Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

Nachrichten

Donnerstag, 19. April 2007

Waldberger Mundartabend 2007 voller Erfolg

Die Kosten für Werbung konnte sich die Bergwachtbereitschaft Waldberg auch diesmal sparen: Ihr Mundartabend ist ein gefragter „Geheimtipp“. Schon Wochen vorher wurden Karten bestellt, unter den Besuchern waren wieder viele Stammgäste.

Dabei war es nach dem plötzlichen Tod von Scheunenbesitzer Günter Meißner im November zunächst fraglich, ob es heuer überhaupt einen Mundartabend geben würde. Doch „der Günter hätte das so gewollt“, waren die Veranstalter überzeugt. Der Abend begann auch mit einem Gedenken an den Freund aus Hessen, der stets seine umgebaute Scheune für Geselligkeit und Kulturpflege zur Verfügung gestellt hatte.

Auch der „siewede Waldbaricher Mundortowed“ wurde dann wieder lang und lustig: Fünf Stunden waren Musik und Gesang kombiniert mit Rhöner Geschichten, Witzen und Anekdoten Trumpf. Leib und Seele hielten die Rhöner Schmankerln zusammen, die die emsigen Helfer der Bergwacht kredenzten.

Erinnerung an Maichels Kasper

Zur Eröffnung gaben die Rhöner Dreschflegel (Frank Schmitt, Christian Zinn, Daniel Rossmann und Joachim Bühner) mit mehreren Stücken – darunter auch das „Siemenslied“ - ein kurzes Gastspiel. Danach wartete schon ihr nächster Auftritt beim „Rhöner Rockfestival“ in Sandberg.

Die Erinnerung an das musikalische Wirken des „Maichels Kasper“ (Kaspar Kessler) aus Waldberg halten die Heubonn- (Heuboden)Musikanten wach. Sie spielen Walzer und Schottisch nach den alten Noten und treten in dieser Formation eigentlich auch nur bei den Mundartabenden auf.

Waschechte Waldberger, die zu ihrem Dialekt stehen, sind Bergwacht-Chef Martin Raab und Edmund Bühner, der Vorsitzende der Rhönmusikanten. Sie haben vor sieben Jahren den Mundartabend ins Leben gerufen, „um den Dialekt zu pflegen und dazu beizutragen, dass er nicht ausstirbt“. Raab und Bühner sind als Gesangs-Duo „Owanning“ mit Eigenkompositionen im Waldberger Dialekt inzwischen fester Bestandteil der Rhöner Mundartszene. Kostproben gaben sie unter anderem mit „Durfnöme“ und dem „Lied übern Duescht“.

Längst alte Hasen auf der Mundartbühne sind „Drömmelschlog“ Burkard Zimmer und Hans Räder aus Unterelsbach, die ebenfalls seit Bestehen der Bierscheunen-Treffs zur Stammbesetzung gehören. Mit ihren Hits wie „Bodwasser“ oder Adöpfelzalod“, hauten sie wieder kräftig auf die Pauke. Als sie sich nach ihrem Lied von der „Druckluft“ verabschieden wollten, riefen die Zuhörer „Knoblauch!“ - was für „Drömmelschlog“ bedeutete, dass ihr wohl bekanntestes Lied vom „Knoblauch“ noch als Zugabe gewünscht wurde.

In die Mürschter Disco getrampt

Auch wenn er schon seit Jahren in Hammelburg lebt, ist Maler und Musiker Konrad Albert noch eng mit der Kreuzbergregion verwurzelt. Viele seiner Songs und seiner Zeichnungen drehen sich um die Kinderzeit in Poppenroth, als die Hühner im Hof gackerten (Hühnerlied) oder als er als Anhalter unterwegs in die Disco nach „Muerscht“ war (Tramperlied).

