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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Winterrettungslehrgang 2014

Im Januar 2014 ging es für zwei Anwärter unserer Bereitschaft zum einwöchigen Winterrettungslehrgang der Region Allgäu auf das Nebelhorn bei Oberstdorf. Gewissermaßen ein kleiner Heimvorteil, denn im Rahmen unserer Dienstgemeinschaft mit der Oberstdorfer Bergwacht zählt das Nebelhorn zu unserem Dienstgebiet.
Der Winterrettungslehrgang ist ein wichtiger Schritt im Ausbildungskonzept der Bergwacht Bayern. Die dort vermittelten Fertigkeiten und Kenntnisse vertiefen und vereinheitlichen die Grundausbildung der Anwärter der einzelnen Regionen
und sind wichtiges Rüstzeug für den späteren Dienst als aktive Einsatzkraft.

Am Samstag den 18.01.2014 trafen wir uns um 7.30 Uhr an der Talstation der Nebelhornbahn. Dort standen schon einige bekannte Anwärterkameraden mit ihrer Ausrüstung bereit und unter großem Hallo wurden auch wir begrüßt.
Die mitgebrachte Ausrüstung beanspruchte einiges an Platz, denn fast jeder von uns hatte zwei Paar Ski und Schuhe, mindestens zwei Rucksäcke oder aber große Taschen und noch einiges mehr dabei. Denn eine Woche bei Wind und Wetter auf dem Nebelhorn kann lang und kalt sein. Gerade auch bei den Lehrgängen macht es ein schlechtes Bild, wenn man unvorbereitet und mit falscher, zu wenig oder unpassender Ausrüstung erscheint. Also Schminkzeug zu Hause lassen! So wurde gemeinsam und erstaunlicherweise schließlich auch alles ohne Verluste mit der Nebelhornbahn zur Bergstation transportiert.
Gut dass wir so früh da waren, denn vor dem eigentlichen Betrieb mussten zweieinhalb Kabinen für uns fahren. Oben angekommen wurden die Zimmer bezogen und es ging sofort in den ersten Teil der Ausbildung.

