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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Chronik der Bergwacht Unterammergau

Deckblatt des 1. Protokollbuchs

Erste Anfänge

Bereits im Jahre 1926 wurde in Unterammergau eine freiwillige Sanitätsgruppe gebildet. Leider existiert nur eine Aufzeichnung über die Gründung mit den Mitgliedern sowie deren Beitritt zur Sanitätskolonne Oberammergau am 02. Januar 1927. Unterlagen über weitere Aktivitäten sind nicht erhalten.

Gründung nach dem Krieg

Im Jahre 1945 wurde dann "die Bergwacht Gruppe Unterammergau ... von jungen Bergfreunden nach den schweren Kriegsjahren ... ins Leben gerufen". Folgende Namen erscheinen im Bericht zur Gründung: Hans Hautmann ("Tölzer Hans"), Ludwig Schretter ("Gassala Luwa"), Sepp Speer ("Oberschaffer Sepp"), Andreas Schärfl ("Tölzer Andr"), Sepp Erhardt ("Schneiderla Sepp"), Franz Hiergeist und Paul Mitterer. Die 7 Gründungsmitglieder und bald weitere Kameraden gehörten als selbständig arbeitender Zug der Bergwachtbereischaft Obermmergau an. Am 23. Juli 1946 bekamen die frischgebackenen Bergwachtkameraden ihre Ausweise ausgehändigt. Bereits im ersten Dienstwinter 1946/47 waren 5 Rettungseinsätze durchzuführen.

Gründungsprotokoll vom 23. April 1946

Im Verlauf des Jahres 1953 wurde mit einem Erweiterungbau an der Langentalhütte, welche im Sommer vom Viehhirten benutzt wurde, im Winter leer stand, der erste "alpine" Stützpunkt geschaffen. In insgesamt 1100 Arbeitsstunden erbauten die nunmehr 14 Mitglieder eine Diensthütte mit dem Ziel, Rettungseinsätze im Pürschlinggebiet schneller und effizienter leisten zu können. 1958 löste die Gemeinde Unterammergau ihr Versprechen ein und baute der Bergwacht ein "Gerätehaus", um dort Rettungsgerät aufbewahren,aber auch Schulungen durchführen zu hönnen. Damit war nunmehr auch im Tal die Möglichkeit gegeben, die vorhandenen Geräte unterzubringen und vernünftig Unterricht zu halten.

1960 sind erstmals Dienstgemeinschaften mit Kameraden aus den Bereitschaften Murnau und Weilheim erwähnt. In diese Zeit fällt auch der erste Hubschraubereinsatz für die Bergwacht Unterammergau, als ein verletzter Skifahrer vom Stützpunkt im Langental zum Kreiskrankenhaus nach Garmisch-Partenkirchen geflogen wurde!

Im Winter 1963/64 ging in Unterammergau der Skilift am Steckenberg in Betrieb. Für die Bergwachtgruppe bedeutete dies natürlich eine Mehrbelastung, da jetzt neben dem Pürschlinggebiet auch der Skibetrieb am Lift zu betreuen war. Um den Dienstbetrieb dort zu optimieren, wurde 1968 der Bau einer Diensthütte dort in Angriff genommen. Die nur 18-köpfige Bergwachtgruppe errichtete in 1362 Arbeitsstunden die Hütte, unter Einsatz fast der neben Dienst und Übungen noch zur Verfügung stehenden Freizeit. Zum Materialtransport vom Tal zum Bauplatz wurde ein ausgedienter VW-Käfer so umgebaut, daß er als Antrieb für eine Seilbahn benutzt werden konnte.

20 Aktive und 4 Anwärter war die Bilanz des Schriftführerberichts 1971. Die Gruppe bemühte sich nun, den Zusammenschluß mit der Bereitschaft Oberammergau zu lösen und eine eigene Bereitschaft zu werden, was natürlich nicht ganz ohne Probleme über die Bühne ging. Schließlich am 07. Dez. 1972 wurde die eigenständige Bergwacht-Bereitschaft Unterammergau mit dem Bereitschaftsleiter Nikolaus Luttenbacher ("Kloser Nik") gegründet.

