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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

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Freitag, 28. April 2017

Dr. Klaus Burger ist neuer Leiter der Bergwacht-Region Chiemgau

Thomas Lobensteiner als Stellvertreter gewählt – Lob und Anerkennung für bisherige Regionalchefs Thomas Küblbeck und Engelbert Mayer

BERCHTESGADENER LAND/LANDKREIS TRAUNSTEIN/ALTÖTTING (ml) – Dr. Klaus Burger aus Bad Reichenhall ist am Donnerstagabend im Reichenhaller Bergwachthaus von allen 15 Bergwacht-Bereitschaftsleitern aus den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und Altötting einstimmig zum neuen Chiemgauer Regionalleiter gewählt worden; Burger war bisher Leiter der Reichenhaller Bergwacht. Sein neuer Stellvertreter als Regionalchef ist Thomas Lobensteiner aus Siegsdorf; bisher langjähriger Bereitschafts- und Ausbildungsleiter in Traunstein. Die bisherigen Regionalleiter Thomas Küblbeck (Marktschellenberg) und Engelbert Mayer (Inzell) kandierten nicht mehr und erhielten viel Anerkennung für ihr außergewöhnliches, jahrelanges ehrenamtliches Engagement an der Spitze der Bergwacht-Region. Als bewährte Revisoren wurden Marcus Goebel aus Bad Reichenhall und Franz Polzer aus Berchtesgaden einstimmig im Amt bestätigt.

Bei der Jahreshauptversammlung der Bergwacht-Region trafen sich die 15 Bereitschaftsleiter und ihre Stellvertreter mit den Verantwortlichen für die einzelnen Fachbereiche wie Einsatzleitung, Ausbildung, Technik, Kommunikation, Personal, Alpine Notfallmedizin, Krisenintervention, Lawinenhundestaffel, Canyon-Rettung, Höhlenrettung und Naturschutz. Der scheidende Regionalleiter Thomas Küblbeck gab einen beindruckenden Überblick seiner zu Ende gehenden zwölfjährigen Amtszeit und zog ein positives Resümee. Sein Dank galt vor allem seinem Stellvertreter Engelbert Mayer aus Inzell und seinen hauptamtlichen Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, Ludwig Lang, David Pichler und Sandra Abfalter. Lang präsentierte den Geschäftsbericht 2016 der Bergwacht Chiemgau; der stellvertretende Landesleiter der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, informierte über vergangenen Aktivitäten auf Landesebene, und die Verantwortlichen der einzelnen Fachbereiche berichteten über die Ressort-Aktivitäten des letzten Jahres.

Die 15 Bergwachten der Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Altötting sind organisatorisch in der Bergwacht-Region Chiemgau zusammengefasst. Zusammen mit den Regionen Hochland und Allgäu sichert sie den gesamten bayerischen Alpenraum rettungsdienstlich ab. Zu den Bereitschaften in der Region Chiemgau gehören aktuell rund 550 aktive Einsatzkräfte, die im vergangenen Jahr zu 926 Einsätzen, darunter auch der Bergung von 22 Bergtoten, ausrücken mussten. Die Region verfügt wegen der vielfältigen Aufgaben, beispielsweise der Sommer- und Winter-Sichtungen und Prüfungen aller Anwärter über eine eigene hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle im Bergwachthaus Bad Reichenhall, in der mit Ludwig Lang, David Pichler und Sandra Abfalter drei Mitarbeiter tätig sind und die Regionalleitung unterstützen. „Die Bergwacht Bayern ist mit den drei Ebenen Landesleitung, Regionen und Bereitschaften sehr kosten- und personalsparend organisiert. Alle Aufgaben werden, mit Ausnahme weniger hauptamtlicher Mitarbeiter, fast ausschließlich von ehrenamtlichen Bergrettern übernommen“, erklärt der neue Regionalleiter Dr. Burger. Dr. Burger einstimmig von allen 15 Bergwachten gewählt
Die 15 Bereitschaftsleiter sprachen dem Reichenhaller Dr. Burger einstimmig ihr Vertrauen aus und wählten den Siegsdorfer Thomas Lobensteiner zum stellvertretenden Regionalleiter. Dies entsprach dem Wunsch Burgers, der sich im Vorfeld bereits dafür stark gemacht hatte, mit Lobensteiner als Team die Region zu leiten. Damit ist auch die paritätische Besetzung der Regionalleitung mit je einem Vertreter aus dem Berchtesgadener Land und dem Landkreis Traunstein gewahrt. Die anspruchsvollen und zeitintensiven Arbeiten der Revision übernehmen wieder Marcus Goebel aus Bad Reichenhall und Franz Polzer aus Berchtesgaden. Zusätzlich sind die Vertreter der Bergwacht Chiemgau im Vorstand des Roten Kreuzes Berchtesgadener Land und Traunstein bestimmt worden. Für das  das Berchtesgadener Land bleibt Helmut Lutz im Amt; Sabine Aschauer von der Bergwacht Teisendorf-Anger ist neu bestimmt, für Traunstein sind   Dr. Christian Krammer aus Bergen und Bruno Mayer aus Inzell gewählt.

