Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

 

 

Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsatz-Archiv 2008 der Bergwacht Oberstaufen

Sommer-Rückblick 2008 der Staufner Bergwacht

45 Einsätze von Mai bis Oktober 2008

Zwischen Mai und Oktober 2008 rückte die Bergwacht 45 Mal zu Einsätzen im Staufner Berggebiet aus (2007: 40). Bei 21 Einsätzen wurde der Hubschrauber eingesetzt (2007: 19), wobei in den meisten Fällen Christoph 17 aus Kempten zur Verfügung stand. Bei 35 geretteten Personen handelte es sich um Wanderer, Mountain-Biker und Gleitschirmflieger waren es je zwei. Mit insgesamt 20 Einsätzen war der September der arbeitsintensivste Monat.

Los gings Anfang Mai mit einem verstiegenen Pärchen in der noch mit Schneefeldern bedeckten Brunnenau. Zwei Staufner Bergwächtler hievten die Unverletzten in den von Windböen geschüttelten Polizeihubschrauber. Kurz nach der Bergung zog ein Sturm auf und hätte eine langwierige Bergung zu Fuß bei Hagel und Gewitter erfordert.

Beim Abstieg vom Hochgrat wurden zweimal etwas betagtere Urlauberinnen mit Knöchelverletzungen versorgt und abtransportiert. War der Grund bei der einen Dame das hohe Alter mit weit über 70 Jahren, so war es bei der anderen die Halbschuhe mit glatten Sohlen! Ebenfalls mit Knöchelverletzungen wurden zwei Wanderer an verschiedenen Tagen auf dem steilen Wegstück oberhalb der Unterstieg-Alpe geborgen. Man beachte das Schuhwerk im Bild rechts!

Bergwacht Einsatzleiter und Alpgenosse Bernhard Wagner von der Alpe Simasgund war gefordert, als er auf seiner Alpe eine Person mit Verdacht auf Schlaganfall zu versorgen hatte. Mit dem Rettungshubschrauber Christoph 45 aus Friedrichshafen wurde der Patient nach Lindenberg geflogen.

Ein Berg-Radler (=Mountain-Biker) aus Kempten war bei der Abfahrt von der Alpe Eineneck zu schnell dran, kam auf einem nassen Weiderost ins Rutschen und stürzte auf den geteerten Alpweg. Seine Radkameraden verhielten sich vorbildlich, machten die Erstversorgung und setzten über Handy eine exakte Unfallmeldung ab. Mit schmerzhaften Oberarm- und Schulterverletzungen wurde er ins Krankenhaus Immenstadt transportiert. Ähnlich erging es einem Berg-Radler aus dem Westallgäu, der die Nordseite des Klammen „buckelnawärts“ (downhill) befahren wollte, was ihm jedoch nur teilweise gelang und ihm einen Flug mit Christoph 17 ins Immenstädter Krankenhaus bescherte.

Bei strömendem Regen und Nebel kam es auf dem Alpweg bei der Waltners Alpe zu einer dramatischen Reanimation nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand eines Wanderers. Bergwachtarzt „Dr. Mayer vu Dra“ und Staufner Bergwächtler eilten zur Unfallstelle, es regnete in Strömen, das Wasser floß unter den Helfern und dem Patienten hindurch. Rettungshubschrauber Christoph 17 konnte aufgrund des Nebels nicht bis zur Unfallstelle fliegen und mußte in Steibis zwischenlanden, die Steibinger Feuerwehr war da und das Rote Kreuz. Der Patient wurde unter laufender Reanimation ins Krankenhaus geflogen.

Leider nur noch tot konnte eine Person unterhalb der Salmaser Höhe geborgen werden. Bergwacht und Notarzt kamen gegen den Herzinfarkt nicht mehr an.

Das Wahl-Wochenende im September brachte nicht nur ein Erdbeben für die CSU, sondern auch viel Arbeit für Bergwacht Einsatzleiter Daniel Heim und seine Mannschaft. Insgesamt 8 Einsätze an zwei Tagen waren zu bewältigen, wobei allein viermal der Rettungshubschrauber Christoph 17 aus Kempten zum Einsatz kam. Knöchelfraktur am Hochgrat, Absturz am Falken, Kreislaufschwäche auf der Alpe Imberg, akuter Krampfanfall am Hochgrat Gipfel, Radsturz, Herzschwäche-Anfall …

Einsatzleiter Daniel Heim: „Beim Absturz über eine Felsnase am Falken hatte die Frau sehr großes Glück: der Aufprall nach einem 15 Meter-Sturz im steilen Grasgelände und mehrere Schutzengel gleichzeitig retteten ihr das Leben!“

Gemeinsam mit der Hochgratbahn befreite man einen Gleitschirmflieger aus seiner mißlichen Lage: Beim Landeanflug geriet er mit seinem Schirm in einen Baum und hing hilflos über der kalten Weissach. An der Salmaser Höhe stürzte ein Flugschüler beim Start ab und brach sich beide Unterschenkel. Im Zieher Bach kam es zu einer Tobelrettung, die dank tatkräftiger Mithilfe des Steibinger Alphirten Hermann Milz (im Bild rechts) ohne Probleme verlief. Im Eistobel war man diesen Sommer dreimal, was sich mit dem Winter zu insgesamt 5 Einsätzen summiert. Es ist immer wieder ein seltsames Gefühl, wenn die Bergwacht mit Blaulicht die Harbatshofer Steig hinunter fährt!

