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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Die Philosophie des Ersthelfers

Bereits seit der Gründung der Bergwacht Bayrischzell im Jahr 1923 wurde auf Grund der geographischen Exposition immer wieder die Bergwacht zu allgemeinen Not- und Krankheitsfällen auch im Tal herangezogen. Über die Jahrzehnte bewährt entstand dann in den 60er und 70er Jahren aus der Bergwacht heraus sogar eine eigene Rot Kreuz Kolonne mit einem in Bayrischzell stationiertem Krankenwagen.

Ende der 70er Jahre wurde diese Entwicklung eingestellt- das neue Rettungs- und Notarztsystem wurde installiert. Die Idee dahinter war eine Optimierung der medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung. Die Folge war zwangsläufig eine Zentralisierung der notfallmedizinischen Ressourcen. Die Peripherie unserer ländlichen Region war dadurch klarbenachteiligt.

In den Folgejahren wurde die Bergwacht in den Bereichen der Gemeinden Bayrischzell und Fischbachau zu Notfällen auf Straßen, am Arbeitsplatz oder im häuslichen Millieu als Erstversorger alarmiert. Nachdem unsere Region auch als Ferien- oder Ausflugsdestination immer stärker frequentiert wurde, stiegen die Einsatzzahlen für die Bergwacht stark an. Bis zur Jahrtausendwende bewegten sich die jährlichen Einsatzzahlen der Bergwacht Bayrischzell- Fischbachau je nach Witterungsverlauf bei ca. 100 bis 150 p.a. In den Jahren seit 1998 werden jährlich zwischen 300 und 500 Patienten versorgt.

Dieser signifikante Anstieg führte zu kritischen Situationen beim Abarbeiten der entsprechenden Einsatzmeldungen. Die für eine originäre Bergrettungsarbeit vorgehaltene Ausrüstung und das entsprechende Fahrzeug waren in einem Taleinsatz gebunden- wurden aber gleichzeitig für einen Einsatz am Berg benötigt. Auch wusste die Rettungsleitstelle, dass die Bergwachtler an Wochenenden und Feiertagen für die Koordination der Bergrettungsarbeit in der Region die Rettungswache in Bayrischzell besetzen. Immer häufiger wurde auch diese Besatzung um Hilfe gebeten. Im Jahr 1998 entstand eigentlich nach Ersuchen der Rettungsleitstelle der Gedanke, diese Form der erweiterten Ersten Hilfe zu organisieren und auf eigene Beine zu stellen.

Zwölf Bergwachtler aus unseren Heimatgemeinden erklärten sich bereit, sich besonders in den Nachtstunden und an Wochenenden, wo die größte Lücke in der öffentlich- rechtlichen Vorhaltung klafft, einen zusätzlichen Dienst zu versehen. Der Ersthelfer vor Ort in Bayrischzell und Fischbachau war geboren! Wegen der oben beschriebenen Einsatzüberschneidungen musste zusätzliche Ausrüstung und vor allem ein Fahrzeug beschafft werden.

Eine fatale Situation- nachdem wir für unsere Bergwachtarbeit schon zu mindestens einem Drittel auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen sind, hatten wir keinerlei Mittel für den neuen Dienst. Qualifizierte Ausbildung und entsprechender Versicherungsschutz waren durch die Bergwacht Bayern sichergestellt.

Erfreulicherweise kristallisierten sich aus der Bevölkerung ein Paar sehr engagierte Personen und gründeten um die noch heute Vorsitzende Frau Ute Waller den Förderverein Ersthelfer vor Ort Bayrischzell- Fischbachau. So waren die Betriebskosten und die Versicherungskosten für das erste, aus einem Nachlass stammende Fahrzeug gesichert. Das damals bereits neun Jahre alte Fahrzeug wurde in Eigenleistung umgebaut und für Rettungszwecke entsprechend ausgestattet. Nach vier Jahren Laufzeit musste dieses Fahrzeug aus technischen Gründen stillgelegt werden. Wieder waren es die Mitglieder des Fördervereins, die durch eine Haussammlung die Grundlage für ein weiteres, neues Fahrzeug geschaffen haben. Für den Kaufpreis von DM 6000.- wurde ein gebrauchtes Fahrzeug angeschafft. Wieder erfolgte der Umbau und die Ausstattung des jetzt allradgetriebenen Autos in Eigenregie.