Als erstes Fahrzeug konnte 1974 ein von der Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen ausgemusterter Geländewagen Typ Volvo in Dienst gestellt werden. Er sollte noch viele Jahre, bis 1982, Material und Leute zu Übungen und Einsätzen befördern. Eine weitere, fast noch wichtigere Errungenschaft kam ebenfalls 1974 dazu: Die Diensthütte am Hausberg Unterammergaus, dem Pürschling. Der damalige Jagdpächter Curt Zechbauer räumte der Bergwacht Unterammergau das Vorkaufsrecht für die bereits nach dem ersten Weltkrieg erbaute "Gamshütte" am Pürschling ein. Mit vereinten, auch finanziellen Kräften des Referats, des Abschnitts Hochland, der Bereitschaften Murnau, Weilheim und natürlich Unterammergau konnte das Gebäude erworben werden. Am 15. September 1974 wurde unsere "neue" Diensthütte eingeweiht und ihrem neuen Gebrauch übergeben.

Im Sommer 1978 wurde auf der Sonnenspitze zwischen Kofel und Pürschling ein Gipfelkreuz aufgestellt. "Der Ostler Anderl hat's gestiftet, der Fuß Hartl hat's gmacht und die Bergwacht Unterammergau hat's aufgestellt" ist auf einer Tafel des Kreuzes zu lesen.

Der Zahn der Zeit nagte immer stärker an unserem heißgeliebten "Volvo", schließlich mußte ein neues Fahrzeug angeschafft werden: Am 1. August 1982 wurde ein geländegängiges "Nobelgefährt" der Marke Mercedes, als Jahreswagen erworben und für die Belange der Bergwacht umgerüstet, seiner Bestimmung übergeben.

1986 brachte ein spektakulärer Einsatz die Bereitschaft ins Gespräch: im März (!) wollten zwei Männer zu Pferd auf den Pürschling. Die vorhandene Schneemenge veranlaßte einen der beiden zur Umkehr; der andere versuchte es trotzdem. In Höhe der Signalköpfe (gut 3/4 des Wegs), kam sein Pferd ins Straucheln und stürzte nach rechts ein Stück den Hang hinunter. Beim Sturz wurde der Reiter vom Pferd erdrückt, beim Eintreffen der Bergwacht konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Das Pferd stand verstört, doch unverletzt einige Meter unterhalb. Alle Versuch, das Pferd nach oben zurück auf den Weg zu bringen, scheiterten; erst bei einbrechender Dunkelheit gelang es, das Tier hinunter auf die zum Glück hartgefrorene Skiabfahrt zu  bringen und schließlich weiter ins Tal zu führen.

Auf der Hauptversammlung 1988 beschloß die Bereitschaft, die Diensthütte im Langental aufzugeben und an die Almbauern abzugeben. Nachdem die Gamshütte am Pürschling zur Verfügung stand, wurde sie von uns kaum mehr genutzt, während entsprechend der Vereinbarung mit den Almbauern sämtliche Instandsetzungsarbeiten von der Bergwacht auszuführen waren. Gegen eine Ablösung für die Einrichtung wurde damit das Kapitel Langtalhütte abgeschlossen.

Der Abschnittslauf der Bergwacht 1989 wurde von der Bereitschaft Unterammergau ausgerichtet. Ein Föhneinbruch raffte den letzten Schnee an den Steckenbergliften dahin, doch unsere Kameraden aus Garmisch-Partenkirchen halfen uns aus der Patsche: Das Rennen wurde auf die Kandaharstrecke verlegt, die Siegerehrung wurde wie geplant in Unterammergau vorgenommen. Schließlich konnten wir nicht nur einen gelunges Skirennen feiern, sondern unser Team um Oldie Werner Blieninger belegte den 11. Platz, während man sonst nur selten einen Rang unter den ersten 20 erreichte! Unser Bürgermeister Anton Speer ließ es sich hierauf nicht nehmen, den Pokal mit sage und schreibe 3 Flaschen Sekt zu füllen. Ergebnis: eine lange Nacht und der Bürgermeister mußte beim Wirt Schulden machen.

Eine Großübung mit der Freiwilligen Feuerwehr Unterammergau, wobei ein Flugzeugabsturz im steilen Waldgelände mit brennenden Wrakteilen angenommen wurde, zeigte die gute Zusammenarbeit zwischen den Organisationen. Die nachfolgende Manöverkritik mit Brotzeit ließ auch den kameradschaftlichen Teil nicht zu kurz kommen.

Im Februar 1991 ereignete sich der erste Lawinenunfall mit Personenschaden im Dienstgebiet der Bergwacht Unterammergau. Im "Steigaibla" unterhalb des Teufelstättkopf löste ein Skibergsteiger eine Lawine aus und wurde fast vollständig verschüttet. Bereitschaftsleiter Alwin Delago von der Nachbarbereitschaft Oberammergau beobachtete zufällig den Unfall und verständigte per Funk unsere Dienstgruppe auf der Gamshütte. Die anschließende Rettung des Verunfallten, welcher sich einen offenen Unterschenkelbruch zugezogen hatte, konnte unter Mithilfe eines SAR-Hubschraubers erfolgreich durchgeführt werden.

