Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

 

 

Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Sonntag, 14. Dezember 2014

Einsatz beim Säuling unterhalb des Apostelgrads

Bodengebundene Rettung zweier Bergsteiger aus der Felswand bei Nacht.

Abends um halb sechs erreichte die diensthabende Bergwachtmannschaft folgende Alarmierung: Zwei Bergsteiger befinden sich am Apostelgrad zwischen Säuling und Pilgerschrofen und kommen weder vor noch zurück. Ein Rückruf durch den Füssener Bergwachteinsatzleiter ergab, dass die beiden durch Abseilen schon versucht haben den Grad zu verlassen und sich deshalb in der nördlichen Wand der Gipfelkette befinden.

Um eine bodengebundene Rettung der beiden unverletzten Bergsteiger durchzuführen, lässt der Einsatzleiter zur diensthabenden Kaufbeurer Mannschaft Füssener Einsatzkräfte alarmieren. Ausgerüstet mit Stirnlampen, sehr hellen Stablampen, Steigeisen, Sicherungsmaterial, etwa einem Kilometer Seilmaterial - neben Bergseilen auch Dynemastatikseile - und weiterem Material, machten sich fast 20 Bergwachtler auf dem Weg. Mit dem geländegängigen Rettungsfahrzeug Füssen und den beiden Mannschaftsfahrzeugen Kaufbeuren und Füssen geht es bis zur Hirschwies. Von da aus geht's zu Fuß weiter über teils schneebedeckte Wege in Richtung Pilgerschrofen. Durch die Stirnlampen der beiden zu Rettenden konnte deren Position im Gelände festgestellt werden.

Plan war es dann vom Grad aus, ähnlich wie bei einer Übung der Füssener Kollegen im Sommer an der gleichen Felswand, einen Retter mit dem Dynemaseil bis zu den Bergsteigern hinab zu lassen und von dort aus weiter bis zu Wandfuß.

Für den Weg bis zum Grad wurden am Pilgerschrofen Seilgeländer eingerichtet. Von dort aus ging es mit Seilsicherung weiter. Die Dunkelheit aber auch Schnee und Eis erschwerten den Aufstieg und den Transport der Seile und des Sicherungsmaterials. Stunden vergingen wie im Fluge. Der Einsatzleiter nahm in dieser Zeit mehrmals Kontakt mit den Bergsteigern auf. Brotzeit und heiße Getränke wurden organisiert und bis in die Nähe der Einsatzstelle getragen. Zwischen zwei und drei Uhr Nachts wurden die beiden dann von einem Bergwachtler aus der Wand geborgen. Etwa 275 m wird der Retter dabei insgesamt von Grad bis zum Wandfuß abgelassen. Die beiden Geretteten werden vom Bergwachtkameraden zum alten Grenzerhüttle geführt und mit Essen und warmen Getränken versorgt und anschießend zum Fahrzeughalteplatz gebracht. Die Bergsteiger wurden zusammen mit den ersten Einsatzkräften hinab nach Füssen gefahren.

Die Gruppe am Apostelgrad packte das Material wieder zusammen und setzte seine Kletterei am Grad in Richtung einer Absteilstelle fort. Andere Bergwachtler bauten inzwischen schon das Seilgeländer zum Pilgerschrofen ab und schafften Rucksackweise Material und Seile hinab zu den Fahrzeugen. So zwischen funf und sechs Uhr am Morgen waren diese Einsatzkräfte dann zurück am Bergwachtdepot in Füssen.

Zu dieser Zeit war die Gruppe am Apostelgrad noch zur Abseilstelle unterwegs. Im Morgengrauen wurde diese erreicht und das Abseilen mit dem ganzen Sicherungsmaterial und den Säcken mit Dynemaseilen konnte beginnen. Dies und der Abstieg zum Kaufbeurer Mannschaftsfahrzeug zog sich den Vormittag hin. Gegen Mittag, 18 Stunden nach Alarmierung erreichten auch diese Bergwachtler den Bergwacht-Stützpunkt in Füssen.

Nachmittags folgt noch eine Alarmierung zur Rettung eines abgestürzten Gleitschirmfliegers im Bereich des Torschrofens. Ein Füssner Bergretter, der Nachts nicht im Einsatz war, wird durch den Rettungshubschrauber Christoph 17 dort abgesetzt und kann kurze Zeit später dort mit dem unverletzten Gleitschirmpiloten wieder aufgenommen werden. Die bereitstehende Kaufbeurer Dienstmannschaft, sowie Steingadener Bergwachtler, die sich für diesen Einsatz bereit gemacht haben, müssen nicht in den Einsatz.

Vielen Dank an die Füssner Kollegen für die sehr gute Zusammenarbeit.

Autor: Christian Hundschell, Bergwacht Kaufbeuren

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum