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Dienstag, 31. Mai 2016

Hochstaufen - wie gefährlich ist der „Mode-Berg“?

Nach zwei Unglücken am Staufen: Experten über die Gründe und Unfallhäufung am Fuderheuberg

Nach zwei Unglücken am Staufen: Experten  über die Gründe – Unfallhäufung am Fuderheuberg

BAD REICHENHALL - Für Entsetzen in der Region haben gleich zwei tödliche Unfälle am Staufen innerhalb einer Woche gesorgt. Doch von einer „Unglücksserie“ am Reichenhaller Hausberg könne keine Rede sein, heißt es vonseiten der Bergwacht und des Roten Kreuzes. „Es ist natürlich schon so, dass der Staufen inzwischen ein großer  Mode-Berg ist“, erklärte Markus Leitner, Pressesprecher des Reichenhaller Roten Kreuzes. „Und durch die große Menge an Bergsteigern ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu Unglücksfällen kommt.“

Wie berichtet, stürzte ein 50-jähriger Österreicher am Wochenende nach Pfingsten an den „Steinernen Jagern“ am Staufen ab. Er wollte alleine über den Goldtropfsteig zur Padinger Alm absteigen und stürzte im oberen Bereich der Rinne auf 1485 Metern in den Tod. Dieses Wochenende dann die nächste Tragödie: Ein 65-Jähriger aus Zwiesel wollte mit zwei Freunden die Nacht auf Samstag im Reichenhaller Haus verbringen. Am späten Freitagabend trat er, nur in Strümpfen, noch einmal vor die Hütte und stürzte rund 15 Meter in die Tiefe. Dabei verletzte er sich so schwer am Kopf, dass Wiederbelebungsversuche erfolglos blieben. Ob auch Alkohol im Spiel war, darüber gibt es keine näheren Auskünfte. „Der Mann ist einfach unglücklich gestürzt, das hätte ihm im Tal genauso passieren können“,  glaubt Leitner. Doch dass es zur Gefahr werden kann, am Gipfel zu tief ins Glas zu schauen, daran besteht kein Zweifel.

An sich gilt der  Staufen unter Profis nicht als besonders gefährlicher Berg.  zumal die  Wege in gutem Zustand seien. So wurde der Normalweg zuletzt 2011 bei einer größeren Aktion instand gesetzt. Alle Wege werden zudem regelmäßig überprüft (siehe Kasten). „Die Saison hat ja erst begonnen, die beiden Unglücksfälle kurz hintereinander können also auch nur Zufall sein“, erklärte Marcus Goebel, Pressesprecher der Bergwacht Berchtesgadener Land. Von einer Unfallhäufung könne man eher am Fuderheuberg sprechen, glaubt Goebel:  „Dort gab es heuer bereits drei große Einsätze“ Eine Frau verunglückte sogar tödlich. Und das, obwohl der Berg, der zum Staufenmassiv gehört, mit 1350 Metern  deutlich niedriger ist als der Hauptgipfel. „Aber deshalb unterschätzen den Fuderheuberg viele Wanderer“, erklärt Goebel. „Denn der Berg ist schließlich vollständig bewaldet, darum kann man sich leicht verlaufen“, weiß der Bergwacht-Pressesprecher. Zumal von den Hauptwanderwegen viele Jägerwege abzweigen, denen manch ein unerfahrener Wanderer folgt. „Viele verpassen dann,  rechtzeitig wieder umzukehren, und verlieren die Orientierung völlig“, weiß Goebel. Die niedrigere Höhe des Bergs verleite außerdem dazu, sich nicht mit dem richtigen Schuhwerk auf den Weg zu machen. Dabei seien die Wanderwege dort häufig von Laub bedeckt, auf dem man leicht ausrutschen könne.

So werden die Wege gewartet

So beliebt der Staufen ist: Reichenhalls DAV-Chef Robert Kern lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einen wuchtigen, felsigen Berg handelt. Entsprechend  anspruchsvoll seien grundsätzlich alle Zustiege auf den Reichenhaller Hausberg. „So gibt es auch am Normalweg von der Padinger Alm oberhalb der Waldgrenze Gehpassagen, bei denen Schwindelfreiheit erforderlich ist“, erklärt Kern.

Der Anstieg von Norden, aus Richtung Steineralm, werde von der DAV-Sektion Teisendorf unterhalten, der Pidinger Klettersteig von der Gemeinde Piding und die Zustiege von der Padinger Alm über die Bartlmahd Normalroute, über den Mittelstaufen, über den Blauen Steig von der Zwieselalm sowie über die Steinernen Jäger von der DAV-Sektion Bad Reichenhall. „Die DAV-Sektion Bad Reichenhall überprüft ihr 130 Kilometer umfassendes Wegenetz mehrmals im Jahr auf ihren ordnungsgemäßen Zustand und nimmt entsprechende Unterhaltsarbeiten vor“, erklärt Kern.

Dringend ab rät er ungeübten Bergsteigern von einer Begehung über  die Goldtropfwand. Diese Route  führt in Falllinie vom Gipfel durch die steile Südostflanke des Berges. „Der Weg durch die Goldtropfwand ist nicht markiert und wird nicht vom Alpenverein unterhalten“, erklärt Kern. „Entsprechend der Steilheit ist er steinschlaggefährdet. Auch vor dem Hintergrund, dass mittlerweile zahlreiche Berggeher mit Stöcken unterwegs sind und mit den Stöcken einen Steinschlag verursachen können.“ Grundsätzlich könne der Weg durch die Goldtropfwand zwar auch im Abstieg begangen werden. Ein ungebremster Sturz  in diesem steilen Gelände könne jedoch fatale Folgen haben, wie der Fall des abgestürzten Österreichers zeigte.