Dr. Klaus Burger war unter anderem Ministerialbeamter in München und ist aktuell Direktor des Amtsgerichts im Berchtesgadener Land. Thomas Lobensteiner ist beruflich Leiter des Trainingszentrums der Bundespolizei auf Kühroint am Watzmann und staatlich geprüfter Polizeiberg- und Skiführer. Burger engagiert sich seit vielen Jahren in der Bergwacht, ist aktiver Retter und Flugretter mit zahlreichen Einsätzen und bestellter Einsatzleiter mit Erfahrung auch bei Großschadensereignissen wie Waldbränden, Hochwasser oder dem Riesending-Höhleneinsatz am Untersberg. Zuletzt war er Leiter der Bergwacht Bad Reichenhall, wobei er mit seinem Team trotz schwieriger Rahmenbedingungen den Neubau der Bergrettungswache realisierte. Burger ist auch erster Vorsitzender des Deutschen Gutachterkreises für Alpinunfälle und alpine Ausrüstung.

Burger betonte, dass er sich vor sehr vielen Jahren überhaupt nicht als studierter Jurist für das Engagement in der Bergwacht entschieden hatte, sondern als begeisterter Alpinist, der in den Bergen der Welt unterwegs war und viele Besteigungen und Durchsteigungen aufweisen kann – trotzdem ist er heute überregional bei dem alpinen Verbänden vor allem aufgrund seines rechtlichen Fachwissens und seiner Erfahrung als Experte geschätzt und gefragt. „Die juristische Argumentation ist mir in der Bergwacht aber eigentlich eher lästig, auch wenn sie langfristig oftmals zielführender ist und den Ehrenamtlichen wirkliche Handlungssicherheit verschafft“, gesteht Burger, der als Bergsteiger aber vor allem die Freiheit liebt. Als Jurist hat er mit seinen zahlreichen internationalen Publikationen und Vorträgen im Alpenraum Maßstäbe in der alpinen Führungs- und Einsatzverantwortung gesetzt, insbesondere zum Thema „Eigenverantwortliche Selbstgefährdung“. In der Region sind die Symposien zur alpinen Sicherheit bekannt, die er maßgeblich initiiert und mit der Bundeswehr, der Polizei und der Stadt Bad Reichenhall mit gestaltet hatte.

Thomas Lobensteiner ist ebenfalls seit Jahren in der Bergwacht sehr engagiert und war in den letzten Jahren Ausbildungsleiter und Leiter der Bergwacht Traunstein. „Thomas hat außerordentlich gute Arbeit in Traunstein geleistet“, lobte Burger bereits im Vorfeld der Wahl und nannte beispielhaft den dortigen Kriseninterventionsdienst (KID), die Kerosinanhänger-Dienste für die  Hubschrauber im Einsatzfall und den Technikbus der Region, der zunehmend eine bedeutende Stellung im Einsatzgeschehen mit den Aufgaben Kommunikation, Lokalisation und Lagedarstellung übernimmt. Lobensteiner ist Ausbilder im Lehrteam der Bergwacht Bayern für Einsatzleiter und Groß- und Katastrophenlagen und Mitglied im Fachbeirat Gebirgsluftrettung der Bergwacht Bayern.

Vordringliche Aufgabe der neuen Regionalleitung ist es, sich umgehend mit den Bereitschaftsleitern über die Personalbesetzung der einzelnen, durch die neue Bergwacht-Ordnung festgelegten Ressorts zu besprechen und sodann eine Priorisierung der anstehenden Aufgaben in der Regionalleitung vorzunehmen. Gedacht ist bereits, eine Koordinierungsgruppe für sehr komplexe Einsätze auf Regionalebene vorzuhalten und sich mit den Aufgaben der Bergwacht im Waldbrandeinsatz  zu befassen.

