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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Sonntag, 23. September 2012

Über Gletschereis und Klettersteig

Bergretter der Bergwacht Lam unterwegs auf hochalpiner Ausbildungsfahrt auf den Stubaier Gletschern rund um die Franz-Senn-Hütte.

Wie wichtig die richtige Ausbildung für Bergretter ist, zeigte sich erst vor wenigen Wochen - sechs Tage lang überlebte ein niederbayerischer Bergsteiger in einer Gletscherspalte und konnte von den Einsatzkräften lebend geborgen werden.

Auch für die Lamer Bergwachtbereitschaft und ihre Mitglieder steht eine qualifizierte Ausbildung an oberster Stelle. Dazu gehört unter anderem die jährliche Ausbildungsfahrt in den Sommermonaten. Als Ziel hatte sich Ausbilder und Hauptorganisator  Thomas Haselsteiner heuer die Stubaier Alpengletscher ausgesucht.

Als Unterkunft und "Basislager" für die fünfzehn Teilnehmer diente die Franz-Senn-Hütte des Österreichischen Alpenvereins. Am vergangenen Freitagmittag machte sich die Gruppe mit zwei Kleinbussen auf den Weg ins Nachbarland. Nach etwa fünf Stunden Anfahrt aus dem Lamer Winkel kamen die Kameraden auf dem im Stubaier Oberbergtal gelegenen Wanderparkplatz der Oberriß-Alm (1.742m) oberhalb des Hauptortes Neustift an.

Mit dem Gepäck für die folgenden Tage ging es an den Zustieg zur Hütte. Dabei konnten sich die Bergretter bereits für das kommende Programm eingehen. Auf dem schmalen und serpentinenartigen, aber gut angelegten Wanderweg erreichten sie nach einer Stunde Aufstieg die auf knapp 2150 Meter gelegene Franz-Senn-Hütte. Die Hütte der ÖAV-Sektion Innsbruck verfügt über ca. 170 Schlafplätze und gehört wohl mit zu den komfortabelsten und modernsten Berghütten des Alpenvereins.  In ihrer Umgebung bieten sich zahlreiche interessante Möglichkeiten, das macht sie zu einem optimalen Ausgangspunkt für Wanderungen aller Schwierigkeitsbereiche, anspruchsvolle Bergtouren sowie im Winter für Skihochtouren.  

Durch diese Vielfalt, war es den Lamer Organisatoren auch möglich die Tourenplanungen vor Ort flexibel auf die leider eher schlechte Wetterprognose anzupassen und verschiedene Gruppen für den nächsten Tag zu bilden.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstag starteten die Gruppen noch im Morgengrauen zu den jeweiligen Tageszielen. Dabei wurden verschiedene Schwerpunkte gelegt, von der alpinen Kletterei in Mehrseillängentouren über Hochgebirgswanderungen mit schwierigem Klettersteigdurchstieg durch eine Klamm eines reißenden Gletscherbaches  bis hin zu einer anspruchsvollen Gletschertour zur Kräulscharte  auf 3069 Meter über NN und weiter über den Gipfelgrat zur Inneren Sommerwand (3122m).

Unter Führung von Bergwachtausbilder Thomas Haselsteiner brach die größte Gruppe zum Gletscher auf.  Über ein Nebental des Alpeiner Tals verlief der Zustieg über einen Geländerücken in die steilen Südostflanken des Sommerwand-Massives. Dabei führte die Route die Berghänge entlang bis die Moränen des Gletschers erreicht wurden. Über die Moräne erfolgte der weitere Aufstieg vorbei an kleinen Gletscherseen bis zum Gletscherfuß. Tiefhängende Wolken und anfangs dichter Nebel sorgten zunächst für wenig Sicht. Doch schließlich musste der Kompass doch nicht zum Einsatz kommen, denn Petrus hatte mit den Lamer Bergrettern ein Einsehen und die Nebelschwaden lichteten sich. Die Sonne blieb jedoch trotzdem Mangelware.   Um über das blanke Gletschereis des Sommerwandferners bis zur Kräulscharte aufsteigen zu können, mussten die Bergsteiger aus dem Bayerwald hier ihre Steigeisen anziehen und sich in einer Seilschaft sichern. Bei der Kräulscharte begann dann der Aufstieg über den Gipfelgrat zur Spitze der Inneren Sommerwand. Oben angekommen zeigten sich zumindest die umliegenden Gipfel in ihrer alpinen Schönheit. Ein längerer Aufenthalt am Kreuz war nicht eingeplant und so folgte nach einem kurzen Eintrag ins Gipfelbuch und dem obligatorischen Gemeinschaftsfoto der Abstieg zum Gletscher des Sommerwandferners. Der Abstieg auf dem Gletschereis wurde gleichzeitig für die Ausbildung genutzt. Die Kameraden bauten mit und auch ohne Eisschrauben Sicherungsplätze im Eis. Eine Fähigkeit, die durchaus auch im Winter im Bayerwald notwendig sein kann. Jetzt war auch Zeit für die wohlverdiente Stärkung. Auf dem weiteren Rückweg wurde bei einer Alpin-Klettertour noch das Begehen und Absichern geübt.

Doch damit nicht genug, noch vor dem Abendessen brachen die verschiedenen Gruppen gemeinsam zu einem abschließenden abendlichen Klettersteig über den „Edelweiß-Steig“ auf. Bei einem herzhaften Abendessen tauschten die Ausflügler in gemütlicher Runde auf der Hütte die Erlebnisse des Tages aus.

Leider waren die Wetterprognosen für den nächsten Tag wenig vielversprechend, so dass kurzfristig beschlossen wurde, die  Gemeinschaftswanderung ausfallen zu lassen. Nach dem Packen und Sortieren des Equipments mit kurzer Ausbildung in Knoten- und Materialkunde machten sich die Bergwachtler im Laufe des Vormittags an den Abstieg zu den Fahrzeugen und traten der Rückweg in den Lamer Winkel an.

Autor: A. Fischer-Stahl

Autor: bwlam / as / wp

(c) Th.Haselsteiner, W.Paulus

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