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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Dienstag, 10. Juli 2012

Absturz am Watzmanngrat

Wolkenlücke ermöglicht Hubschrauber-Rettung trotz dichtem Nebel - Großeinsatz kann gerade noch abgewendet werden

RAMSAU (uk/ml) – Ein schwer verletzter Bergsteiger, der am Sonntagmittag vom Watzmanngrat fast 100 Meter auf die Westseite abgestürzt war, konnte am Abend bei dichtem Nebel auf rund 2.700 Metern Höhe durch ein Wolkenloch gerade noch mit dem Hubschrauber per Seilwinde gerettet werden. Damit blieb den Einsatzkräften der Bergwachten Ramsau und Berchtesgaden ein aufwendiger, bodengebundener Abtransport erspart, den der Patient mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt hätte. Wegen der zunehmenden Wetterverschlechterung bereitete sich bereits ein Großaufgebot an Bergrettern für Sicherungs- und Transportmaßnhamen vor. Gute Nachrichten gab es dann am Montag aus dem Landeskrankenhaus: Der schwer verletzte Bergsteiger ist außer Lebensgefahr. Ein Polizeibergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden hat die Ermittlungen aufgenommen.

Der durchaus bergerfahrene 56-jährige Baden-Württemberger war mit seinem 55-jährigen Freund aus dem Saarland auf dem Watzmanngrat unterwegs, als er gegen 12.30 Uhr zwischen Mittel- und Südspitze im Bereich der automatischen Wetterstation in Richtung Wimbachgries abstürzte. Der vorausgehende Begleiter hatte seinen Freund noch kurz rufen gehört und sah ihn dann ein steiles Geröllfeld hinabgleiten, auf dem er vermutlich ausgerutscht war. Erst nach fast 100 Metern kam der Bergsteiger zu liegen und konnte zunächst noch um Hilfe rufen. Sein Begleiter alarmierte zusammen mit einem weiteren Bergsteiger aus Salzburg, der zufällig zur Unglücksstelle gekommen war, die Rettungsleitstelle Traunstein. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ konnte den abgestürzten Bergsteiger schnell lokalisieren. Die Maschine setzte daraufhin den Notarzt auf der Südspitze ab. Kurze Zeit später setzte der Polizeihubschrauber aus München zwei weitere Bergretter aus Ramsau auf dem Grat ab. Alle drei Einsatzkräfte zusammen erreichten kurz darauf den sehr schwer verletzten Baden-Württemberger. Sie versorgten den Mann und bereiteten ihn für den Abtransport mit dem Hubschrauber vor.

Ein Windeneinsatz per Hubschrauber wäre auch kein großes Problem gewesen, aber plötzlich zog dichter Nebel über dem Watzmann auf, sodass ein Hubschrauberflug zunächst nicht mehr möglich war. „Es lief dann eine große Aktion an, weil wir damit rechneten, den schwer Verletzten bodengebunden ins Tal bringen zu müssen“, erklärte Bergwacht-Bereitschaftsleiter Rudi Fendt. Das hätte bedeutet, dass man den Mann zunächst fast 100 Meter zum Grat hätte raufziehen müssen. Dann hätte man ihn zur Südspitze und schließlich über die Südseite ins Wimbachgries transportieren müssen. Fendt: „Das hätte der Verletzte wohl nicht überlebt“. Zur Vorbereitung des drohenden Großeinsatzes brachte man in mehreren Hubschrauberflügen Material und Einsatzkräfte zum Watzmannhaus auf rund 1.900 Metern Höhe. Auch Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden gehörten zu dem rund 25 Personen starken Rettunsteam, das sich auf den Weg in Richtung Watzmanngipfel machte.

Doch dann geschah doch noch das kleine Wunder, Als der mit einer 90-Meter-Seilwinde ausgestattete ADAC-Hubschrauber „Christoph 1“ aus München gerade im Anflug war, entdeckte der Pilot eine Wolkenlücke am Watzmanngrat. Er steuerte die Maschine direkt über den Verletzten und nahm den Mann samt Bergretter auf. „Das war wirklich großes Glück, ansonsten wäre es eine lange Nacht geworden“, berichtet Fendt. Der Hubschrauber brachte den lebensgefährlich Verletzten direkt zum Dachlandeplatz des Salzburger Landeskrankenhauses. In mehreren Flügen sammelte man schließlich die am ganzen Watzmann verstreuten Einsatzkräfte wieder ein. Der Begleiter des Abgestürzten und ein weiterer Bergsteiger stiegen einstweilen über die Südseite in Richtung Wimbachgries ab. Einsatzkräfte der Bergwacht nahmen die beiden unterhalb des Goldbründls in Empfang und geleiteten sie weiter nach unten. Wenig später konnten auch sie vom Hubschrauber aufgenommen und nach Ramsau geflogen werden. Insgesamt waren bei dem Unfall vier verschiedene Hubschrauber im Einsatz. Gegen 21 Uhr hatten die Einsatzkräfte Feierabend. Da war der Watzmann schon lange wieder in dichte Wolken gehüllt und heftige Gewitter zogen über den Berg herein.

Während des aufwendigen Einsatzes musste die Bergwacht zu einem zwölfjährigen Mädchen ausrücken, das gegen 15.45 Uhr im Wimbachgries vom Pferd gestürzt war. Die Einheimische wurde mit dem Pinzgauer abgeholt und einer Rettungswagen-Besatzung des Roten Kreuzes übergeben, die die nach erster Einschätzung leicht Verletzte in die Kreisklinik Bad Reichenhall brachte.

 

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