Viel Lob für den scheidenden Regionalleiter
Burgers erste Aufgabe bestand darin, die scheidende Regionalleitung zu verabschieden und insbesondere die herausragenden Verdienste seines Vorgängers Thomas Küblbeck zu würdigen, der von 1993 bis 2009 Bereitschaftsleiter der Bergwacht Marktschellenberg war und zwölf Jahre lang, von 2005 bis 2017 das Amt des Regionalleiters bekleidete, und auch in dieser Zeit die Canyon-Rettungsgruppe Chiemgau (CRG) mit begründet hatte: „Dein gesellschaftliches Engagement ist vorbildhaft und wir ziehen mit großem Respekt den Hut vor Deinem Einsatz und Deiner Standhaftigkeit. Ein Führungsamt verleiht, das wissen wir alle, nicht nur frohe und gesellige Stunden, es fordert ständig und ist mithin manchmal auch Last. Wir alle zollen Dir, Thomas, höchsten Respekt für Deine große Leidenschaft und Deine Identifikation mit dem Bergrettungswesen. Besonders beeindruckend habe ich Dich persönlich am 2. Januar 2006 kennengelernt, als wir nach dem Einsturz der Eishalle und dem Lawinenunglück am Schrecksattel um Mitternacht betroffen und völlig verstört im damaligen Stüberl der Bergwacht Reichenhall zusammensaßen und Du uns allen Respekt gezollt und Mut ausgesprochen hast. Ich bin mir sicher, dass Deine Verdienste noch an höherer Stelle gewürdigt werden, weshalb Du mir gestattest, hier auf eine abschließende Laudatio zu verzichten. In steter Erinnerung wird auch bleiben, dass du den Höhleneinsatz Riesending angenommen und als erster Einsatzleiter tätig warst.“

„Engelbert Mayer, der scheidende Stellvertreter, ist ein absolutes Urgestein der Bergwacht, man glaubt es kaum, er war in der Bergwacht Inzell von 1989 bis 2001 zunächst stellvertretender Bereitschaftsleiter, Bereitschaftsleiter von 2001 bis 2013 und nun vier Jahre stellvertretender Regionalleiter. Engelbert kümmerte sich nicht nur um die Finanzbelange, sondern war eine wichtige Stütze von Thomas Küblbeck und ein wichtiger Mittler insbesondere bei den Bergwachten im Landkreis Traunstein. Sein Umgangston war immer von Respekt und Höflichkeit geprägt, dafür schätzen wir ihn sehr!“, lobte Burger. Burger nahm auch die Gelegenheit wahr, Sepp Schweinöster für seine Tätigkeit in der Bergwacht Region Chiemgau zu danken. „Sepp, Du warst nicht nur von 1977 bis 2001 Bereitschaftsleiter der Bergwacht Marquartstein und von 2005 bis 2009 stellvertretender Regionalleiter. Uns Jüngeren in der Regionalarbeit ist vor allem Dein leidenschaftliches Engagement als Beauftragter der gesamten Region für den Naturschutz und die Naturschutzprüfung in Erinnerung. Du hast Deinen Rückzug schon seit längerer Zeit angekündigt, weshalb ich Dir schon jetzt an dieser Stelle im Namen aller Bergwachtler im Chiemgau herzlich danken und sehr große Anerkennung aussprechen darf!“

Marcus Goebel und Franz Polzer bleiben Revisoren
Marcus Goebel aus Bad Reichenhall und Franz Polzer aus Berchtesgaden wurden einstimmig als Revisoren im Amt bestätigt. Die Revisoren arbeiten im Hintergrund, nehmen aber eine wichtige Rolle im Bergwachtgeschehen ein. Als unabhängige Stabsstelle prüft die Revision die Haushalts- und Wirtschaftsführung und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung einschließlich der Einhaltung der einschlägigen Gesetze und sonstigen Vorschriften.

Professionelle ehrenamtliche Arbeit in der Bergwacht Chiemgau
Nach der vollzogenen Strukturreform mit vier Einsatzleitbereichen und einem Netz aus ehrenamtlichen Einsatzleitern, die über insgesamt vier eigene Einsatzleitfahrzeuge verfügen, arbeitet die Bergwacht in der Region Chiemgau trotz ihres ehrenamtlichen Charakters sehr professionell. Spezialisierte Gruppen stehen zusätzlich zur Rettung aus wasserführenden Schluchten bereit (Canyon-Rettung), kümmern sich um die psychische Betreuung von Betroffenen nach schweren Bergunfällen (Kriseninterventionsdienst (KID)) oder bilden Suchhunde für Lawineneinsätze (Lawinen- und Suchhundestaffel) aus. Zudem steht ein Technikteam  rund um die Uhr bereit, das mit einem eigenen Fahrzeug zur Lokalisation und Ortung, Lagebeschreibung, Kommunikation und Dokumentation ausgerüstet ist. Die Bergwacht Freilassing ist zusätzlich Bergrettungswache für Höhlenrettung und deckt den südostbayerischen Höhlenraum bis Rosenheim und das Salzburger Grenzgebiet in enger Zusammenarbeit mit der Salzburger Höhlenrettung ab. „Unser Anspruch ist“, so Lobensteiner ergänzend, „in jedem Gelände eine notärztliche Versorgung sicherstellen zu können, auch wenn wetterbedingt kein Hubschrauber mehr fliegen kann. Der Bergwacht-Notarzt ist dafür Alpinist , zu allen Jahreszeiten geländegängig und mit den Bergrettungstechniken sowie den speziellen medizinischen Notfallszenarien der Bergrettung vertraut.“

Autor: BW Rei N 06__2017

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