Bad Tölz - in den ersten drei Monaten dieses Jahres nutzten über 650 Einsatzleiter und die qualifizierten ergänzenden Besatzungsmitglieder für die Luftrettung die Trainingstermine im Bergwacht-Zentrum. Neben dem Standardtraining am Flugsimulator, Schwerpunkt waren die Gondelevakuierung und der der neue Bergrettungssack, setzen sie sich mit der Rettung von Personen aus Bäumen auseinander. Zudem erfolgte die Einweisung in das zertifizierte System zum Arbeiten mit Dyneema-Seilen und mit halbstatischen Seilen.
Über Jahrzehnte war das Stahlseil der Inbegriff für Bergrettung. Schwierige Handhabung, fehlendes Energieaufnahmevermögen und fehlende Redundanz bei der Stahlseiltechnik hat die Bergwacht Bayern bereits vor ca. 20 Jahren veranlasst auf ein Verfahren mit halbstatischen Seilen umzustellen. Die sinnvoll einsetzbare Seillänge war allerdings auf 200 m begrenzt. Mit der Dyneemaseiltechnik können nunmehr Strecken über mehrere hundert Meter sicher und schnell bewältigt werden. Das zertifizierte Dyneemaseilverfahren wurde bereits bei Rettungen mehrfach erfolgreich eingesetzt. Die Vorteile der neuen Rettungstechnik sind höhere Festigkeiten bei Gewichts- und Volumenreduzierung sowie eine Zulassung für vier Personen. Dyneema, der Markenname für eine hochfeste Polyethylen-Faser, entwickelt in 1980er Jahren, kommt in vielen Bereichen der Seiltechnik zum Einsatz. Durch die hohe Kältebeständigkeit werden Dyneemaseile auch beispielsweise für Experimente im Weltraum eingesetzt.
In den alpinen Bereichen kommen die Vorteile des Dyneemeaseils bei großen Abseillängen voll zum Tragen. In den Mittelgebirgen wird nach wie vor ein verbessertes Halbstatikseil zum Einsatz kommen. Eine Verschiebung des Seilmantels gegenüber dem Kern ist bei den neuen Halbstatikseilen durch die Verbindung von Kern und Mantel ausgeschlossen (Unicore Technik). Beide Seiltypen werden im Doppelstrang eingesetzt und mit der gleichen Sicherungstechnik hinsichtlich Aufbau und Bedienung angewendet, zwei Seiltypen ein System.
Das Konzept für die Rettung aus Bäumen ist aus den unterschiedlichen Erfahrungen im Rahmen der Einsatzleiterschulung entstanden. Es integriert Elemente aus des Seilbahnevakuierung und der Baumpflege. Auch hier kommt eine neue Seilentwicklung zum Einsatz. Das „Dynastat Seil“ erfüllt die Anforderungen an ein Halbstatikseil als auch als dynamisches Einfachseil. Der frei im Kern innenliegende Vectran-Faden reduziert bis zur einer Belastung von 5 KN die Seildehnung auf 2%. Diese Konstruktion ermöglicht den Einsatz zum einem als Sicherungsseil im Vorstieg, z.B. beim Aufstieg am Baum. Bei der Lastübernahme bzw. beim anschließenden Ablassen tritt kein Gummibandeffekt auf, da die verminderte Dehnung wie bei einem Halbstatikseil zur Wirkung kommt. Das „Dynastat Seil“ ist daher ideal als universelles Seil in der Bergrettung. Durch die Investitionen des Freistaats Bayern kann nunmehr der Austausch der Rettungseile vorgenommen werden. Allein für den alpinen Bereich sind hierzu über 30 Kilometer Seil notwendig.
Das System für die Rettung aus Bäumen bewährte sich erst vor kurzem bei Einsätzen. Die Bergwacht Steingaden-Peiting ermöglichte die Rettung eines verunglückten Fallschirmspringes im Baum, in Bad Reichenhall war es eine hilflose Katze. Die gesamte Thematik Gleitschirmunfall beschäftige die Bergretter im vergangen Jahr bei über 100 Einsätzen in Bayern.
Einsatz Bergwacht Steingaden-Peiting
Einsatz Bergwacht Bad Reichenhall






