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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsatz im Nebel

Fiderepass, 18.09.2010

Im Sommer macht die Bergwacht Bereitschaft Neu-Ulm jedes Wochenende Vorsorgedienst auf der Fiderepaßhütte im Dienstgebiet Oberstdorf. So wie jedes Mal fahren wir also in der Früh am 18.09.2010 mit zwei Mann und einem Anwärter durch das Kleinwalsertal, um von dort auf die Fiderepaßhütte (2061m) hinaufzusteigen. Das Wetter ist durchwachsen, über 1500m ist Nebel und schlechte Sicht.

Während mein Kamerad Michael mit dem Anwärter zum Klettertraining zur Hammerspitze (2260m) geht, warte ich alleine an der Hütte und höre den Rettungsfunkkanal ab.

Um 15:10 kommt die Meldung der Rettungsleitstelle Allgäu an die Rettungswache Oberstdorf "verletzte Person 2 Stunden von der Mindelheimer Hütte". Auf dem Fiderepaß sind wir auch ca. 2 Stunden von der Mindelheimer Hütte, also höre ich genauer zu und gebe den Kameraden auf der Hammerspitze Bescheid "Ihr solltet jetzt zurückkommen".

Am Funk höre ich den Einsatzleiter in Oberstdorf, wie er einen Hubschrauber bestellt und seine Mannschaft zusammenruft. Ihr Plan ist von Oberstdorf so nah wie möglich an den Einsatzort mit dem Hubschrauber zu fliegen, um die verletzte Person zu bergen.

Aufgrund der schlechten Sicht (50m) könnte das schwierig werden, also melde ich dem Oberstdorfer Einsatzleiter unsere Bereitschaft am Fiderepaß an. Wir machen uns schnell fertig und laufen zunächst auf die Fiderescharte (2244m, 15:55) um dort auf die ückmeldung aus Oberstdorf zu warten.

Mit dem Hubschrauber kommen die Oberstdorfer Kameraden nicht so weit wie erhofft und werden weit unterhalb vom Einsatzort abgesetzt.

Der Einsatzort soll auf dem Weg zwischen dem Guggersee und dem Krumbacher Höhenweg liegen, also laufe ich los. Auf der Rückseite der Scharte ist der Weg aufgrund des vielen Regens matschig und rutschig. Ich muss mich konzentrieren um schnell und unfallfrei voranzukommen. Nach ca. 20Minuten bin ich auf dem Guggersee-Weg und treffe zwei Leute, die von der Unfallstelle kommen. Zum ersten Mal erfahre ich etwas über die Art der Verletzungen. Ich darf mich ein bisschen entspannen: Knöchelverletzung, Bewußtseinklar – es hätte schlimmer sein können. Gleich bin ich am Einsatzort (1780m, 16:30) und finde dort eine ca. 55 Jahre alte Frau vor mit geschwollenen Knöchel, begleitet von ihrem Ehemann. Sie haben zum Glück bereits eine Rettungsdecke ausgebreitet und eine weitere Fleece-Jacke als Kälteschutz angezogen. Nach der Standarduntersuchung (Body-Check), um weitere Verletzungen auszuschliessen, gebe ich die Informationen per Funk an den Einsatzleiter weiter und kümmere ich mich um den Knöchel. Mit einer flexiblen "Sam-Splint" Schiene und einer langen Binde kann ich den Fuß fixieren. Dann packe ich die Frau in einen Biwaksack als Kälteschutz und gebe ihr meine Fleece-Jacke dazu. Kaum bin ich fertig kommt der Einsatzleiter mit dem Bergwachtarzt an. Beide kenne ich bereits von unserem Winterdienst im Fellhornskigebiet, und es wird freundlich begrüßt. Der Arzt untersucht kurz den Knöchel, sieht aber keinen Grund etwas an meiner Vorsorge zu ändern. Er vermutet einen Bänderriss.

Bei schönem Wetter würde ein solcher Einsatz keine 15Minuten mit dem Hubschrauber dauen. Bei diesem Wetter ist es aber eine ernsthafte Lage, weil wir 700m über dem Talboden (und der nächsten Strasse) liegen und es wird in 2 Stunden dunkel.

In der Zwischenzeit ist der Hubschrauber zweimal vom Bergwachtdepot Oberstdorf zum Landeplatz Berg geflogen, um weitere Bergretter und Material zu transportieren. Jetzt meldet sich der Hubschrauber wegen der immer schlechter werdenden Sicht ab und kehrt zurück zur Basis. Es dauert ziemlich lange bis die Kollegen die Gebirgstrage und das Material vom Landeplatz zum Einsatzort geschleppt haben und man sieht in deren Gesichten and an die verschwitzen Kleidung, dass das gar nicht einfach war. Mit der Patientin wird das aber noch schwieriger, also entscheidet der Einsatzleiter, einen direkten Weg bergab ins Tal zu suchen.

Ich bekomme die Aufgabe, den Ehemann auf dem Weg ins Tal zu begleiten während mein Kamerad Michael mithilft, die Patientin ins Tal zu bringen. Einige Retter laufen voraus, um den besten Weg zu suchen, währen die anderen mit Hilfe eines Sicherungsseils und viel Kraft die Gebirgstrage mit der Patientin schleppen. Das Gelände samt Latschenkiefern zwingen uns, vom direkten Weg ins Tal mehfach abzuweichen und die Patientin teilweise sogar wieder nach oben zu transportieren. meistens zu viert, an engen Stellen aber auch nur zu zweit.

Der Nebel hat sich in der Zwischenzeit gesenkt, so dass keine Unterstützung durch den Hubschrauber mehr möglich war. Dank der guten Ortskunde des  Einsatzleiters kommen wir schließlich an einer Jagdhütte heraus, wo wir mitsamt der Patientin durch zwei Obersdorfer Bergwachtfahrzeuge abgeholt werden.

Es dauert fast 2,5 Stunden bis alle sicher im Tal ankommen (950m, 20:00).

Die Patientin wird mit dem Rettungswagen in Begleitung ihres Ehemanns ins Krankenhaus Immenstadt gebracht.

Im Bergwachtdepot Oberstdorf wird den erfolgreichen Einsatz mit Pizza gefeiert, bevor wir Neu-Ulmer wieder auf den Fiderepasshütte aufsteigen. (dieses Mal mit der Materialseilbahn!).

Feierabend (Fiderepaßhütte, 2061m, 22:00).

 

Michael Krauss / Ross Staton

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