Eine äußerst realistische Alarmübung wurde zusammen mit der Feuerwehr Thalkirchdorf durchgeführt. Bergwachtausbilder Robert Kühnlein und Kommandant Gottfried Fink heckten einen inszenierten Autounfall in Schmieds Tobel aus. So mancher Bergwachtler und Feuerwehrmann glaubte bis kurz vor Schluß der Übung an einen Echteinsatz. Die Zusammenarbeit klappte hervorragend, wobei die Bergwächtler vorallem auf die große Halogenbeleuchtung der Feuerwehr neidisch wurden. Sie sind es gewohnt im Dunkeln nur mit ihrer Stirnlampe zu arbeiten, wobei diese allerdings in den Rucksack paßt!

Bergwacht Oberstaufen

Wanderer stolpert, stürzt über 15 Meter hohe Felsnase ab und schlägt in steilem Grashang auf.

Rettungshubschrauber Christoph 17 aus Kempten im Anflug an die Unfallstelle.

Am Bergetau hängt Bergwacht-Einsatzleiter Daniel Heim.

September 2008

.. kostet der Oberstaufner Bergwacht viel Zeit!

Drei Versionen eines Fahrrad-Unfalles :-)

Bergwacht Bericht: „Ein Bergradler (=Mountain-Biker) aus Kempten war bei der Abfahrt von der Alpe Eineneck zu schnell dran, kam auf einem nassen Weiderost ins Rutschen und stürzte auf den geteerten Alpweg. Mit schmerzhaften Oberarm- und Schulterverletzungen wurde er ins Krankenhaus Immenstadt transportiert.“

"Denglisch" für Mountain-Biker: „Mountain-Biker aus Kempten war beim Run von der Alpe Eineneck auf einem wet Texas Gate viel zu fast, slidete und crashte mit einem Flip auf den Trail. Bike okay, shoulder broken!“

Stammtisch Steibis/Allgäu: „Der Underländer-Radler isch kopfüberse uf dr Alpweag bocket, weil er z´gnot dra war ufm nass´e Rrrrrrt a dr Uineneck Jetz isch d´Schulter hi und er flacket im städtler Spitol!“

 

Ein besonderer Bergwacht-Einsatz

Alphirte Hermann Milz in Aktion an der Abseilstelle mit Einsatzleiter Markus Dick

Beim Abstieg von der Falkenhütte kam im September ein älteres Ehepaar vom Weg ab und wollte im Zieher Bach ins Tal absteigen. Nach einigen Rutschpartien über kleinere Wasserfälle und einem gescheiterten Versuch, das nasse und glitschige Tobel zu verlassen, klammerte sich die leicht verletzte 62-jährige Frau an einer Tanne fest und wollte keinen Schritt mehr weitergehen. Ihrem Ehemann gelang es an den Tobelrand zu gelangen und mit dem Handy die Rettungsleitselle zu alarmieren.

„Abgestürzte Person im Zieher-Bach“ lautete die Unfallmeldung. Die genaue Lokalisierung gestaltete sich für die Bergwächtler zunächst etwas schwierig, da die Ortsangabe nur sehr vage war. Bei der Anfahrt zum vermuteten Unfallort trat dann aber eine glückliche Wendung ein: mit großen Gesten winkend stand ein Mann in Lederhosen, Hut mit Gamsbart sowie Bergstock am Hang. Es war Alphirte Hermann Milz von der Alpe Laubgund im Ehrenschwanger Tal, im Winter Skilehrer und schon so bei manchem Bergwacht-Einsatz dabei. Bei einem Ausflug zu seinem Nachbarhirten entdeckte er zufällig den Ehemann der Verunglückten, welcher per Handy bereits die Unfallmeldung abgesetzt hatte. Sofort inspizierte er die Unfallstelle und schaute sich mögliche Rettungswege an, lief der Bergwacht entgegen und führte die Retter mit sicherem Hirten-Orientierungssinn zielgenau zum Unfallort.

„Den Bergwacht-Karre ruckwärts hindre fahre, nochher z´Fuß under der Danne dur und übern Hag num, do flacket´se im Ba dunda“ waren seine klaren Anweisungen im Allgäuer Dialekt.

Auf dem Anmarsch erklärte er seine bereits ausgetüftelte Rettungsstrategie inclusive einer Alternative, sodaß die Bergwächtler am Unfallort angekommen nur noch die passende Variante wählen mußten.

Mit dem Bergwacht-Rettungsgurt und einem Seil konnte die Frau sicher aus dem 20 Meter tiefen, steilen Tobel geborgen werden.

Hermann, vielen Dank für deine tatkräftige Unterstützung!

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum