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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Montag, 3. September 2018

Spaltensturz am Höllentalferner

Grainau/Höllental - Langer bodengebundener Patientenabtransport bei schlechtem Wetter verlangt Grainauer Rettern einiges ab

Am Freitag, den 31. August 2018, wurden der Einsatzleiter und die Mannschaft der Bergwacht Grainau um 11.41 Uhr von der Integrierten Leitstelle Oberland alarmiert. Ein Bergsteiger war im Aufstieg auf die Zugspitze am Höllentalferner nach dem Ausziehen der Steigeisen etwa 30 Meter abgerutscht und in eine ca. 3 Meter tiefe Gletscherspalte gestürzt. Diese war noch dazu aufgrund der bereits länger anhaltenden, starken Regenfälle so hoch mit Wasser gefüllt, dass der Mann bis zum Brustkorb untertauchte. Da tiefhängende Wolken einen Hubschraubereinsatz verhinderten und ein aufwendiger Einsatz absehbar war, wurden umgehend über eine Alarmierungs-App weitere Bergretter aufgeboten.

Bereits 20 Minuten nach Alarmierung fuhr ein Voraustrupp von 3 Einsatzkräften mit der Seilbahn zum Zugspitzgipfel und begann den Abstieg über den Klettersteig zum Gletscher. Parallel starteten die beiden Begleiter des Verunfallten zusammen mit 4 weiteren Bergsteigern einen Rettungsversuch aus der Spalte. Nach einer Stunde waren die ersten Bergretter an der Einsatzstelle und übernahmen die Erstversorgung des zwischenzeitlich erfolgreich befreiten Patienten. Bis auf die Haut durchnässt hatte sich dieser neben mehreren Prellungen und Schürfwunden eine starke Unterkühlung zugezogen, weshalb ein liegender Abtransport erforderlich war. Daraufhin machten sich 7 weitere Einsatzkräfte, welche bereits am Zugspitzgipfel in Bereitschaft waren, zusammen mit einem Arzt und einer Gebirgstrage auf den Weg zur Einsatzstelle. Zusätzlich stiegen 5 Bergretter mit einem 200 Meter langen Dyneema-Seil durch das Höllental auf, um das Abseilen vom sog. Brett hinab zum Höllentalanger vorzubereiten. Ein Bergwachtmann des Voraustrupps führte derweil die beiden Kameraden des Patienten talwärts.

Um 14.40 Uhr war der Patient unter Verwendung einer Wärmepackung in der Gebirgstrage gelagert und die Retter begannen mit dem mühsamen Abtransport im anspruchsvollen Eis- und Felsgelände. Das nach wie vor widrige Wetter sowie der dadurch teilweise sehr rutschige Untergrund erschwerten den Einsatz zusätzlich. Etwa 1,5 Stunden später erreichte die gesamte Einsatzmannschaft das Brett, wo an der bereits eingerichteten Abseilstelle umgehend mit dem Ablassen des Patienten und zweier Bergretter über die etwa 150 Meter hohe Stufe zur Talsohle des Höllentalangers begonnen werden konnte. Vom Wandfuß aus ging es für alle Beteiligten weiter zur Höllentalangerhütte, welche um 18.30 Uhr erreicht wurde.

Nach einer Stunde Pause zum Aufwärmen und Stärken folgte der weitere Abstieg durch die Höllentalklamm. An der Material-Seilbahn der Höllentaleingangshütte standen bereits das Rettungsfahrzeug der Bergwacht Grainau und das Mannschaftsfahrzeug der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen zum Transport ins Tal bereit. Der Patient wurde dort an einen Rettungswagen übergeben und zur weiteren Abklärung ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht. Bevor der Einsatz beendet war, galt es jedoch noch die Ausrüstung aufzuräumen und das teilweise vollkommen durchnässte Material zum Trocknen aufzuhängen.

Insgesamt waren bei diesem Einsatz 18 Bergretter und das Bergrettungsfahrzeug der Bergwacht Grainau sowie ein Kamerad und das Mannschaftsfahrzeug der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen knapp über 10 Stunden lang gefordert.

Während dem Abstieg und an der Höllentalangerhütte trafen die Einsatzkräfte mehrere Bergsteiger, die am Folgetag die Tour auf die Zugspitze unternehmen wollten. Die Bergwacht Grainau rät dringendst von einer Besteigung bei anhaltend schlechter Wetterprognose ab! Auch wenn das Bergwochenende manchmal schon Wochen oder Monate im Voraus geplant ist, sollte doch der nötige Respekt gegenüber der Natur und den Verhältnissen gewahrt bleiben. Neben dem deutlich höheren Unfallrisiko verlängern sich die Hilfszeiten ohne Möglichkeit eines Hubschraubereinsatzes enorm. Darüber hinaus stellen Einsätze wie dieser naturgemäß auch eine Gefährdung für die Einsatzkräfte dar, welche trotz aller Risiko minimierenden Maßnahmen niemals ganz ausgeschlossen werden kann.

Weitere Fotos auf unsere Facebook-Seite: http://www.facebook.de/bergwachtgrainau

Autor: Bergwacht Grainau

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