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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Donnerstag, 26. April 2018

"How to make good medicine in bad places"

Was medizinische Spezial-Einsatzkräfte der Bergwacht Bayern von militärischen Paramedics lernen können

Bad Tölz 19.04. "Stell dir vor, Du bist nach der Versorgung eines polytraumatisierten, intubierten Patienten im alpinen Gelände bereit zum Abtransport, aber der Hubschrauber kommt nicht..." Sehr schnell wurde den 11 Notärzten, Notfallsanitätern und Rettungsassistenten (überwiegend Mitglieder des Ressort Notfallmedizin der Bergwacht Bayern) bei Ihrem PFC-Training vom 18. bis zum 20. April im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) in Bad Tölz klar, wie eng alpine und militärische Szenarien beieinander liegen können: Die Ressourcen werden knapp und jede im medizinischen Alltag unzweifelhafte Entscheidung muss zuvor zusammen mit dem Einsatzleiter auch hinsichtlich taktischer Gesichtspunkte sorgfältig überdacht werden: "Reicht der Sauerstoff?" oder "Wie lange kann ich mit meinen verbliebenen Medikamenten noch Narkose machen?" sind nur zwei Beispiele für viele sich nun aufdrängende Fragen, die im Alltag deutscher Notärzte üblicherweise keine Rolle spielen.

Drei Tage lang wurden die medizinischen Spezialisten der Bergwacht Bayern von einsatzerfahrenen Soldaten der Firma PPA International intensiv auf solche "Prolonged Field Care (PFC)"-Szenarien vorbereitet. Am Ende des ersten Tages, in dem die wichtigsten PFC-Grundprinzipien, aber auch modernste Techniken von Wärmeerhalt und Blutstillung vermittelt wurden, erfolgte im Rahmen eines Kurzszenarios ein erster Kontakt zu den hyperrealistischen Simulationsmöglichkeiten des Ausbilderteams: ein schreiender, schockierter Patient mit einem Gewehr-Durchschuss des Beckens war zu versorgen. Hier wurde auch sehr schnell einer der wichtigsten und zeitkritischsten Grundsätze der Versorgung von Patienten, die die Akutphase einer schweren Verletzung überleben sollen, deutlich: "Stop the Bleeding".

 

Der zweite Tag stand ebenfalls ganz im Zeichen der High-Reality-Simulation. So wurden unter Einsatz der Hubschrauberzellen, der Kletterwände und des Höhlenbereichs des ZSA mehrere, auch bergrettungstechnisch immer komplexere und länger dauernde Fallbeispiele abgearbeitet, um abends gegen 20:00 Uhr in die Abschlussübung zu starten, die die Einsatzmannschaft beinahe 12 Stunden lang beschäftigen sollte. Als Szenario wurde in Anlehnung an einen echten Fall aus den Abruzzen ein Hotel gemeldet, das von einer Lawine komplett zerstört wurde und in dessen Keller noch Menschen vermisst würden. Das Team hatte 10 Minuten Zeit, sich zu sortieren, einen Einsatzleiter zu bestimmen und sich auszurüsten, bevor man sich terrestrisch zum Ort des Geschehens vorarbeitete. Schnell konnten vor Ort zwei stark blutende, polytraumatisierte Patienten gefunden und stabilisiert werden, aber aufgrund der anhaltenden Schlechtwetterlage war frühestens in 8 Stunden mit einer Evakuierung zu rechnen. Es folgte unter der Regie des Einsatzleiters der Stratgiewechsel von der akutmedizinischen Notfallversorgung in den Prolonged Field Care-Modus: Wärmeerhalt, Antibiotikatherapie, Ernährungsplanung, Verbandwechsel, Patientenlagerung, Volumenbilanzierung und Blasenkatheteranlagen gehörten ab sofort ebenso zu den Aufgaben der Notfallmediziner wie sorgfältige Dokumentation der medizinischen Maßnahmen und die Erfassung und Rationierung von Ausrüstungs-, Medikamenten-, Essens- und Trinkvorräten. Behandlungs- und Schlafplätze in einem als gesichert geltenden Kellerabschnitt wurden eingerichtet und die Patienten in zwei Schichten betreut. Komplikationen wie Krampfanfall oder Lungenembolie forderten die Teams, neben ihrem Kampf mit der (echten) Müdigkeit, extrem, bevor gegen 6 Uhr morgens die beiden "Patienten" lebend evakuiert werden konnten. Ein ausgiebiges Debriefing bei Kaffee und Brezen rundete dieses für alle unvergessliche und außerordentlich lehrreiche Teamerlebnis ab.

 

 

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