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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Chronik der Bereitschaft

Rückblick

Ein Dokument über die Gründung des Gebirgs-Unfalldienstes war nicht aufzufinden. Sowohl nach mündlichen Berichten als auch nach Protokollbücher, alten Zeitungs- und Vereinsberichten erfolgte die Gründung in den Jahren 1925 bis 1927. Offensichtlich hatte Sanitätsrat Dr. Gazert beim Aufbau Schwierigkeiten und musste behutsam vorgehen. 1927 bestand jedoch bereits der Gebirgs-Unfalldienst als feste Organisation.

1925    In Garmisch leitete Herr Dillis die Rettungsstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins. Postoberinspektor Markus Wolf übernahm als Geschäftsführer die Rettungsleitstelle in Partenkirchen. Diese beiden Stellen waren für Berg-Rettung zuständig. Ihr unterstanden für Rettungseinsätze die hiesigen Bergführer. Zu größeren Einsätzen wurden auch bergbeübte Einheimische beigezogen.
Der Skisport fand immer begeisterte Anfänger, so dass die Bergführer auch als Skilehrer immer mehr beschäftigt waren. Dr. Gazert suchte sich Mitarbeiter für den Gebirgs-Unfalldienst.

1926    Durch die Inbetriebnahme der Kreuzeckbahn am 26. Mai und der Österreichischen Zugspitzbahn (Obermoos - Kammhotel) im Juli wurden die begeisterten Bergwanderer bei uns immer mehr und auch die Skiläufer nahmen zu.
Bei den hiesigen Bergsteigern und Bergführer warb Sanitätsrat Dr. Gazert für seine Idee. Zwei Auszüge aus Protokollbüchern:
    "Auf Anregung von Sanitätsrat Dr. Gazert beteiligten sich Hauptlehrer Barmsteiner als Vorstand der alpinen Rettungsstelle in Partenkirchen, und Herr Lampersberger als Mitglied der Bergsteigergruppe in Deisenhofen bei einer Rettungsübung der Münchner Bergwacht.
Eine gleichartige Übung wurde einige Wochen später in der Nagelfluhwand beim Herrgottsschrofen abgehalten, die von zahlreichen hiesigen Bergsteigern, Bergwacht- und Sanitäts-Mitgliedern besucht wurde. Die Sektion dankte dem Übungsleiter und den Teilnehmer für die Durchführung dieser wertvollen alpinen Aufgabe."
    "1. August 1926. Auf Anregung des Sanitätsrates Dr. Gazert hielten wir nachmittags eine Rettungsübung im alpinen Gelände der Faukenschlucht ab, an der die Führer Anton Rieger, Sepp Bergkofer, Dr. Gazert, ich und Lehrer Salisko sowie acht junge Leute aus Partenkirchen teilnahmen. Die Übung fiel zur größten Zufriedenheit Dr. Gazert aus"
In Wamberg waren zufällig fünf Männer mit Dr. Gazert zusammengekommen und hatten über das Rettungswesen im Gebirge gesprochen. Aus Begeisterung bauten sie gleich eine Schneehöhle.
Der Gebirgs-Unfalldienst nahm feste Formen an. Am Kreuzeck, Hausberg und auf der Zugspitze wurden bereits Skistreifen durchgeführt.