Nach zwei Unglücken am Staufen: Experten  über die Gründe – Unfallhäufung am Fuderheuberg

BAD REICHENHALL - Für Entsetzen in der Region haben gleich zwei tödliche Unfälle am Staufen innerhalb einer Woche gesorgt. Doch von einer „Unglücksserie“ am Reichenhaller Hausberg könne keine Rede sein, heißt es vonseiten der Bergwacht und des Roten Kreuzes. „Es ist natürlich schon so, dass der Staufen inzwischen ein großer  Mode-Berg ist“, erklärte Markus Leitner, Pressesprecher des Reichenhaller Roten Kreuzes. „Und durch die große Menge an Bergsteigern ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu Unglücksfällen kommt.“

Wie berichtet, stürzte ein 50-jähriger Österreicher am Wochenende nach Pfingsten an den „Steinernen Jagern“ am Staufen ab. Er wollte alleine über den Goldtropfsteig zur Padinger Alm absteigen und stürzte im oberen Bereich der Rinne auf 1485 Metern in den Tod. Dieses Wochenende dann die nächste Tragödie: Ein 65-Jähriger aus Zwiesel wollte mit zwei Freunden die Nacht auf Samstag im Reichenhaller Haus verbringen. Am späten Freitagabend trat er, nur in Strümpfen, noch einmal vor die Hütte und stürzte rund 15 Meter in die Tiefe. Dabei verletzte er sich so schwer am Kopf, dass Wiederbelebungsversuche erfolglos blieben. Ob auch Alkohol im Spiel war, darüber gibt es keine näheren Auskünfte. „Der Mann ist einfach unglücklich gestürzt, das hätte ihm im Tal genauso passieren können“,  glaubt Leitner. Doch dass es zur Gefahr werden kann, am Gipfel zu tief ins Glas zu schauen, daran besteht kein Zweifel.

An sich gilt der  Staufen unter Profis nicht als besonders gefährlicher Berg.  zumal die  Wege in gutem Zustand seien. So wurde der Normalweg zuletzt 2011 bei einer größeren Aktion instand gesetzt. Alle Wege werden zudem regelmäßig überprüft (siehe Kasten). „Die Saison hat ja erst begonnen, die beiden Unglücksfälle kurz hintereinander können also auch nur Zufall sein“, erklärte Marcus Goebel, Pressesprecher der Bergwacht Berchtesgadener Land. Von einer Unfallhäufung könne man eher am Fuderheuberg sprechen, glaubt Goebel:  „Dort gab es heuer bereits drei große Einsätze“ Eine Frau verunglückte sogar tödlich. Und das, obwohl der Berg, der zum Staufenmassiv gehört, mit 1350 Metern  deutlich niedriger ist als der Hauptgipfel. „Aber deshalb unterschätzen den Fuderheuberg viele Wanderer“, erklärt Goebel. „Denn der Berg ist schließlich vollständig bewaldet, darum kann man sich leicht verlaufen“, weiß der Bergwacht-Pressesprecher. Zumal von den Hauptwanderwegen viele Jägerwege abzweigen, denen manch ein unerfahrener Wanderer folgt. „Viele verpassen dann,  rechtzeitig wieder umzukehren, und verlieren die Orientierung völlig“, weiß Goebel. Die niedrigere Höhe des Bergs verleite außerdem dazu, sich nicht mit dem richtigen Schuhwerk auf den Weg zu machen. Dabei seien die Wanderwege dort häufig von Laub bedeckt, auf dem man leicht ausrutschen könne.

So werden die Wege gewartet

So beliebt der Staufen ist: Reichenhalls DAV-Chef Robert Kern lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einen wuchtigen, felsigen Berg handelt. Entsprechend  anspruchsvoll seien grundsätzlich alle Zustiege auf den Reichenhaller Hausberg. „So gibt es auch am Normalweg von der Padinger Alm oberhalb der Waldgrenze Gehpassagen, bei denen Schwindelfreiheit erforderlich ist“, erklärt Kern.

Der Anstieg von Norden, aus Richtung Steineralm, werde von der DAV-Sektion Teisendorf unterhalten, der Pidinger Klettersteig von der Gemeinde Piding und die Zustiege von der Padinger Alm über die Bartlmahd Normalroute, über den Mittelstaufen, über den Blauen Steig von der Zwieselalm sowie über die Steinernen Jäger von der DAV-Sektion Bad Reichenhall. „Die DAV-Sektion Bad Reichenhall überprüft ihr 130 Kilometer umfassendes Wegenetz mehrmals im Jahr auf ihren ordnungsgemäßen Zustand und nimmt entsprechende Unterhaltsarbeiten vor“, erklärt Kern.

Dringend ab rät er ungeübten Bergsteigern von einer Begehung über  die Goldtropfwand. Diese Route  führt in Falllinie vom Gipfel durch die steile Südostflanke des Berges. „Der Weg durch die Goldtropfwand ist nicht markiert und wird nicht vom Alpenverein unterhalten“, erklärt Kern. „Entsprechend der Steilheit ist er steinschlaggefährdet. Auch vor dem Hintergrund, dass mittlerweile zahlreiche Berggeher mit Stöcken unterwegs sind und mit den Stöcken einen Steinschlag verursachen können.“ Grundsätzlich könne der Weg durch die Goldtropfwand zwar auch im Abstieg begangen werden. Ein ungebremster Sturz  in diesem steilen Gelände könne jedoch fatale Folgen haben, wie der Fall des abgestürzten Österreichers zeigte.

Text von Johannes Geigenberger, Reichenhaller Tagblatt, Fotos von Markus Leitner

Autor: BW Rei N 04__2016

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