In den zehn Jahren wurden rund tausend Patienten von den Ersthelfern versorgt. Das Einsatzspektrum war dabei breit gefächert. Die gesamte Palette medizinischer Notfälle wurde abgearbeitet. Häusliche Notfälle, Verkehrsunfälle akute Erkrankungen usw. Dabei geht es im Wesentlichen um die Stabilisierung der zum Teil akut lebensbedrohlichen Zustände bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und des Notarztes. Die hier zu überbrückende Hilfsfrist ist sehr verschieden lang. Je nach Witterung oder allgemeinem Einsatzaufkommen entsteht hier ein deutlicher Zeitvorsprung. Es kommt vor, dass Rettungsmittel aus dem Tegernseer Tal, aus Holzkirchen oder aus dem Aiblinger Raum zu uns kommen um unsere Patienten zu übernehmen. Entsprechend lange sind dann die Anfahrtszeiten. Zu der eigentlichen Versorgung sind auch noch andere Aufgaben gekommen. Oft bleibt vor Allem bei älteren Mitbürgern ein Partner alleine zurück, wenn der Ehemann oder die Ehefrau ins Krankenhaus kommt. Hier verbleibt der Ersthelfer vor Ort und unterstützt die oft mit dieser Situation überforderten Mitbürger bei den nächsten Schritten. Auch bei Veranstaltungen in unseren Gemeinden wird der Ersthelfer als Sanitätsdienst gerne nachgefragt.

Im Dezember 2007 wurde auch unser zweites Fahrzeug anlässlich eines TÜV Termins stillgelegt. Eine Reparatur wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in Frage gekommen. Für die anstehenden Feiertage wurde uns mit einem Fahrzeug von der Fa. Kathan ausgeholfen. Das Jahr 2008 konnten wir mehr schlecht als recht mit einem kleinen Jeep der Bergwacht überbrücken. Hier begann eine einjährige Odyssee- ein Jahr, ausgefüllt mit Bitten um Unterstützung und dem Versuch die eigenen Weggefährten immer wieder neu zu motivieren um trotz der schwierigen Verhältnisse eine Versorgung aufrecht zu erhalten.

Zum Jahresende hin waren die Bergwachtler verständlicherweise ob der ausweglosen Situation stark frustriert und es bestand die Gefahr, dass diese Ohnmacht auch auf die originäre Bergwachtarbeit projiziert wurde. Schweren Herzens mussten wir den Dienst bezeichnender Weise zum zehnjährigen Jubiläum bei den verantwortlichen Stellen kündigen. Die Hürde eines neuen Fahrzeuges war auch für den sonst so rührigen Förderverein viel zu hoch.

Erschwerend kommt hinzu, dass ab 01.01.09 die Novellierung des BayRdG die Aufgabe der Bergwacht Bayern deutlich erweitert. Auch die Erstversorgung ist darin festgehalten. Eine finanzielle Unterstützung im Zuge der Subsidiarität ist aber nicht zu erwarten. Außerdem wurde eine Strukturänderung in der Bergwacht Bayern eingeleitet, die den Einsatzbereich der Bergwacht Bayrischzell- Fischbachau erweitert und so festschreibt. Daraus resultiert auch die neue Bezeichnung „Bergwacht Leitzachtal“, die sich mittlerweile etabliert.

Nachdem der Fischbachauer Bürgermeister, Herr Lechner, von unserem Desaster erfuhr, keimte doch noch Hoffnung auf. Er erkundigte sich umfassend und bat um ein Paar Tage Zeit. Noch vor Ablauf seiner sich selbst gestellten Frist erreichte uns die freudige Nachricht:

Es geht weiter!

Ein Gespräch mit dem Direktor des Vorstandes der Sparkasse Miesbach- Tegernsee, Herrn Bromme , leitete die Wende ein. Herr Bromme ließ sich unsere Probleme schildern und reagierte sofort. Die Sparkasse Miesbach- Tegernsee stellt uns ein Fahrzeug zur Verfügung. Dass es sich dabei um ein fast neues, von Typ und Ausstattung her für unsere Zwecke ideal geeignetes Auto handelt macht die große Freude komplett.

 

Als sich diese Nachricht in der Bereitschaft verbreitete, war nicht nur große Erleichterung zu verspüren, sondern auch ein Motivationsschub, der ein Weiterführen der Versorgung unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger sicherstellt.

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