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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Die Chronik der Bergwacht Bamberg

Auf dieser Seite ist die Geschichte der Bergwacht Bamberg seit 1928 zusammengetragen.

1928 - 1945

Gründung und Hüttenbau im Klettergarten

Am 01.05.1928 gründet der Wunderburger Malermeister Hans "Giebel" Kratz mit vier weiteren Berg- und Wintersportlern, Bernhard Heger, Georg Rascher, Franz Gut und Hans Eichelsdörfer eine Bergwachtgruppe in Bamberg und treten der damaligen Bergwacht-Abteilung Nordbayern bei. Dies ist die Geburtsstunde der Bergwacht in Bamberg.

Die Führung der Bergwacht Bamberg um 1933: 3.v.l. Hans Kratz, 5.v.l. Andreas Herzog

Anlass waren die Zustände, die nach dem 1. Weltkrieg, am Vorabend der Weltwirtschaftskrise eingerissen sind: Gedankenlosigkeit, Raubbau und Vandalismus haben der einzigartigen Natur des Frankenjura arg zugesetzt. Dem wollen die Naturschützer der ersten Stunde nicht tatenlos zusehen und folgen dem Beispiel von Fritz Berger, der acht Jahre zuvor aus den gleichen Gründen die Bergwacht in München aus der Taufe gehoben hat.

Bald wird die junge Bergwachtgruppe auch durch die rasante Zunahme des Kletter- und Skisports im Frankenjura und den damit verbundenen Unfällen gefordert. Um den Aufgaben gerecht werden zu können, muss personell eine breitere Basis gefunden werden.

Im Mai 1931 kann dann im "Maiselbräu-Stübla" die Bergwacht-Ortsgruppe Bamberg gegründet werden. Leiter wird Hans Kratz, Adolf Prell vom Alpenverein wird Stellvertreter. Studienprofessor Röhrl übernimmt den Natur- und Pflanzenschutz, Sepp Schwarzmann den Sanitäts- und Rettungsdienst. Zehn Vereine erklären ihren Beitritt.

1932 hat der Touristenclub "Bayrisch Zell" mit dem Bau einer Hütte im Frankendorfer Klettergarten begonnen. 1933 wird der Verein aus politischen Gründen von den NS-Machthabern aufgelöst, die Hütte im Rohbaustadium der SA zur Verfügung gestellt. Nachdem die Hütte 1935 völlig heruntergewirtschaftet ist, kann die Bergwacht der Bayer. Staatsregierung für 350,- RM die Hütte abkaufen.

Die Mitglieder der Ortsgruppe, darunter viele ehemalige Bayerisch Zeller, wie Ali Herzog und die Brüder Müller, bauen in der Folge die Hütte als Rettungsstützpunkt für das stark frequentierte Kletter- und Wandergebiet aus: Die erste Bergwachthütte im Frankenjura.

1935: li. oben Winterdienst v.l. Konrad Brehm, Hans Döring, ?, Fritz Döring, li. unten und rechts: Rettungsübung in Burglesau

1945 - 1961

Wiederaufbau nach dem Krieg

Mit dem Auftrag der US-Behörden an Münchens Oberbürgermeister Scharnagel, das Rote Kreuz wieder aufzubauen, beginnt für die Bergwacht in Bayern der Neuanfang nach dem Krieg, nun als Gemeinschaft des Roten Kreuzes. Auch in Bamberg geht es für die Bergwacht wieder los, als der "Giebel" Ende 1945 aus Kriegsgefangenschaft heimkehrt und die Leitung von Studienprofessor Röhrl wieder übernimmt, der die Bergwacht während der Kriegsjahre geführt hat. Ein Neubeginn allerdings ohne Gründungsmitglied Bernhard Heger, der im Krieg gefallen ist.

Doch schon im Jahr darauf droht neues Ungemach, als ein ehemaliger "Bayrisch Zeller" beim Amt für Wiedergutmachung die Rückgabe der Hütte in Frankendorf beantragt. Während die Bergwachtstellen in Nürnberg und München mit den alliierten Stellen nichts zu tun haben wollen, kämpft der "Giebel" um die Hütte. Mit der Eisenbahn fährt er ins Amerikanische Hauptquartier nach Heidelberg. Die Verhandlungen dort und die Tatsache, dass die meisten "Bayrisch Zeller" inzwischen bei der Bergwacht ihre Heimat gefunden haben und nicht daran denken, die "Bayrisch Zeller" neu zu gründen, sichern der Bergwacht ihre Hütte.

