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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gutachterkreis für Alpinunfälle (GAK) informiert sich über Vier-Millionen-Euro-Ausbau des Bergwacht-Zentrums für Sicherheit und Ausbildung (ZSA)

Hubschrauber-Simulatoren, Hausdächer, flutbare Höhlengänge, Felswände, Klinik-Notaufnahme und eine Kältekammer: ZSA wird weltweit modernste Simulationsanlage für Rettungsübungen

BAD TÖLZ/BAD REICHENHALL (ml) – Der Deutsche Gutachterkreis für Alpinunfälle (GAK) unter Vorsitz von Dr. Klaus „Nik“ Burger, zugleich Chef der Reichenhaller Bergwacht und Direktor des hiesigen Amtsgerichts, hat sich bei seiner letzten Tagung über den groß angelegten Umbau des Zentrums für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) der Stiftung Bergwacht Bayern in Bad Tölz informiert: Mit dem neuen ZSA nimmt die weltweit modernste Simulationsanlage für Rettungsübungen ihren Betrieb auf. Ab sofort stehen den Einsatzkräften vertikale Trainingswände, Hausdächer, Höhlengänge und ein flutbarer Bereich für Wasserrettungen zur Verfügung. Ab April 2016 ist dann auch ein zweiter Flugsimulator im Einsatz. Gerhard Opperer, Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, und Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern, stellten den hochrangigen Vertretern der Verbände und den Gutachern den Umbau und die Möglichkeiten im ZSA vor. Anschaulich trainierten parallel gerade Spezialisten der Offshore- und Küstenrettung Deutschlands.

Neben Berg-, Höhlen- und Luftrettung können auch Einsatzkräfte von Feuerwehr, BRK-Wasserwacht, Polizei und Bundeswehr die Halle nutzen. Der vier Millionen Euro teure Umbau macht die Halle weltweit einzigartig. 3,6 Millionen Euro stammen vom Freistaat Bayern, 400 000 Euro steuert die Bergwacht-Stiftung bei. Zwischen Dezember und Februar gibt es noch einmal eine Trainingspause für letzte Maßnahmen an den Simulatoren sowie im Anbau nördlich der Halle. Dort gibt es jetzt Umkleideräume und ein Materiallager mit Ausgabe. Ebenfalls im Anbau befindet sich ein medizinischer Notfallraum, der einer Notaufnahme im Krankenhaus ähnelt. Damit können ab sofort komplexe Übungen vom Erstkontakt mit Patienten über die technische Rettung bis hin zur Übergabe in der Klinik simuliert werden. Ebenfalls für 2016 geplant ist der Bau einer acht Meter hohen Kältekammer. Sie soll Einsatzkräften Übungen bei bis zu minus 20 Grad Kälte ermöglichen.

Rettungsorganisationen weltweit interessieren sich bereits für die moderne Anlage in Bad Tölz. Erst kürzlich waren eine Delegation aus Japan sowie Vertreter der australischen Marine zu Gast. Den Flugsimulator hat sich die Bergwacht Bayern in Nordamerika sowie in Teilen Europas patentieren lassen. „Die Ausbildungs- und Sicherheitseinrichtung ist damit in Zukunft keine reine Hubschrauber- und Seilbahn-Simulationshalle mehr, sondern wird zu einem vielfältig für Rettungs- und Sicherheitsorganisationen nutzbaren Zentrum im Rettungs- und Einsatzgeschehen“, freut sich Dr. Burger, der die Halle als aktiver Bergretter und Einsatzleiter zusammen mit seinen Reichenhaller Einsatzkräften während der vergangenen Jahre regelmäßig selbst genutzt und schätzen gelernt hat.

Die Verbandsvertreter und Gutachter waren beeindruckt, was im ZSA entstanden ist: Neben einer neuen, komplexen, großen Anlage für Wasserrettung ist ein komplettes Haus mit Fenstern und Dachluken aufgebaut, aus und von dem aus in zahlreichen Szenarien tagsüber oder auch nachts Luftrettung und Bodenrettung trainiert werden kann. Unter dem Boden sind enge Gänge für die Höhlenrettung angelegt, wobei Möglichkeiten zur Überflutung bestehen, um auch spezielle Rettungstauch-Methoden zu üben. Eine Kältekammer verschafft Trainingsmöglichkeiten unter besonders harten Bedingungen bei etwa 20 Grad minus. Spezielle notfallmedizinische Trainingsräume einschließlich eines detailgetreuen Krankenhaus–Übergabe-Raums ermöglichen realistische notfallmedizinische Fortbildung. „Für die Gutachter sind insbesondere die Forschungs- und Erkenntnismöglichkeiten und die installierten Geräte wertvoll, um Unfallursachen sowohl im Verhaltens- als auch im Materialbereich, zum Beispiel bei Seilrissen oder Materialversagen, nachstellen zu können. Die Ursachenforschung der Gutachter dient nämlich nicht nur einer möglichen Schuldzuweisung oder Schuldentlastung, sondern hilft ganz entscheidend, Alpinunfälle zu rekonstruieren und in Zukunft zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Ziel der Ursachenforschung ist vor allem die stetige Optimierung der alpinen Sicherheit“, betont Dr. Burger. Gerhard Opperer, Geschäftsführer der Bergwacht Bayern sicherte den Gutachtern spontan zu, die Möglichkeiten der Unfallforschung im Trainingszentrum nutzen zu können.