Begrüßung, Allgemeines und Theorie standen auf dem Programm. Nach der Vorstellung des Ausbilderteams und der Gäste, sowie den Hinweisen zum Ablauf des Lehrgangs gab es die erste Theorie zum Thema Winterrettung und Akja fahren. Nach dieser theoretischen Einheit und dem ausgibiegen Mittagessen, wurden die theoretischen Ausbildungsteile in der Praxis umgesetzt.
Wir durften mit den Akjas ins Gelände. Dazu wurden Gruppen eingeteilt und nach dem einsatzklar machen der Akjas fuhren wir zur Gipfelstation.
Von dort wurden in unterschiedlichen Abständen und immer Abwechselnd die Stationen gemacht, an denen wir unterschiedliche
Verletzungsmuster wie z.B. Unterschenkelfraktur, Oberschenkelfraktur oder Knie, versorgen mussten. Unter den wachsamen Blicken unserer Ausbilder
wurden die Vakuumschiene angelegt und der Patient in den akja eingeladen und bis zu einem vereinbarten Punkt transportiert.
Die letztjährige Winterübung und unsere Dienstabende haben uns dabei geholfen, so dass das Akjafahren und die Patientenversorgung
nicht mehr als ganz so schwierig eingestuft wurden.
Anstrengend ist das Üben aber trotzdem und wenn man beschäftigt ist, merkt man gar nicht wie schnell die Zeit vergeht. Der Skitag war zu Ende und während
letzten Skifahrer abgefahren sind, haben wir die Akjas aufgeräumt und im Anschluss daran in unserer Gruppe mit unserem Ausbilder ein Abschlussgespräch durchgeführt.
Nach dem Abendessen folgte ein weiterer theoretischer Ausbildungsteil zum Thema Lawinen, speziell Lawineneinsatz und Lawinennotfall.
Denn am folgenden Sonntag sollte der von einer regionalen Zeitung und einer örtlichen Bergschule organisierte Lawinentag stattfinden zu dem wir von der
Bergwacht den praktischen Lawineneinsatz vorführen sollten.
Nach einer kurzen Nacht war es dann schließlich soweit. Im Anschluss an das Frühstück folgte der übliche Theorieteil. Diesmal recht kurz gehalten,
denn wir sollten vorab noch die praktischen Teile zum Lawineneinsatz, das Sondieren in der Mannschaft, das Schaufeln und die Recco-Suche üben.
Der Vormittag war also schon durchorganisiert und bei einigermaßen stabilem Wetter gerade beim Schaufeln in der 5er Gruppe ganz schön schweißtreibend.
Nach dem Sondieren in der Mannschaft und dem Ansondieren einer Person, was bei einem organisierten Lawineneinsatz streng, fast schon militärisch abläuft,
folgte dem ebenso "strengen" Plan das Mittagessen.
Als wir uns alle wieder vor den Pistenraupengaragen trafen, waren schon einige Vorbereitungen zur Vorführung getroffen worden. Die Ausbilder hatten die Schleuse, die bei einem organisierten Lawineneinsatz auf jedes Lawinenfeld führt aufgebaut. Auch die Lawinenhunde der Region Allgäu waren vor Ort, und in unserer Unruhe, Erwartungen und Gespräche mischte sich das Bellen und Jaulen der Hunde. Wir wurden in Gruppen, Sondiermannschaft, Schaufeltrupp, medizinische Versorgung und Helfer bzw. Schleusenwache eingeteilt.
Als alle Zuschauer vor Ort waren, ging es auch schon los. Die Alarmierung kam von einer Tourengeherin, die die Vorgehensweise der Kameradenrettung vorführte. Das erste Team, dass schließlich auf die Lawine durfte, war eine Hundeführerin der Bergwacht Oberstdorf zusammen mit ihrer Hündin.
Die noch junge Hündin meldete auch nach kurzer Zeit einen Fund. Der erste Schaufeltrupp wurde losgeschickt um die Verschüttete auszugraben. Bei einigen Metern dicht gepacktem Schnee, gar nicht so einfach. Doch gemeinsam wurde die Person lebend ausgegraben.
Daneben machte sich die Sondiermannschaft bereit. Auch diese hatte nach kurzer Zeit eine Weisung, also einen Fund. Der zweite Schaufeltrupp wurde zusammen mit einem Notarzt und einem Rettungsteam losgeschickt um die verschüttete Person auszugraben. Bei dieser Person wurde vom Notzarzt ein Atemstillstand festgestellt, was bedeutete, so schnell wie möglich ausgraben und unter Reanimation abtransportieren.
Schnell war auch dieser ereignisreiche Tag zu Ende und nach dem alles Material wieder verstaut war, hatten wir ein wenig Zeit für uns. Ausruhen und auf die Theorieprüfung lernen. Allerdings war wieder nur bis zum Abendessen Zeit. Danach folgte wieder Theorie. Am Montag war nach der üblichen Theorieeinheit am Morgen nochmals Akjafahren und Patientenversorgung an der Reihe. Den ganzen Tag Akja fahren und Abends nochmals Theorie. Gut so, denn langsam werden die Abläufe besser und die Kombination von Theorie und Praxis machte sich bemerkbar.
Wie angekündigt war das Wetter am Dienstag schlecht. Perfekte Bedingungen also, um die Fahrprüfung mit dem Akja durchzuführen. In Teams ging es also wieder los, um an mehreren Stationen vom Gipfel zur Seealpe, die Patientenversorgung und den -transport mit Akja in der Prüfung zu machen. Wir haben bestanden!
Am Mittwoch schließlich war das Wetter wieder besser und die Hoffnung auf den angekündigten praktischen Teil mit dem Hubschrauber der Bundespolizei wuchs von Stunde zu Stunde. Anfangs hing das Tal noch voller Wolken, die Gipfel waren aber frei und wir hatten den halben Tag für uns Zeit um Ski zu fahren. Als dann klar war, dass es wohl einige Lücken in der Wolkendecke geben könnte und dass der Hubschrauber unterwegs war, kamen so nach und nach alle Anwärter zusammen um die Ankunft des Hubschraubers zu beobachten.