1927     Auszug aus dem Jahresbericht der hiesigen Alpenverein-Sektion, aus dem das unermüdliche Wirken von Sanitätsrat Dr. Gazert hervorgeht.
"Auf Veranlassung und unter Leitung von Sanitätsrat Dr. Gazert vereinigte sich eine größere Zahl von Mitgliedern der Bergsteigergruppe und der Skiabteilung zu einem alpinen Rettungskurs, der in einem theoretischen Lehrkurs und in praktischen Übungen bestanden, bei denen die modernen Methoden des Abtransportes Verunglückter aus hochalpinen Gelände durchgeprobt und geübt wurden. Wer sich klar zu machen vermag, wie oft ein Hochtourist in die Lage kommen kann, bei alpinen Unglücksfällen helfend und rettend einzugreifen, und wie wertvoll es ist, schon vor Eintreffen der organisierten Rettungsexpedition zweckvolle Maßnahmen zu ergreifen, der wird auch ermessen können, welches Verdienst sich Herr Sanitätsrat Dr. Gazert um die alpine Sache erworben hat. Und dafür sei ihm auch der Dank an dieser Stelle abgestattet."
Im Herbst setzte sich im Hotel Wittelsbach, bei der sportbegeisterten Familie Reiser, Sanitätsrat Dr. Gazert mit seinen Mitarbeitern aus dem Kreise der Bergführer, der Alpenverein-Sektion, den Sanitätskolonnen, der Naturfreunde und der Ski-Clubs zusammen, um den organisatorischen Rahmen des Gebirgs-Unfalldienstes festzulegen. Um Mitglieder zu gewinnen wurde mit den Vorstandschaften der genannten Organisationen Verbindung  aufgenommen.
Leider konnten nicht alle Namen derer ermittelt werden, die beim Aufbau mitwirkt hatten. Einige sind bekannt: Josef Bergkofer, Karl Reindl, Anton Reindl, Anton Berwein, Anton Rieger, Josef Wörnle, Mathias Kuhn, Michael Braun, Wilhelm Göhring, H. Dillis, Markus Wolf, Karl Wegner, Bertl Pflugmacher, Dir. Blümel, Ludwig Barnsteiner, Dr. Heinrich, Paul Klein, Gebrüder Salisko, Emil Bonn, Konrad Brumann, Mathias Dengg, Hans Huber, Sepp Kratzmair, Lampersberger, Sepp Lechner, Georg Leismüller, Hans Reiser, Hans Wanninger, und viele andere.
Zunächst war der Gebirgs-Unfalldienst nur im Winter eingesetzt. Im Sommer wurden die GUD-Mitglieder auch von der Alpinen Rettungsstelle für Bergrettungen abgefordert.

1928    Der Gebirgs-Unfalldienst hatte bereits fünfzig Mitglieder. Die Ausbildung wurde in der ersten Zeit im Haus von Sanitätsrat Dr. Gazert und später in verschiedenen Schulen durchgeführt. In den Wintermonaten wurden am Kreuzeck, Wank, Knorrhütte, Krottenkopf und Eckbauer sonntags Posten besetzen.
Erst mal wurde der jungen Rettungsorganisation von der hiesigen Alpenverein-Sektion ein Zuschuss von 150 Reichsmark gegeben. Auch die Bergwacht München stellte in der Hauptverkehrszeit ihre Mannschaft am Kreuzeck über die Sonn- Feiertage zu Rettungszwecken zur Verfügung.
Die Alpine Rettungsstelle Partenkirchen  führte in diesem Jahr zehn Transporte, zwei Totenbergungen und drei Vermisstensuchen durch, wobei besonders die Bergung des Johann Neidecker aus der Hochwanner-Nordwand und die mehrtägige Vermisstensuche nach Dr. Kemp im Krottenkopfgebiet erwähnenswert sind.

1929    Der "Werdenfelser Anzeiger" berichtet:
"Der 20-jährige August Findel aus München, ein bekannt guter Kletterer, unternahm mit seinem Freund eine Besteigung der Nordostwand des Ostgipfels der Dreitorspitze. Diese Route gilt als sehr schwierig und ist, soweit bekannt, erst einmal begangen worden. An einer besonders schweren Stelle wollte Findel einen Mauerhaken einschlagen, da löste sich ein mehrere Zentner schwerer Felsblock und riss Findel mit... Als äußerst unangenehm machte sich hier wieder das Fehlen einer Telefonverbindung zur Meilerhütte bemerkbar... Es wäre wirklich an der Zeit, einen so wichtigen Punkt, wie die Meilerhütte, mit einer Telefonstelle zu versehen."
Am Schachentor wurde am 24. Februar der Partenkirchner Martin Schwab das Opfer einer Lawine. Im Oberreintal- und Meilerhüttengebiet mussten sechs Verletzte und fünf Tote geborgen werden. Beim Bau der Zugspitz-Zahnradbahn war am 5. Dezember ein Stollenbrand ausgebrochen. Bei Föhnsturm wurden zahlreiche Bauarbeiter aus dem Fels geholt.

1930    Im Alpenvereins-Jahresbericht ist vermerkt:
"Dem Gebirgs-Unfalldienst vom Roten Kreuz, unter Führung des Sanitätsrat Dr. Gazert, dessen Mannschaft samstags und sonntags auch unsere Berghäuser besetzt, wurde ein größerer Unterstützungsbetrag zugewiesen."