Der GAK ist ein hochrangiger, ehrenamtlicher Expertenkreis und seit 18 Jahren weitgehend im Hintergrund tätig. Er setzt im Auftrag der Gutachter-Bestellungsbehörde, seit 2008 die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, bundesweit die fachlichen Voraussetzungen für die Sachverständigen auf den Gebieten Ski-, Berg-, Kletter- und Lawinenunfälle, alpine Ausrüstung und Materialprüfung, Canyoning-Unfälle sowie bei Unfällen in mobilen Seilaufbauten und in Seilgärten fest und entscheidet mit über die Eignung der Bewerber. Der Gutachterkreis bildet sich regelmäßig auch in Kooperation mit Österreichs Alpingutachtern fort und kann auf Bitte der Bestellbehörde zu grundsätzlichen alpinen Fragen Stellung nehmen. Zur Gewährleistung einer hohen Qualität der öffentlich bestellten und vereidigten Alpingutachter der IHK erarbeiteten Dr. Burger und der zweite Vorsitzende Peter Geyer, Ehrenpräsident des Internationalen Verbandes der Berg- und Skiführer, im Benehmen mit der IHK für München und Oberbayern im Jahr 2014 eine bundesweit gültige Geschäftsordnung, um die fachlichen Bestellungsvoraussetzungen, insbesondere für Ski- und Berg-, Seilgarten- und Canyoning-Unfälle abschließend festzulegen und so deutschlandweit Rechts- und Planungssicherheit für das alpine Gutachterwesen zu gewährleisten und einen hohen Zulassungs- und Prüfungsstandard zu gewährleisten.

Ein weiteres Thema der Alpin-Unfallexperten bei der Jahrestagung 2015 war unausweichlich der erst einige Tage zurückliegende tödliche Absturz eines Bergretters am Arber während einer Seilbahn-Rettungsübung. Die abschließenden Erkenntnisse bleiben aber dem Ermittlungsergebnis der zuständigen Staatsanwaltschaft vorbehalten.

Chris Semmel, Bergführer und Alpingutachter, schilderte kurzweilig und sehr spannend aktuelle Bruchversuche bei Eisschrauben und stellte die für Alpinisten, Industrie und Gutachter interessanten Ergebnisse vor. Zudem berichtete Semmel über wissenschaftlich erhobene Daten zum bisweilen bereits praktizierten Einsatz statischer Hilfsleinen als Spaltensicherung bei Gletscher-Seilschaften. Grundsätzlich sei die Verwendung dieser leichten Seilarten aber nur sehr erfahrenen Alpinisten vorbehalten, die auch adäquate weitere Bergeausrüstung mitführen. Semmel beendete seinen Vortrag über die Haltekraft von Eissanduhren und empfahl angesichts der doch sehr eindeutigen Versuchsergebnisse, die Eissanduhren nur mit sehr langen Schrauben zu bauen.

Martin Zeller vom Sicherheitskreis Seilkletteranlagen e. V. berichtete über Schäden durch Baumversagen in Kletterwäldern und zeichnete ein nicht gerade beruhigendes, aber durchaus kontrovers diskutiertes Bild, was die Anfälligkeit von Bäumen im Zuge der Seilgartennutzung anbelangt.

Der Vorsitzende der Alpingutachter Österreichs, Franz Deisenberger, referierte eingehend über die Sicherheit von Stahlseilen in Klettersteigen am Beispiel eines Seilrisses und zahlreicher Litzenrisse im Drachenwand-Klettersteig am Mondsee. Offenbar, so das Fazit, seien nicht alle Klettersteige in Europa in der geforderten guten Verfassung – so das Fazit von Nik Burger.

Autor: BW Rei N21__2015

Die Verbandsvertreter und Gutachter waren beeindruckt, was im ZSA entstanden ist: Neben einer neuen, komplexen, großen Anlage für Wasserrettung ist ein komplettes Haus mit Fenstern und Dachluken aufgebaut, aus und von dem aus in zahlreichen Szenarien tagsüber oder auch nachts Luftrettung und Bodenrettung trainiert werden kann. Unter dem Boden sind enge Gänge für die Höhlenrettung angelegt, wobei Möglichkeiten zur Überflutung bestehen, um auch spezielle Rettungstauch-Methoden zu üben. Eine Kältekammer verschafft Trainingsmöglichkeiten unter besonders harten Bedingungen bei etwa 20 Grad minus. Spezielle notfallmedizinische Trainingsräume einschließlich eines detailgetreuen Krankenhaus–Übergabe-Raums ermöglichen realistische notfallmedizinische Fortbildung.
Der Deutsche Gutachterkreis für Alpinunfälle (GAK) unter Vorsitz von Dr. Klaus „Nik“ Burger, zugleich Chef der Reichenhaller Bergwacht und Direktor des hiesigen Amtsgerichts, hat sich bei seiner letzten Tagung über den groß angelegten Umbau des Zentrums für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) der Stiftung Bergwacht Bayern in Bad Tölz informiert.

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