Nach einer kurzen Einweisung in das Verhalten um, am und im Hubschrauber machten wir uns auf den Weg zum Übungslandeplatz am Koblat.
Jeder musste den Hubschrauber zuerst per Handzeichen einweisen und schließlich auch noch per Funk einsprechen, was bei manchem mit Digitaluhr doch zu Verständigungschwierigkeiten mit der Besatzung führte, was plötzliche unerwartete Richtungsänderungen zur Folge hatte. Doch schließlich konnte jeder den Hubschrauber direkt vor seiner Nase landen lassen. Der Ausbildungsflug entlang der der regionalen Berge wie Schneck, Laufbacher Eck oder Hochvogel ließ uns die Strapazen der letzten Tage vergessen.

Am Abend wurde die angekündigte Nachtübung durchgeführt. Mit Tourenski stiegen wir zur Berstation des Koblatlifts auf. Dort nahmen wir unsere Ausrüstung in Empfang um in einzelnen Teams unsere Aufgabe erfüllen zu können. Es sollte eine verletzte Person aus dem Variantengelände gerettet werden. Nach den vergangenen Tagen doch eine Herausforderung, bei Dunkelheit in unbekanntem Gelände mit der Ausrüstung eine Rettung durchzuführen. Die Übung lief reibungsfrei und erfolgreich für jede einzelne Gruppe ab!  Zur Belohnung erwartete uns eine Schneebar mit Glühwein. Spitze!

Am letzten Tag, dem Donnerstag war der komplette Tag als Prüfungstag für Notfallmedizin und VS-Suche vorgesehen. In zweier Teams machten wir uns also auf, die einzelnen Stationen, Schulter- oder Sprungelenksluxation, Verletzungen Becken und Wirbelsäule, internistische Notfälle und VS-Suche durchzuführen.

Nicht so einfach, denn einige von uns Anwärter haben nicht alle Prüfungsteile geschafft. Für uns heißt es einmal, Wiederholung Schienung und VS-Suche.
Im Anschluss an die Prüfungen folgte die Nachbesprechung des Lehrgangs in der großen Runde zusammen mit den Ausbildern.

Ein gelungener Kameradschaftsabend mit einem guten Abendessen, einigen Ansprachen und zünftiger Musik, bildeten den Abschluss dieses 49. Winterrettungslehrgangs der Region Allgäu!

Trotz dem, dass wir noch das ein odere andere Wiederholen müssen, haben wir auf diesem Lehrgang sehr viel gelernt und an Wissen und Fertigkeiten mitgenommen. Die angenehme Lernatmosphäre und das kameradschaftliche Verhalten aller Anwärter, Gäste und Ausbilder war vorbildlich.

Vielen Dank an unsere Kameraden und Ausbilder der Bereitschaft Neu-Ulm, an unsere Anwärterkameraden der einzelnen Bereitschaften der Region Allgäu und
natürlich ganz besonders auch ein Dankeschön an das Ausbilderteam der Region Allgäu und die Organisatoren des Lehrgangs!
 

Einen Überblick über die 
Theorieteile:

- Luftrettung
- Lawineneinsatz/Lawinennotfall
- Schnee- und Lawinenkunde
- Akja
- Kriseninterventionsdienst Berg - Region Allgäu
- Lawinenhunde
- Notfallmedizin
- Medikamente
- ...

Praxisteile:

- VS-Suche
- Recco-Suche
- Sondieren
- praktischer Lawineneinsatz
- Akja
- Patientenversorgung im Skigelände
- Schienen
- Notfallmedizin
- Verankerungsbau im Steilgelände
- ...

 
M. Braun

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