Auch Gisela Fellenstein aus Frankenheim hat Geschichten aus dem Alltag in ihren Liedern, die sie zur Gitarre vorträgt, verarbeitet. So inspirierte sie ein Erlebnis von Edmund Bühner in der Arztpraxis zum „Fuß-Spries-Song“ und ein Busausflug mit dem Bauernverband zum Lied über die Kur in Bad Füssing. Den Kreuzberg-Bikern hat sie den Rhön-Rap mit dem Titel „Medwoche-Fohrroddoch-Rebb“ gewidmet. Bei dieser humorvollen Auseinandersetzung mit Eitelkeiten und Ehrgeiz der Biker bekam sie gesangliche Verstärkung von Martin Raab, Edmund Bühner, Matthias und Bernhard Hofmann.

Wie Gisela Fellenstein war Klaus Kirchner nach dem Debüt 2006 heuer zum zweiten Mal dabei. Er sang vom Gitarrenkauf und in „Mein Gott Babbe“ von der Last mit dem Frauenregiment in seiner Familie. Auch wenn Kirchner schon seit 20 Jahren in Bischofsheim verheiratet ist, ist er im Herzen ein Sandberger geblieben. Deshalb hat er auch das Lied „Ich komm aus Saand“ geschrieben, in dem er festgestellt: „Mei Fraa hot geahnt – die Beste komme aus Saand“.

Ein neuer Song dreht sich um einen wichtigen Termin in seinem Kalender: Den 28. Dezember, wenn er bei der traditionellen Kreuzbergwanderung der Walddörfer mit von der Partie ist.

Gewürzt wurde das Programm mit Anekdoten, kleinen Geschichten und Witzen. Wenn der Senner Lubber – Ludwig Blattner – in seiner ureigenen Art loslegt, bleibt kein Auge trocken. Im Senner Platt lässt er seine humorvollen Einlagen, die hauptsächlich in der Region spielen, vom Stapel. Besonders gern baut er die Schmalwasserer in seine Gags ein.

Als Mundart-Erzähler aus Heufurt vertrat Fritz Held die andere Seite der Rhön. Er hatte als aufmerksamer Beobachter vieles, was er selbst erlebt hat oder erzählt bekam, aufgeschrieben. Viel Beifall bekam er für die kurzen Episoden, die er bedächtig, aber wirkungsvoll aus seiner Sammlung vortrug, darunter Begegnungen mit Dorfpersönlichkeiten oder humorvolle Stammtischgeschichten, wie die vom bekannten Brüchser Gastwirt Karl Allgeier oder Erinnerungen an das Fladunger Original Manfred Strauß, der die Leute gerne hinters Licht geführt hat.

Natürlich durfte eine wichtige Person, die schon von der ersten Stunde an die Waldberger Mundartabende begleitet und mitgeprägt hat, nicht fehlen: Moderatorin Brigitte Meyerdierks aus Bad Brückenau ist mit ihrer temperamentvollen Art das Salz in der Waldberger Mundart-Suppe – obwohl sie, wie man am Dialekt hört, aus Oberbayern stammt. So gab Martin Raab auch diesmal wieder ein dickes Kompliment bei der Verabschiedung mit Blumenstrauß an Brigitte Meyerdierks weiter: „Ohne dich wäre unser Mundart-Abend nicht das, was er ist“.

Kräftigen Applaus gab's natürlich auch dafür, dass die Künstler auch diesmal wieder zugunsten der Bergwacht umsonst auftraten.

Wie geht es weiter?

Als sich Martin Raab und Brigitte Meyerdierks von den Gästen verabschiedeten, schwang etwas Wehmut mit: Die Bierscheune wird – mit dem dazugehörigen Wohnhaus – verkauft. So ist die Zukunft der Mundartabende ungewiss. Deshalb konnten die Veranstalter auch noch keine Aussage treffen, ob und wann es im nächsten Jahr weitergeht. Veranstalter, Akteure und Fans hoffen natürlich, dass dieser siebte nicht auch der letzte Mundartabend in Waldberg gewesen ist. „Es wäre schade, wenn es dieses Waldberg in dieser Form nicht mehr geben würde“ sagte Brigitte Meyerdierks. „Ich hoff, doss dar Owed weiter besteht“ sprach Martin Raab wohl im Sinne aller.

 

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum