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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Donnerstag, 28. September 2017

Verschätzt, gestürzt, von Wespen attackiert

Die ehrenamtlichen Retter von der Bergwacht sind immer zur Stelle, wenn Wanderer in Not geraten. Und das war im vergangenen Sommer im südlichen Landkreis dutzendfach der Fall. Besonders tragische Einsätze blieben zum Glück aus – einige werden dennoch in Erinnerung bleiben.

Bad Tölz-WolfratshausenDass es bei einem Bergwacht-Einsatz nicht immer besonders hoch hinauf gehen muss, dass erlebten die Tölzer Retter Anfang Juli. Da rückten sie nämlich statt in Richtung eines Gipfels ins Kirchseemoor aus. Ein Eglinger (35) hatte nach der Attacke eines Wespenschwarms fluchtartig seinen Posten auf einem Jägerstand verlassen, war gestürzt und hatte sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Weil der Unfall in unwegsamem Gelände passierte, wurde neben Feuerwehr und BRK auch die Bergwacht angefordert.

„Es kommt immer öfter vor, dass wir vom Landrettungsdienst hinzugezogen werden und wir mit unserem Geländewagen und der Gebirgstrage helfen“, berichtet Bereitschaftsleiter Horst Stahl. „Es ist auch gut so, dass man in etwas unzugänglichen Gebieten lieber die Bergwacht holt, bevor man Experimente startet.“

Den Trend zur Organisations-übergreifenden Zusammenarbeit hat auch Christoph Brenninger, Bereitschaftsleiter der Lenggrieser Bergwacht, diesen Sommer verstärkt ausgemacht. „Zweimal sind wir zusammen mit der Wasserwacht zum Sylvensteinsee ausgerückt“, sagt er. Einmal hatte sich dort ein Fischer bei Gewitter ans Ufer gerettet und konnte von dort nicht mehr weg; das andere Mal wollte ein Urlauberpaar aus Nordrhein-Westfalen an der Geschiebesperre die Isar überqueren, hatte aber unterschätzt, wie reißend der Fluss war. In beiden Fällen war nicht klar, ob die Festsitzenden über Wasser oder Land am besten zu erreichen waren – das Zusammenwirken aller Retter brachte die Situationen jeweils zu einem glücklichen Ende. „Früher gab es so eine Zusammenarbeit seltener, und es war für beide Seiten am Anfang etwas gewöhnungbedürftig“, sagt Brenninger. „Aber mittlerweile klappt das reibungslos.“

Was die Zahl der Einsätze angeht, sprechen sowohl Stahl als auch Brenninger von einem durchschnittlichen Sommer. Die Tölzer Bergwacht, die für den Bereich Blomberg, Kirchsteinhütte/Längental, Sunntraten und Rechelkopf bis zur Sigrizalm zuständig ist, rückte demzufolge rund 15-mal aus. Für die Lenggrieser Bergwacht, die das Brauenck und den Isarwinkel abdeckt, waren es von Juli bis September etwa 45 Einsätze. „Der ganz normale Wahnsinn“, fasst Brenninger zusammen – verstiegene Bergsteiger, Wanderer, die sich den Fuß gebrochen hatten oder unter Kreislaufproblemen litten. Auch abgestürzte Gleitschirmflieger und verletzte Schluchtenwanderer in der Dürrachklamm waren dabei.

Von 25 bis 30 Sommer-Einsätzen berichtet Markus Schambeck, Bereitschaftsleiter bei der Bergwacht Benediktbeuern, die an der Benediktenwand im Einsatz ist. Gehäuft hätten sich heuer die Nachteinsätze mit aufwendiger Personensuche. Allgemein beobachtet Schambeck eine Tendenz: Etliche Bergsteiger seien zwar mit teurem technischen Equipment ausgestattet – gleichzeitig mangele es ihnen aber am Verständnis für die Gegebenheiten am Berg. „Sie sind überrascht, dass sie oben doch keinen Handyempfang haben und keine GPS-Daten abrufen können.“ Früher habe die Faustregel gegolten, dass man spätestens mittags am Gipfel sein sollte. „Heute machen sich viele erst am Mittag auf den Weg“, meint der Bereitschaftsleiter, und: „Wer abends um 10 Uhr gesucht wird, der hat oft die Distanz falsch eingeschätzt – und er hätte in der Regel schon früher umdrehen oder Hilfe rufen können.“

Einige Hinweise legt auch Toni Geiger von der Bergwacht Kochel allen Wanderern ans Herz: Die Tour sollte zum Beispiel gut geplant werden, es ist wichtig, genügend zu trinken mitzunehmen – und besonders jetzt im Herbst eine LED-Lampe. Bislang habe die Kochler Bergwacht in dieser Saison 26 Einsätze zu verzeichnen. Zum 8000 Hektar großen Gebiet, das die Bergwacht Kochel betreut, gehören die beliebten Ausflugsziele Jochberg und Herzogstand. Gerade auf letzterem Berg „waren sehr viele Wanderer unterwegs“, sagt Geiger. „Trotzdem kam es nicht vermehrt zu Unfällen.“

Immerhin: Die meisten Geretteten bringen den Ehrenamtlichen Dankbarkeit entgegen. „Wir freuen uns, wenn wir einen Brief bekommen“, sagt Stahl. „Und vor Kurzem hat einer mit einem Brotzeitkorb bei uns auf der Rettungswache vorbeigeschaut.“

Zum Orginalartikel des Tölzer Kuriers.

Autor: Andreas Steppan (Tölzer Kurier), Bergwacht Bad Tölz

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