Das Jahr 1992 wartete wieder mit 2 Großereignissen auf: Am letzten Wochenende im September organisierte man einen "Tag der offenen Tür", um das renovierte Gerätehaus einzuweihen und bei dieser Gelegenheit der Bevölkerung einen Einblick in Aufgaben und Arbeit der Bergwacht zu geben. Gerne hätten wir dabei auch das neue Geländefahrzeug in Dienst genommen, aber das mußte noch bis November warten. Die zweite Großveranstaltung schließlich war die Durchführung des Schafkopfturniers der Bayrischen Bergwacht. Am 07. November traten 428 Teilnehmer an; die Unterammergauer Bergwachtler hatten rund ums Ammergauer Haus in Oberammergau, wo aus Platzgründen das Turnier abgehalten wurde, alle Hände voll zu tun. Die Veranstaltung mündete in eine lange Nacht, welche für einige Kameraden im Unterammergauer Bergwachthaus endete. Als Transportmöglichkeit boten wir einen Shuttle-Service an, so daß keiner in nicht mehr fahrtüchtigem Zustand sein Auto lenken mußte.

Im Herbst 1993 lud die Gemeinde zu einem Gepräch bezüglich der Lawinensituation am Weg zum Pürschling ein. Von den in einem Gutachten des Amtes für Wasserwirtschaft vorgeschlagenen Lösungen war nur eine realisierbar: die Bildung einer Lawinenkommision und Sperrung des Weges bei Bedarf. Natürlich war hier auch die Bergwacht gefragt, sich mit erfahrenen Männern zu beteiligen.

Das Frühjahr 1994 brachte gleich zwei ungewöhnliche Einsätze: Im März, bei noch erheblicher Schneelage, waren zwei Bergsteiger auf dem Weg vom Brunnenkopf zum Pürschling vom (großteils unter Schnee verborgenen) Steig abgekommen. Bergwachtmänner von Ober- und Unterammergau machten sich auf die Suche, auch die Grenzpolizei in Linderhof war beteiligt. Nach einigen Stunden, Mitternacht war bereits vorüber, konnte Rufkontakt hergestellt werden; eine genaue Ortung war jedoch aufgrund der Dunkelheit zunächst nicht möglich. Erst als die Gesuchten auf Zuruf ihre Hüttenschlafsäcke anzündeten, konnte man zu Ihnen vordringen und sie über eine Felswand abseilend in Sicherheit bringen. Am 01. Mai wurde ein Bergsteiger auf dem Teufelstättkopf vom Blitz getroffen und sank bewußtlos zu Boden. Aufgrund der Witterungsverhältnisse war kein Hubschraubereinsatz möglich, der über 100kg schwere Mann mußte mittels Gebirgstrage zum Pürschling getragen werden, von wo er dann per Fahrzeug ins Tal gebracht werden konnte. Er überlebte den Blitzschlag ohne größere Schäden.

Die bisherige Garage unseres Geländefahrzeugs mußte 1999 einer Zufahrtstraße für ein Baugebiet weichen. Da sie mit der Zeit eh schon zu klein geworden war, entschied man sich zum Neubau einer Garage anstatt die alte Fertiggarage zu versetzen. Fast alle notwendigen Arbeiten wurden in 628 Stunden Eigenleistung erbracht, bei der Materialbeschaffung bekamen wir kräftige Unterstützung von der Gemeinde und vielen ortsansässigen Betrieben. Schließlich konnte das Bauwerk am 06. Mai 2000 mit einer kleinen Feierstunde, zu der natürlich alle Helfer und Sponsoren eingeladen waren, eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Um dem Nachwuchsproblem beizukommen, entschloß sich die Bereitschaft Unterammergau im Frühjahr 2000 zur Gründung einer Jugendgruppe. Hier sollten 11- bis 14-jährige Jungen und Mädchen für die Arbeit der Bergwacht interessiert werden und, so hoffte man, sich im Verlauf der Zeit einige Anwärter daraus rekrutieren. Das Echo war überwältigend, über 20 Jugendliche meldeten sich nach einem Informationsabend.


Die Bereitschaftsleiter der Bergwacht Unterammergau

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