1950: Hans Döring mit siner Winde

Der Wiederaufbau kann weitergehen. Der Schlossermeister Hans Döring konstruiert, baut und verbessert ständig Rettungsgeräte. Seine zerlegbare Stahlseilwinde - die erste im Frankenjura - und der erste Leichtmetallakja der Bereitschaft sind von 1949 an viele Jahre im Einsatz und werden heute als echte Museumsstücke hoch in Ehren gehalten.

Der Klettersport nimmt einen steilen Aufschwung und infolge dessen und der schlechten Ausrüstung steigen die Unfallzahlen. 1951 verzeichnet die Bergwacht Bamberg 125 Hilfeleistungen, 1954 sind nach schweren Kletterunfällen an einem Wochenende allein in Frankendorf drei Abtransporte durchzuführen. Deshalb wird mit den neuen Geräten und Methoden fleißig geübt.

Die Spitzenseilschaft der Bamberger Bergwacht in den 50er Jahren sind Richard Alt und Karl Reinwald. Sie begehen die Civetta Nordwest-Wand, die Sass Maor Ost-Wand, die Westl. Zinne Nord-Wand und weitere der damaligen absoluten Top-Touren

Auch im Naturschutz stehen die Bergwachtler nach dem Krieg vor großen Herausvorderungen. Der Raub geschützter Pflanzen zum Zwecke des Verkaufs nimmt wieder bedrohliche Ausmaße an. Neben der Streifentätigkeit in der Natur werden daher auch regelmäßig Kontrollgänge auf dem Bamberger Wochenmarkt durchgeführt.

Übung 1949 am Walberla - mit dem weißen Stirnband: Willi Geus
Übung 1950 an den Rifflern - v.l. "Ali" Herzog, Sepp Schwarzmann, Wiggerl Gramminger, ?, Hans "Giebel" Kratz, Hans Döring

1952 gibt der "Giebel" die Bereitschaftsleitung an Sepp Schwarzmann ab und widmet sich verstärkt dem Pflanzenschutz. Stellvertreter wird Willi Geus, Ausbildungsleiter Theo Müller. Drei Jahre später übernimmt Rudi Hübner (Fotograf) die Bereitschaftsleitung mit Fritz Riedl als Stellvetreter. Letzterer ruft einen Brauch ins Leben, der bis heute gepflegt wird: Das Pressack-Rennen. Für diese interne Skimeisterschaft an den Hängen oberhalb von Stübig sind als Preise den Erfordernissen der Nachkriegszeit entsprechend Naturalien ausgelobt. Ein Pressack für den Ersten und ein Laib Brot für den Zweiten werden vom Gasthaus Hollfelder (heute Storath) gestiftet, den dritten Preis, einen Kasten Bier stellt die Bergwacht. Unnötig zu erwähnen, dass alle Preise traditionsgemäß gemeinsam vertilgt werden. 1958 wird Fritz Riedl dann Bereitschaftsleiter, Georg "Gockl" Schwind wird Stellvertreter.

1961 - 1975

Gedeihlicher Auf- und Ausbau

1961 wird Willi Geus Bereitschaftsleiter, Georg "Gockel" Schwind bleibt Stellvertreter. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt dem Problem der Unterbringung des Bergwacht-Postens im stark frequentierten Würgauer Klettergebiet.

Die Mitglieder des "TWC Edelweiß Bamberg" vor dem "Edelweißhaus" (Postkarte von etwa 1928)

Der Dienst war zuvor zeitweise auf dem Würgauer Haus des AV Bamberg, der privaten Heldenhain-Hütte und zuletzt in einem aufgelassenen Waschhaus in Würgau untergebracht. Mit dem alten Kellerhaus der Brauerei Hartmann findet man endlich ein eigenes und dazu herrlich gelegenes Domizil in Würgau, das die Familie Hartmann der Bergwacht unentgeltlich zur Nutzung überlässt. Das Häuschen hat bereits eine "alpine" Vergangenheit. Vor dem Krieg hatte es dem "TWC Edelweiß Bamberg" (gegründet 1924) als Unterkunft gedient.

Nun waren wieder Arbeitseinsätze angesagt, um das Kellerhäuschen den Bedürfnissen eines Bergwacht- Dienstpostens anzupassen. Am 1. Juli 1962 kann die Bereitschaft ihre neue Unterkunft feierlich einweihen.