Der "Loisachbote" berichtet:
"Grainau, den 10. Juni 1930. Bei den Knappenhäusern sie der Herr trotz Abratens einiger Arbeiter einen anderen Weg gegangen... Der Vermisste ist von zwei Führern unterhalb der Knappenhäuser als Leiche gefunden worden... Ohne Zweifel ist jugendlicher Leichtsinn die Ursache des Unfalls."

Flugzeug vermisst
Am 5. September teilte das Bezirksamt Garmisch mit, dass die Leiche des in den Krüner Bergen mit seinem Flugzeug verunglückten österreichischen Verkehrsflieger Major Stojsavljevic am Hohen Klaffen beim Krottenkopf in der Nähe seiner zertrümmerten Maschine von Hans Neuner (Gschwandt) und Schöttl (Schlattan) aufgefunden wurde. Nach Lage der gefundenen Reste des Flugzeugs dürfte der Apparat im dichten Nebel gegen die Bergwand geflogen sein... Major Stojsavljevic hatte sich besonders um die Verproviantierung von hochgelegenen Berghütten verdient gemacht.

Hilferufe von der Mittagsscharte
Am Sonntag, den 14 September, wurden um 10 Uhr abends in Obergrainau Hilferufe aus der Gegend der Mittagscharte gehört. Obmann Johann Ostler war mit den Führern aufgebrochen... Wegen der Nacht und des schlechten Wetters biwakierten sie. Beim Morgengrauen sind sie zu dem schwer erreichbaren Platz auf der Südseite abgestiegen. Unter Verwendung von Mauerhacken und 80 Meter Seil ist es ihnen nach schwerer Arbeit gelungen, die fünf Touristen zu bergen. Erst in der nächsten Nacht kamen sie nach Grainau zurück.

1931    Im Protokoll der Alpinen Rettungsstelle stand, dass in diesem Jahre ungewöhnlich viele Vermisstensuchen nämlich neun durchgeführt wurden. Außerdem sieben Totenbergungen und fünf Verletztentransporte.
Eine Lawine hatte am 15. Februar am Hirschbichelkopf Johann Becker aus Garmisch getötet.
Der Gebirgs-Unfalldienst wurde bei einem Lawinenunglück am Hirschberg bei Ohlstadt eingesetzt. Nach schwieriger Sucharbeit fanden Josef Deuschl und Mathias Kuhn zwei verschüttete Skiläufer in der Lawine. Dr. Gazert und Dr. Glatz, Murnau, konnten nur mehr den Tod des Peter Andre  und des Georg Mederer feststellen.

Flug des Professors Piquard von Augsburg
Erhöhte Alarmbereitschaft hatte das Bezirksamt Garmisch angeordnet, weil der Ballon auf das Wettersteingebirge zugetrieben wurde. Gegen20 Uhr änderte er die Richtung und verschwand in Richtung Seefeld.
Vom untern Kirchturm holten der Bergführer Willi Leiner und Franz Fischer in  schwerer Arbeit einen Verstiegenen zur Angerhütte herunter.
Der 18 jährige Leonhard Deuschl (zum Kanda) aus Partenkirchen hatte am 30. August allein die Nordwand des Kleinen Wanner bestiegen, wobei er tödlich abstürzte. An der Suche und der Bergung haben sich Willi Leiner, Mäkl, Karl Reindl, Matthias Kuhn, Heinrich Gröbl, Martin Neuner, Josef Zwerger, Johann Zwerger, Liggi Kleisl, Josef Deuschl, Johann Rieger, Bernhard Bader, Andreas Lidl, Josef Kratzmair und Josef Heiß beteiligt.
Am 25. Oktober wurde eine Übung der Gebirgs-Unfalldienstes in den Steinbrüchen an der Münchner Straße unter Leitung von Sanitätsrat Dr. Gazert abgehalten, an der sich viele junge Burschen aus Partenkirchen beteiligt hatten.
Zugspitzwirt Anselm Barth tödlich abgestürzt.
So unfassbar war die Nachricht, die am 8. Dezember durch den Ort eilte, dass ihr zunächst niemand Glauben schenken wollte. Und doch war es eine traurige Wahrheit... Seine Führerkameraden brachten seine Leiche mit einem Sonderwagen der Bayerischen Zugspitzbahn zu Tal.
Aus dem Jahrbuch der Sektion Garmisch-Partenkirchen
"Dem Gebirgs-Unfalldienst wurde wieder eine Beihilfe von 200 Reichsmark zugewiesen.
Durch neuerliche Vereinbarung mit der Bergwacht in München ist eine räumliche Teilung des hier zu betreuenden Berggebiets festgesetzt worden, wodurch das Kreuzeck- Alpspitzgebiet Arbeitsbereich der Bergwacht und das Zugspitz-, Dreitorspitz-, Wank- und Krottenkopfgebiet Unfallbereich für den Gebirgs-Unfalldienst ist."

