deshalb wurde ein Rettungsteam der Bergwacht Lenggries zur Einsatzstelle geschickt.

Auch der First Responderdienst der Faller Feuerwehr rückte aus und stellte fest, dass der Bergradler in einen Gebirgsbach gestürzt war und sie nicht helfen konnten. Nun kamen Canyonretter aus den umliegenden Bergwachten zum Einsatzort und entdeckten eine Canyoninggruppe, die dem Bergradler helfen wollte und selbst zu Schaden kam. Jetzt forderte der Einsatzleiter das Technikfahrzeug der Bergwacht Penzberg an sowie die Bergwacht Bad Tölz und die Bergwachtnotärzte aus dem Isarwinkel. Auch die Feuerwehr Lenggries kam mit der großen Drehleiter. Hier wollte man über die Drehleiter eine Aufseilmöglichkeit aus der Schlucht zum Forstweg schaffen, was aber wegen den beengten räumlichen Verhältnissen nicht möglich war. Die Bergwacht Penzberg startete mit ihrem Kleinflugsystem, das mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet ist, einen Erkundungsflug durch die enorm enge Schlucht des Krottenbachs und lieferte haarscharfe Bilder, mit denen die Liegeorte der Verletzten bestimmt werden konnten. Auch zur Gefahrenbewertung und dem Erstellen der Rettungstaktik waren die Bilder von großer Bedeutung, die im Technikfahrzeug mit den Einsatzleitern ausgewertet wurden. Daraufhin seilten sich mehrere Rettungsteams, bestehend aus Canyonrettern mit den Bergwachtnotärzten, in den Bachlauf ab und begannen mit der medizinischen Versorgung. Parallel dazu wurden von den Bergrettern aus Tölz und Lenggries eine Seilbahn und ein Schrägaufzug in die Schlucht aufgebaut. Am laufenden Band wurden die verletzten Personen über diese Seilbahnen aus dem Bach zum Forstweg heraufgeseilt und in Sicherheit gebracht. Gegen 22:30 Uhr, waren nach vierstündigem Einsatz alle Personen in Sicherheit und der geordnete Rückzug konnte angetreten werden. Bei der Nachbesprechung im Feuerwehrhaus in Fall  konnten bei einer Brotzeit die Übungsziele nochmals angesprochen und ein Resümee der Übung gezogen werden.

 

Canyoningeinsätze weisen eine ähnlich hohe Komplexität auf wie Lawineneinsätze. Durch das unübersichtliche und schwer zugängliche Terrain werden die Einsatzorte nicht so schnell erkannt bzw. erreicht. Zudem ist die Rettung aus der Schlucht auf eine Forststraße anspruchsvoll und dauert länger. Außerdem sind die Temperaturen niedriger -auch im Hochsommer- da oftmals keine Sonne den Bachlauf erreicht und durch die Wasserfälle ein Wasser-Luft- Aerosol ensteht, das die Auskühlung von Verletzten enorm beschleunigt. Die Aus-bzw. Unterkühlung vermindert die Blutgerinnung, was schon bei normal Verletzten deren Überlebenschance schmälert und bei schwer Verletzten zum echten Problem wird. Das bringt die Retter in eine prekäre Lage. Sie sollen einerseits schnell agieren, dürfen sich aber in dem unübersichtlichen Gelände mit unterschiedlichen Wasserständen nicht selbst in Gefahr bringen. Hier sind alle gefordert. Die Einsatzleiter, die solche Einsätze koordinieren und verantworten, aber auch die Einsatzkräfte die umsichtig und besonnen handeln müssen.

Gute Informationsquellen wie Pegelstände Online, Wetterradar und Luftbilder vom Kleinflugsystemen des Bergwacht-Technikfahrzeugs helfen da enorm. Es braucht aber auch eine gute Ausrüstung bzw. Ausbildung und Erfahrung, damit solche Einsätze sicher bewältigt werden können. Dafür haben wir am Freitag geübt.

 

Autor: Bergwacht Lenggries

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