Neben der Besetzung der drei Sommer-Dienstposten (Frankendorf, Würgau und Stübig) und der Betreuung der drei Skihänge (Roßdach, Burglesau und Friesener Warte) nimmt die Bergwacht Bamberg weitere sanitätsdienstliche Aufgaben wahr: Die Betreuung der Wintersportzüge ins Fichtelgebirge, von Skirennen, des ADAC Ellerbergrennens, der Zwei-Sender-Wanderung des AV Bamberg ...

Die Naturschutzarbeit wird bei all den Aktivitäten nicht vernachlässigt. Neben dem Streifendienst werden Lichtbildervorträge gehalten, Tafeln und Plakate angebracht und Handzettel verteilt. Der Einsatz lohnt sich, denn die Bestände der geschützten Flora haben sich vielerorts wieder erholt. Auch die bekannteste, einheimische Orchidee, der Frauenschuh, ist wieder auf dem Bamberger Jura anzutreffen.

Honoratioren bei der 40-Jahr Feier 1968: v.l. Andreas "Ali" Herzog, Hans "Giebel" Kratz, BRK Vorsitzender Oberregierungsmedizinalrat a.D. Dr. Gustav Reinhard, Karl Hübner, Hans Döring, Otto Müller

Am 14.12.1968 feiert die Bereitschaft ihr 40-jähriges Bestehen im BRK Kolonnenheim am Markusplatz. Nur sechs Wochen später stehen wieder Wahlen auf der Tagesordnung. Willi Geus wird wieder Bereitschaftsleiter, für den gesundheitlich stark angeschlagenen Georg "Gockel" Schwind wird Rudi "Knorzn" Hübner (nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter mit Beinamen "Photograph", der die Bereitschaft Mitte der 50er Jahre geführt hatte) Stellvertreter.

Da es auch um die Gesundheit von Willi Geus nicht mehr zum besten bestellt ist, führt Rudi "Knorzn" Hübner bald die Geschicke der Bereitschaft. Vor der Bereitschaft steht eine große Herausforderung: Das Dienstzimmer im Gasthof Storath (ehemals Hollfelder) in Stübig soll durch eine eigene Hütte ersetzt werden. Pläne, eine Hütte oberhalb von Stübig zu errichten, scheitern am Widerstand der Gemeinde Stübig. Außerdem sind die Stübiger Türme als Klettergebiet etwas aus der Mode gekommen. Im benachbarten Burglesau jedoch boomt das Klettern. Mit Hilfe des BRK-Kreisverbands Bamberg, der den Grund und Boden erwirbt, wird das Unternehmen in Angriff genommen. Bis Ende 1971 liegen alle Genehmigungen vor und es kann unter der Regie von Bauleiter Erhard Gropp losgelegt werden.

Zunächst trifft die Bereitschaft jedoch ein harter Schlag: Karl Reinwald, einer der leistungsfähigsten Kletterer der Bereitschaft stürzt am 07.01.1972 nach einer Winterbegehung des Stüdlgrates am Großglockner im Abstieg tödlich ab.

Über zwei Jahre Mittelpunkt des Bereitschaftslebens: Der Hüttenbau in Burglesau

Ende des Jahres, am 08. Dezember, stehen wieder Wahlen an. Rudi "Knorzn" Hübner übernimmt die Bereitschaftsleitung, Fritz Riedl rückt als Stellvertreter nach. Im Mittelpunkt stehen jedoch nach wie vor die Bauarbeiten an der Hütte in Burglesau. Doch am 22. September ist es dann endlich soweit: Nach mehr als zweijähriger Bauzeit kann die neue Hütte mit einer dreitägigen Feier eingeweiht und in Betrieb genommen werden.

Seit 1975 werden auch die Mittelgebirgsabschnitte am Hubschrauber ausgebildet. Bei der Großübung im Bamberger Hafen anläßlich des Rot-Kreuz-Helfertages am 05.10.1975 führen aber noch externe Kräfte die Windenbergung vor. Viel Prominenz, darunter Bundespräsident Walter Scheel und Ministerpräsident Alfons Goppel beobachtet die Übung. Die Bamberger haben aber mit der Übung am Boden, einer Ausstellung im Freizeitwerk und der Vorbereitung der Bergwacht Landesausschuss-Sitzung im Sternla alle Hände voll zu tun. 1975 kann die Bereitschaft auch ihr erstes offizielles Dienstfahrzeug, einen VW-Bus, in Betrieb nehmen.