1932   Alpine Rettungsstelle
"Eine Vermisstensuche wurde am 1. Februar nach zwei Skifahrer am Kreuzeck, Münchnerhaus, Knorrhütte, Wankhaus und so weiter durchgeführt... Um21:30 Uhr kam die Mitteilung der Münchner Bergwacht, dass beiden froh vergnügt im Zillertal sitzen und wegen Geltmangel nicht nach Hause fahren können."

Unglaubliche Rohheit, beschrieben im Loisachboten
"Beim Abstieg von der Hochalm ins Reintal stürzte eine Dame über eine kleine Felswand ab und blieb blutüberströmt mit zahlreichen Verletzungen liegen. Die Stelle befand sich etwa acht Meter unterhalb des Weges. Sie hatte das Bewusstsein nicht verloren und sah nach einiger Zeit einen Herren und eine Dame den Steig herabkommen. Die Verletzte rief um Hilfe, wurde zweifellos auch gesehen und gehört, denn während der Herr weiterging, hielt die Dame an, eilte dann ihrem Begleiter nach und sprach auf ihn ein. Die Verunglückte sah noch, wie der Mann den Kopf schüttelte, dann verschwanden sie auf Nimmerwiedersehen. Die beiden heilten es nicht einmal für angebracht, Meldung zu machen... Glücklicherweise wurde die Verunglückte von einem anderen Touristen gefunden, der die Bergung veranlasste, sonst wäre sie vielleicht elend zugrunde gegangen.

"Werdenfelser Anzeiger": Abstürze im Dreitorspitzgebiet!
In den letzten Tagen haben sich im Dreitorspitzgebiet drei schwere Touristenunfälle ereignet, die drei Todesopfer forderten.
Am Einstieg zum Westgipfel der Dreitorspitze wurde die Leiche des Kaplans Peter Pohnen gefunden, der die Überschreitung zum Mittelgipfel machen wollte.
... Alle drei Waren durch das Seil gesichert. An der Ostflanke des ersten Turms brach Brill ein Griff aus und er stürzte zwanzig Meter tief ab. Er hatte schwere innere Verletzungen erlitten und starb in den Armen seiner erschütternden Freunde.

Jahrbuch der Alpenvereins-Sektion Garmisch-Partenkirchen
 "Eine Anzahl von geschulten Leuten stellte sich dem Gebirgs-Unfalldienst vom Roten Kreuz zur Verfügung."
Von der Alpinen Rettungsstelle mussten vierzehn Tote geborgen, sowie fünf Vermisstensuchen und drei Verletztentransporte durchgeführt werden.

1933 "Der Loisachbote"
"Einiges Aufsehen erregte am Montag das Erscheinen eines Flugzeugs, das den Waxensteinkamm umflog, über dem Bahnhofsplatz mehrere Schleifen zog und schließlich neben dem Postamt eine Tasche mit rot-gelber Schleife abwarf, in der  sich die Meldung befand: Zwei Bergsteiger wohlbehalten am Gipfel des Großen Waxenstein, sonst nichts beobachten können, die ganzen Nordwände genau abgesucht." Der Anlass war eine Vermisstensuche nach einem Münchner Touristen."

Alpine Rettungsstelle
"... Der hier als Skiläufer und Kletterer bestens bekannte Franz Fischer aus München von Bergklub "Hochempor" ist in der Südostwand des Kleinen Kirchturms 40 Meter abgerutscht... Hans Maurer (Glosserhansl) stieg sofort zur Unfallstelle auf und verband  Fischer, der drei Rippenbrüche, erhebliche Verletzungen an Kopf, Händen und Füßen erlitten hatte... " 

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