1975 - 1997

Moderne Zeiten

Der "Giebel" wird von Abschnittsleiter Staudinger für 50 Jahre Bergwachtdienst geehrt

Ausbildungsleiter Manfred (Manner) Schramm und Gerätewart Schorsch Reinfelder sind die ersten Bamberger Bergwachtler, die 1976 an einem Hubschrauberlehrgang mit der Bell-UH 1D der Bundeswehr in Mittenwald teilnehmen können. Im Februar 1978 steht prompt der erste Hubschraubereinsatz der Bereitschaft an, als es gilt einen schwer verletzten Skifahrer an der Friesener Warte zu retten.

Im selben Jahr feiert die Bereitschaft ihr 50-jähriges Bestehen. Mit einem Festkommers im Harmoniesaal und einem Hüttenfest am nächsten Tag in Burglesau wird das Jubiläum begangen. 50 Jahre Bergwacht Bamberg bedeuten natürlich auch 50 Jahre Bergwachtdienst für Hans "Giebel" Kratz.

1981 übernimmt der langjährige Kassier Fritz Ernst die Bereitschaftsleitung von Rudi "Knorzn" Hübner, Stellvertreter bleibt Fritz Riedl. Eine der ersten Amtshandlungen von Fritz Ernst erfolgt aus einem traurigen Anlass: Am 02.11.1981 verstirbt der Gründer der Bergwacht Bamberg, Hans Kratz, genannt "der Giebel", im Alter von 77 Jahren und wird von seiner Bereitschaft unter großer Anteilnahme auf seinem letzten Weg begleitet.
Die Hütte in Burglesau wird ihm zu Ehren fortan seinen Namen tragen.

1985 übernimmt wiederum Rudi "Knorzn" Hübner das Ruder der Bereitschaft, Stellvertreter wird Fritz Ernst. Zunächst muss das 50-jährige Jubiläum der Klettergarten-Hütte vorbereitet werden. Bei herrlichem Wetter wird das Fest mit allem Drum und Dran gefeiert: Bergmesse, Blasmusik, Alphornbläser, Hubschrauber-Vorführung, ...
Im Mittelpunkt steht Andreas "Ali" Herzog, mit Theo Müller der letzte aus der Vorkriegs-Generation. 40 Jahre (von 1937 bis 1977) war er Hüttenwart auf der Jubiläumshütte, außerdem zehn Jahre Rettungsausbilder (1955 - 1965). Für seine Verdienste wird ihm die Ehrenmitglidschaft der Bayerischen Bergwacht verliehen.

Es steht gut um die Bereitschaft. Besonders der alpine Ausbildungsstand ist enorm. Im Juli des Jahres durchsteigen Theo Dremel und Sepp Greif, neben dem Duo Manner Schramm / Franz Schmitt, die Top-Seilschaft der Bereitschaft, den Walker-Pfeiler an den Grandes-Jorasses. Die Bereitschaft betreibt drei Diensthütten, ist seit dem Winter 1985/86 über Funkmeldeempfänger alarmierbar und erhält 1986 ein neues Einsatzfahrzeug, einen VW T2 Synchro, der über 20 Jahre treue Dienste leisten wird. Dennoch hat die Bereitschaft Sorgen: Der Nachwuchs bleibt aus!

Seit Anfang der 60er Jahre tröpfeln die Neueintritte nur noch und die stark vertretenen Jahrgänge der nach dem Krieg eingetretenen gehen auf die 60 zu. Es wird z.B. bei Aktionstagen von Schulen kräftig die Werbetrommel gerührt und die Maßnahmen scheinen zu greifen, denn Anfanf der 90er-Jahre hat die Bereitschaft wieder lebhaften Zulauf. 1992 wird zur Betreuung der neuen Bergwachtler das Amt des Jugendreferenten mit Michl Junge neu belebt.

1993 zieht sich der Knorzn als Bereitschaftsleiter zurück. Er meint, 20 Jahre Vorstand zu sein bei einer so aktiven und zuweilen auch rauen Bergsteigergemeinschaft seien genug, zudem sei ein Generatinswechsel fällig. Bereitschaftsleiter wird Michl Junge, der Stellvertreter bleibt Fritz Ernst.

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